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	<title>Clickbaiting Archives - Christa Goede</title>
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	<title>Clickbaiting Archives - Christa Goede</title>
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		<title>Verbietet Social Media!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christa]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Jan 2019 07:51:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Know-how]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>4 Gründe, warum wir die Sozialen Netzwerke verbieten* sollten. Social Media verbieten? Ahhhh ja. &#8222;Nun flippt die Goede endgültig aus&#8220;, denkst du bestimmt gerade. Aber ich meine diese Forderung tatsächlich ernst. Zumindest dann, wenn es um Social Media im derzeitigen Zustand geht. Und zwar aus vier Gründen: 1. Die sozialen Netzwerke sind asoziale Netzwerke – [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>4 Gründe, warum wir die Sozialen Netzwerke verbieten* sollten.</h2>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-13641 size-medium" src="https://www.christagoede.de/wp-content/uploads/2019/01/Ein-Herz-das-schreit-e1546523250365-430x378.jpg" alt="Ein Herz, das schreit" width="430" height="378" />Social Media verbieten? Ahhhh ja. &#8222;Nun flippt die Goede endgültig aus&#8220;, denkst du bestimmt gerade. Aber ich meine diese Forderung tatsächlich ernst. Zumindest dann, wenn es um Social Media im derzeitigen Zustand geht. Und zwar aus vier Gründen:</p>
<h4>1. Die sozialen Netzwerke sind asoziale Netzwerke – dafür sorgen Menschen und Algorithmen.</h4>
<p>Hass und Angst sind starke Gefühle, denen wir kaum etwas entgegensetzen können. Menschen, die hassen oder Angst haben, sind für rationale Argumente nicht mehr zugänglich &#8211; auch Liebe als Antwort funktioniert nicht! Im Gegenteil: Wenn ich im Internet Hatern freundlich und zugewandt gegenübertrete, verstärke ich in vielen Fällen deren Hass noch. Manchmal geht das sogar so weit, dass ich für mein Verständnis und mein Engagement ebenfalls gehasst werde &#8211; weil ich zum Beispiel mit Geflüchteten arbeite. Dann bin ich &#8211; und natürlich auch andere, die sich in Social Media gegen den Hass engagieren &#8211; automatisch an jeder Straftat mit schuld, die von Geflüchteten verübt wird. Und uns werden derartig üble Dinge gewünscht, dass ich sie nicht hier wiederholen möchte.</p>
<p>Viele Menschen sehen sich auch nur noch als Opfer. Opfer der &#8222;Wir schaffen das!&#8220;-Ansage, Opfer der Automobilindustrie/des Dieselskandals/der Deutschen Umwelthilfe, Opfer irgendwelcher dubios bleibender Mächte im Hintergrund, die &#8222;uns&#8220; schaden wollen. Das war vermutlich schon immer so, klar. Aber mit Social Media wurden diese Stimmen lauter und sichtbarer. Sie versammeln sich zum Beispiel in Facebook-Gruppen, wo sie sich gegenseitig weiter aufstacheln mit Hasspostings und gefälschten Inhalten.</p>
<h5>Jetzt kommen die üblen Algorithmen gleich auf zwei Arten ins Spiel:<span id="more-13566"></span></h5>
<ul>
<li>Den Algorithmen ist es erst mal schnurzpiep, ob ein Posting inhaltlich richtig ist und ohne negative Emotionen auskommt. Oder ob es zum Beispiel Falschmeldungen beinhaltet und hetzerisch aufbereitet ist. Algorithmen merken, dass dieses Posting geteilt wird, also wichtig sein muss. Und vergrößern automatisiert die Reichweite dieses Postings.</li>
<li>Die Algorithmen steuern nun dieses Posting automatisiert Menschen zu, die bereits ähnliche Postings gelikt, geteilt oder sogar kommentiert haben. So entstehen dann sogenannte Filterblasen, in denen die Menschen praktisch nur noch Hasspostings und Fehlinformationen finden.</li>
</ul>
<p>Auf diese Weise werden aus sozialen Netzwerken asoziale Netzwerke, die vor Hass überlaufen und in denen die Postings immer extremer werden &#8211; bis hin zu übelsten Gewaltfantasien. Da hier die staatliche Kontrolle fast vollständig fehlt und zum Beispiel Facebook bis heute keine funktionierenden Strukturen für die Meldung von solchen Ekelinhalten hat, kann sich der Hass ungebremst weiter verbreiten. Verstärkt wird dieses Phänomen noch von Trollkommandos, die diese emotional negativ aufgeladenen Inhalte gezielt in die Welt setzen und so mit den manchmal berechtigten Ängsten der Menschen spielen.</p>
<h4>2. Clickbaiting betreiben alle – von Privatpersonen über Unternehmen bis hin zu den Medien.</h4>
<p>Hand aufs Herz: Hast du wirklich noch nie einen Postingtext noch mal überarbeitet, um ihn interessanter zu machen? Um ihn positiver zu schreiben? Auffordernder zu gestalten? Hast du wirklich noch nie für ein Foto einen starken Filter genutzt, um aus der sprichwörtlichen Scheiße Gold zu machen? Etwas bewusst weggelassen, obwohl es für den Gesamteindruck wichtig gewesen wäre? Ich hab das alles schon getan – für mich privat und natürlich auch für meine Kundinnen und Auftraggeber. Manchmal hatte ich viel Spaß bei dieser professionellen Behübschung, aber manchmal auch ein schlechtes Gewissen. Denn das Ergebnis hatte manchmal nur noch recht wenig mit der Realität zu tun &#8211; und das macht mir Bauchweh.</p>
<p>Bei Unternehmen kann ich diese spezielle Form der Inhaltsaufbereitung noch verstehen, denn Werbung funktioniert nun mal über die Zurschaustellung der positiven Seiten. Wobei ich die <a href="https://www.facebook.com/influencerperlen/" target="_blank" rel="noopener">Influencer-Exzesse auf Instagram</a> wirklich gruselig finde &#8211; und davon überzeugt bin, dass diese &#8222;Perlen&#8220; langfristig sogar geschäftsschädigend wirken werden.</p>
<p>Richtig schlimm wird Clickbaiting meiner Meinung nach dann, wenn Medien es betreiben: Mittlerweile kreieren auch eigentlich seriöse Medien Headlines und Teasertexte, die nur noch sehr wenig mit dem eigentlichen Inhalt des Textes zu tun haben. Für die Aufmerksamkeit wird hier alles getan &#8230; immer mit dem Wissen, dass viele Menschen die Texte gar nicht mehr lesen, um sie in Social Media zu kommentieren. Da wird munter drauf losgepoltert, vermutet, gedisst und Zusammenhänge hergestellt, bei denen sich meine Fußnägel aufrollen.</p>
<p>Wenn diese Magazine, Zeitungen und Portale dann nicht mal ein vernünftiges Community-Management haben, werden diese Ramschbeiträge nicht moderiert &#8211; die Gegenrede und Korrektur bleibt wackeren Menschen überlassen, die sich zum Beispiel unter Hashtags wie #wirsindmehr oder #ichbinhier versammeln. Klar, das ist ein ziemlich günstiges Geschäftsmodell für die Medienkanäle &#8230; aber ob solche, größtenteils unmoderierten Social-Media-Auftritte wie <a href="https://www.facebook.com/FrankfurterRundschau" target="_blank" rel="noopener">dieser</a> oder <a href="https://www.facebook.com/focus.de/" target="_blank" rel="noopener">dieser </a>tatsächlich zum guten Ruf einer Publikation beitragen, darf wohl bezweifelt werden. Passend dazu wurde am Sonntag, den 20.1.2019, auf der Infoseite des Vereins<a href="https://www.facebook.com/notes/ichbinhier-der-verein/offener-brief-an-online-redaktionen-und-journalisten/1130052927158458/" target="_blank" rel="noopener"> #ichbinhier ein &#8222;Offener Brief an Online-Redaktionen und Journalisten&#8220;</a> veröffentlicht &#8211; dort finden sich konkrete Forderungen, die ich alle unterstütze.</p>
<h4>3. Es gibt immer mehr Informationen – gleichzeitig wird die Überprüfung der Inhalte immer schwieriger.</h4>
<p>Ich habe eine goldene Social-Media-Regel: Was ich nicht überprüfen und damit validieren kann, teile ich nicht. Denn wenn ich mir nicht ganz sicher bin, dass ein Inhalt korrekt ist, werde ich unter Umständen Motor einer ganzen Industrie, die mit gefälschten Nachrichten eine Menge Geld verdient. Diese Fälschungen gibt es mittlerweile in allen Bereichen: von der Politik über den Lebensstil und die Wissenschaft bis hin zu Tagesgeschehen auf dieser Welt. Doch ich bemerke, dass ich immer länger brauche, um Nachrichten zu checken: Gerade, wenn es um aktuelle Nachrichten geht, ist es zumindest in den ersten Stunden fast unmöglich, mehrfach überprüfbare Inhalte zu finden &#8211; obwohl die <a href="https://www.christagoede.de/faktencheck-nachrichten-bilder-und-informationen-ueberpruefen/" target="_blank" rel="noopener">Anzahl der Tools für den Faktencheck</a> stetig wächst. Also habe auch ich schon Links geteilt, in denen echter Bullshit stand, wie ich später bemerkt habe. In diesem Fall habe ich das Posting umgehend gelöscht!</p>
<p>Noch schwieriger wird es, wissenschaftliche Inhalte auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen: Hat der Journalist die Inhalte der Studie tatsächlich korrekt wiedergegeben? Entspricht die Entstehung der Forschungsergebnisse den wissenschaftlichen Standards? Solche tiefen Recherchen würden viel Zeit kosten – Zeit, die ich wie viele andere auch nicht habe. Und auch Zeit, die ich nicht aufbringen möchte für ein schnelles Posting in Social Media. Da es anderen wohl genau so geht wie mir, lese ich mittlerweile Postings in meiner Timeline, die auf reine Propagandaplattformen (nein, ich nenne hier keine!) verlinken. Und das, obwohl meine Filterblase eigentlich eine aufgeklärte und sorgfältige ist.</p>
<p>Darauf angesprochen argumentieren die Absendenden meistens mit &#8222;Aber der Artikel ist doch gut!&#8220; oder &#8222;Klar, ich weiß, dass das ne Schrott-Plattform ist. Aber meine Freundinnen und Freunde können damit umgehen!&#8220; Dass sie mit dem Teilen ganz nebenher die Reichweite dieser Ramschinhalte vergrößern, übersehen diese Menschen gerne – womit wir wieder bei Grund 1 wären.</p>
<h4>4. Soziale Netzwerke bestimmen den politischen Diskurs – und gefährden Menschen und ganze Staaten.</h4>
<p>Ein paar Beispiele gefällig?</p>
<ul>
<li><a href="https://www.reuters.com/article/us-myanmar-rohingya-facebook/u-n-investigators-cite-facebook-role-in-myanmar-crisis-idUSKCN1GO2PN" target="_blank" rel="noopener">UN-Beobachter geben <strong>Facebook</strong> eine Mitschuld am Genozid an den Rohingya in Myanmar.</a></li>
<li><a href="https://www.tagesschau.de/ausland/lynchmorde-indien-101.html" target="_blank" rel="noopener">In Indien wurden mindestens sechs Menschen von Lynchmobs ermordet – Auslöser waren Gerüchte, die über <strong>WhatsApp </strong>verbreitet wurden. </a></li>
<li><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/donald-trump-und-der-facebook-skandal-um-cambridge-analytica-a-1199047.html" target="_blank" rel="noopener">Cambridge Analytica: Ein Datenleck bei <strong>Facebook</strong> hat </a><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/donald-trump-und-der-facebook-skandal-um-cambridge-analytica-a-1199047.html" target="_blank" rel="noopener">Donald Trump </a><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/donald-trump-und-der-facebook-skandal-um-cambridge-analytica-a-1199047.html" target="_blank" rel="noopener">mit ziemlicher Sicherheit zum Sieg verholfen. </a></li>
<li>Der Schweizer Journalist Fabian Eberhard erhielt allein auf <strong>Twitter</strong> 70.000 Hassnachrichten, nachdem er über einen Aufmarsch polnischer Neonazis berichtet hatte. </li>
<li><a href="https://youtu.be/aqZiwRk1yLQ" target="_blank" rel="noopener">Der Journalist Richard Gutjahr kämpft seit Jahren gegen Verschwörungstheorien und deren Verbreitung via <strong>Social Media</strong>, denn er wurde selbst zur Zielscheibe.</a></li>
<li>Die <strong>Facebook</strong>-&#8222;Leave-Kampagne&#8220; zum Brexit wurde aus Russland unterstützt und mithilfe von Cambridge Analytica gesteuert. </li>
<li><a href="https://www.facebook.com/ZDFheute/videos/hass-gegen-frauen-auf-twitter/1108663945982796/" target="_blank" rel="noopener">Laut Amnesty International grassiert auf <strong>Twitter</strong> der Hass gegen Frauen ganz besonders extrem. </a></li>
</ul>
<p>Gegenmaßnahmen? Wenig heiße Luft, noch weniger konkrete Taten &#8211; wer jemals strafbare Inhalte bei den Sozialen Netzwerken gemeldet hat, mag das Wort &#8222;Gemeinschaftsstandards&#8220;, gegen die der gemeldete Inhalt nicht verstößt, nicht mehr lesen. Doch warum sollten sich die Netzwerke auch kümmern? Sie haben mit unserer tatkräftigen Unterstützung Räume geschaffen, in denen ihre eigenen Gesetze gelten. Und so sind zum Beispiel auf Facebook Brustwarzen verboten, aber extreme Gewaltdarstellungen oder Holocaust-Leugnungen erlaubt.</p>
<h3>Ich habe fertig. Und einige Ideen.</h3>
<p><img decoding="async" class="alignright wp-image-13643" src="https://www.christagoede.de/wp-content/uploads/2019/01/Hirn-mit-Ideen-430x327.jpg" alt="Hirn voller Ideen" width="250" height="190" />Grmpf, dieses Auskotzen war wichtig für mich! Wer dieses Blog schon länger liest, weiß, dass ich eigentliche glühende Verfechterin von Social Media bin &#8211; und dass mir dabei Facebook ganz besonders am Herzen liegt. Oder besser lag. Denn hier haben knallharte wirtschaftliche Interessen dazu geführt, dass sich dieses Soziale Netzwerk sehr gut sichtbar von selbst zerstört. In meiner Timeline geben immer mehr Menschen ihren Rückzug aus Facebook bekannt, und auch erste Unternehmen ziehen die Notbremse.</p>
<p>Doch auch zu Twitter, Instagram oder in WhatsApp mehren sich die kritischen Stimmen: Denn auch hier sind intransparente Systeme entstanden, die wirtschaftliche Interessen über menschliche Interessen stellen. Und die sich einen Teufel scheren um rechtliche Vorschriften wie den Datenschutz. Die strafrechtliche Aufarbeitung der zahlreichen Vorkommnisse scheint unmöglich, genauso wie die Durchsetzung der geltenden Vorschriften. Von daher hilft wohl nur ein Verbot*. Absurd, ich weiß. Und vermutlich genauso wenig durchsetzbar wie wirksame Kontrollen bei diesen mächtigen Firmen.</p>
<h4>Social Media mit Gebühr?</h4>
<p>Meiner Meinung nach ist es Zeit für ein Netzwerk, in dem die Menschen zum Beispiel selbst bestimmen, welche Daten sie mit den Unternehmen teilen und welche nicht. Das könnte zum Beispiel über ein Bezahlmodell erfolgen: kein Datenschutz = keine Gebühr, Datenschutz = monatliche Gebühr. Wichtig wäre auch, dass das neue Netzwerk transparent arbeitet und sich so das Vertrauen der Menschen verdient. Außerdem sollte es klare Regeln geben, welche Inhalte erlaubt sind und welche nicht – diese Regeln müssten sich wohl auch von Land zu Land unterscheiden. Außerdem dürfte dieses Netzwerk die Kontrolle der Inhalte und die Steuerung der Algorithmen nicht in der hauseigenen Dunkelkammer vornehmen, sondern müsste sich zum Beispiel externen Prüfinstituten, NGOs oder Universitäten öffnen.</p>
<h4>Mehr Medienkompetenz!</h4>
<p>Ferner brauchen wir endlich das Schulfach Medienkompetenz und natürlich auch Kurse für Erwachsene. Denn selbst in meinem Freundeskreis gibt es Nametest-Opfer und Analysespielchen-Junkies, die allzu gerne ihre eigenen Daten und Inhalte mit dubiosen Unternehmen teilen – und die ihrer Freundinnen und Freunde gleich mit. Ach ja, und wir brauchen eine Gesetzgebung, die mit dem digitalen Wandel mithalten kann und nicht wie bisher Jahre oder sogar Jahrzehnte hinterherhinkt. Okay, jetzt gleite ich endgültig in das Reich der Fantasie ab &#8230; 😉</p>
<h3>Was wir selbst tun können.</h3>
<p>Gegenreden. Fakten teilen. Stellung beziehen. Besonnen argumentieren, Nicht über jedes Stöckchen springen. Nicht jeden Scheiß teilen. Gedisste Menschen unterstützen. Als Privatperson genau wie als Unternehmen. Dafür habe ich in <a href="https://www.christagoede.de/wieder-da/">diesem Blogbeitrag</a> schon 2016 elf Regeln entwickelt:</p>
<p><strong> 1. Ich muss nicht alles lesen, bloß weil ich es kann. </strong></p>
<p><strong>2. Ich muss nicht alles kommentieren, bloß weil ich es kann. </strong></p>
<p><strong>3. Ich muss es nicht aushalten, wenn mich jemand übel angeht. </strong></p>
<p><strong>4. Ich darf zurückübeln &#8211; wenn ich genau erkläre, warum ich das tue. Oder blockieren. </strong></p>
<p><strong>5. Ich denke mehr über die guten Dinge dieser Welt nach. </strong></p>
<p><strong>6. Ich kommuniziere mehr über die guten Dinge dieser Welt. </strong></p>
<p><strong>7. Ich helfe da, wo ich kann. </strong></p>
<p><strong>8. Ich akzeptiere andere Meinungen*, auch wenn ich sie nicht mal im Ansatz verstehen kann. </strong></p>
<p><strong>9. Ich lästere nicht über Menschen, die einen anderen Weg gehen als ich. </strong></p>
<p><strong>10. Ich lasse mich nicht anstecken von Wut oder Aggression und spekuliere nicht. </strong></p>
<p><strong>11. Ich halte mich an die Punkte 1 bis 10. Immer.</strong></p>
<p>* Rechtsextremismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.</p>
<p><em>Küsschen, deine Christa</em></p>
<pre>Bildquellenangabe: <a href="https://pixabay.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay</a></pre>
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		<title>Die Social Media-Hölle</title>
		<link>https://www.christagoede.de/die-social-media-hoelle/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Christa]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Feb 2017 07:40:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Know-how]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Provokation, fehlende&#160;Moderation und schmutziges&#160;Facebook-Gold. Als Social Media-Managerin und Texterin bin ich jeden Tag viele Stunden auf Facebook&#160;unterwegs &#8211; schließlich ist es Teil meines Jobs, Websites und die dazugehörigen Social-Media-Kanäle zu pflegen. Darüber hinaus bin ich als Diplom-Politologin am täglichen Weltgeschehen interessiert: Ich lese globale Newsportale genau wie die Onlineauftritte diverser deutscher Zeitungen und Zeitschriften. Wenn [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Provokation, fehlende&nbsp;Moderation und schmutziges&nbsp;Facebook-Gold.</h2>
<p><img decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-11388" src="https://www.christagoede.de/wp-content/uploads/2017/02/Monster-aus-der-Social-Media-H%C3%B6lle-430x225.jpg" alt="Monster aus der Social Media Hölle" width="430" height="225">Als Social Media-Managerin und Texterin bin ich jeden Tag viele Stunden auf Facebook&nbsp;unterwegs &#8211; schließlich ist es Teil meines Jobs, Websites und die dazugehörigen Social-Media-Kanäle zu pflegen. Darüber hinaus bin ich als Diplom-Politologin am täglichen Weltgeschehen interessiert: Ich lese globale Newsportale genau wie die Onlineauftritte diverser deutscher Zeitungen und Zeitschriften. Wenn ich ganz mutig bin, lese ich manchmal sogar die Kommentare &#8211; auf Facebook genau so wie auf den Websites. Und Mut brauche ich sehr viel dafür, denn was mir da an geballtem Hass und &#8211; Entschuldigung &#8211; gequirlter Scheiße entgegen sprudelt, macht mich manchmal sprachlos.</p>
<p>Meiner Meinung nach sollte jede Fanpage sorgfältig von Spezialisten gepflegt und moderiert werden &#8211; Fachleuten, die wissen, wie Worte wirken können und die ihr Möglichstes tun, um für ein friedliches und respektvolles Miteinander der Leser und Kommentatoren zu sorgen. Auf vielen Fanpages&nbsp;klappt das auch sehr gut: So gibt es einige professionell&nbsp;gepflegte&nbsp;Kanäle &#8211; zum Beispiel die Facebook-Auftritte der <a href="https://www.facebook.com/ihre.sz/?fref=ts" target="_blank" rel="noopener">Süddeutschen Zeitung</a>, <a href="https://www.facebook.com/diezeit/?fref=ts" target="_blank" rel="noopener">der ZEIT</a> und sogar der Springer-Publikation <a href="https://www.facebook.com/welt/?fref=ts" target="_blank" rel="noopener">WELT</a>. Hier wird tatsächlich moderiert, die Betreuer der Seiten diskutieren selbst aktiv mit und schreiten ein, indem sie zum Beispiel Streit schlichten, auf die Netiquette verweisen und im Notfall auch mal jemanden blockieren. So weit, so wunderbar!</p>
<h3>Die Social Media-Hölle.</h3>
<p>Und dann gibt es leider auch noch die zweite Sorte Kanäle: Dort arbeiten Social-Media-Manager, die ihren Höllen-Job vermutlich ebenfalls sehr ernst nehmen. Doch leider haben diese speziellen Kanäle eine andere Intention und gehören meiner Meinung nach zur Social Media-Hölle &#8211; ich picke für diesen Blogbeitrag mal einen raus. Beim <a href="https://www.facebook.com/FOCUS-Online-Politik-492723560754814/" target="_blank" rel="noopener">Facebook-Auftritt von Focus Online Politik</a>&nbsp;gewinnt der mutige Kommentarleser bereits nach ganz kurzer Zeit den Eindruck, als wäre dieser Kanal praktisch vollkommen unmoderiert, denn dort wird ohne Hemmungen gehasst, gedisst und gedroht &#8211; doch das alles dürfte laut&nbsp;eigener&nbsp;<a href="https://www.facebook.com/pg/FOCUS-Online-Politik-492723560754814/about/?ref=page_internal" target="_blank" rel="noopener">Netiquette</a>&nbsp;gar nicht geschehen!</p>
<p>Hierfür gibt es zwei mögliche Erklärungsansätze:<span id="more-11355"></span></p>
<ul>
<li>In der Social-Media-Redaktion von Focus arbeiten viel zu wenige Menschen, die brutal überfordert sind mit der Pflege der vielen Kanäle dieser Zeitschrift. Hier werden die Inhalte einfach nur gepostet, eine anschließende Betreuung&nbsp;ist nicht möglich.</li>
<li>Das&nbsp;Leitmotiv dieser Redaktion lautet&nbsp;<em>&#8222;Viel hilft viel!&#8220;</em>: Viele <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Clickbaiting" target="_blank" rel="noopener">Clickbaiting-Überschriften </a>mit provozierender Tonalität sorgen für viele Kommentare&nbsp;-&gt; viele Kommentare sorgen für viel Reichweite -&gt; viel Reichweite sorgt für viel Klingeling in der Kasse.</li>
</ul>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-full wp-image-9106" src="https://www.christagoede.de/wp-content/uploads/2015/10/Motivator.jpg" alt="Ein Kessel voller Geld" width="350" height="377" srcset="https://www.christagoede.de/wp-content/uploads/2015/10/Motivator.jpg 350w, https://www.christagoede.de/wp-content/uploads/2015/10/Motivator-279x300.jpg 279w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" />Da die journalistische Qualität der Beiträge des Focus nicht <a href="http://www.bildblog.de/59749/bullshit-im-sekundentakt/" target="_blank" rel="noopener">erst seit gestern </a>zu wünschen übrig lässt, liegt&nbsp;Version B sehr nahe: Hier werden umstrittene Themen mit Berechnung so aufbereitet, dass sie möglichst umfassend polarisieren und die Emotionen hochkochen lassen. Die Kommentarstränge werden dann absichtlich&nbsp;nicht moderiert. Vielleicht denken die Verantwortlichen folgendes:&nbsp;&#8222;<em>Sollen sich die Leute doch verbal die Köpfe einschlagen, jeder Kommentar ein Treffer! Diese Interaktionsrate ist ein echter Knaller! Yeah, was haben wir heute wieder Kohle gemacht, prima. Schampus für alle!&#8220; F</em>alls sich doch noch so etwas wie ein Gewissen in der Chefetage&nbsp;regt, könnte die Gedankenkette munter weiter gehen: &#8222;<em>Ach, da wurden wieder Leute mit dem Tod bedroht? Der Holocaust geleugnet? Frauen gleich mehrfach Vergewaltigungen gewünscht? Uns doch egal, sollen die Betroffenen das doch an Facebook melden. Die sind schließlich Betreiber der Plattform, also sollen die sich auch kümmern!&#8220;</em></p>
<h3>Jede Interaktion erhöht die Reichweite. Auch ungewollt.</h3>
<p>Ende 2016 kam die tolle Facebook-Initiative <a href="https://www.facebook.com/groups/718574178311688/?fref=ts" target="_blank" rel="noopener">#ichbinhier</a>*&nbsp;ins Spiel &#8211; eine Gruppe engagierter Menschen, die sich auf den Fanpages großer Magazine und Zeitschriften dem Hatespeech mit Sachargumenten entgegen stellen. Eine wirklich großartige Idee! Doch die Chefetage von Focus könnte wieder die Korken knallen gelassen haben: &#8222;<em>Nun&nbsp;gibt&#8217;s da ja noch diese neue Initiative &#8211; die mischen sich ein und halten Gegenreden zum Hass! Super, noch mehr Interaktion durch die Counterspeecher! Und wir müssen nun wirklich gar nix mehr tun, nur noch kassieren &#8211; die machen die Arbeit schon für uns!&#8220;&nbsp;</em>Denn&nbsp;von der aktiven Gegenrede profitieren natürlich auch Höllen-Redaktionen, schließlich steigt mit jeder Interaktion die Reichweite des Postings. Im Resultat bedeutet das: Je mehr Leute in den Kommentarsträngen schreiben, um so mehr Menschen bekommen das Ursprungsposting auf Facebook zu sehen.</p>
<p>Social Media-Redaktionen großer Massenmedien, die in diesem &#8222;Stil&#8220; arbeiten, handeln aber meiner Meinung nach aus noch mehr Gründen unverantwortlich:</p>
<ol>
<li><strong>Sie kommen ihrem gesellschaftlichen Auftrag nicht nach.</strong><br />
Massenmedien haben immer auch eine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Funktionen_der_Massenmedien" target="_blank" rel="noopener">soziale Funktion</a>: Sie sind Teil unserer Sozialisierung, da sie im Idealfall Hintergrundwissen und Orientierung bieten. Außerdem wirken sie integrativ, denn sie sollten in unserer vielfältigen Gesellschaft allgemein anerkannte Verhaltensweisen und Normen vermitteln.</li>
<li><strong>Sie halten den Pressekodex nicht ein.</strong><br />
Im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pressekodex" target="_blank" rel="noopener">Pressekodex </a>werden journalistisch-ethische Grundregeln gesammelt, zum Beispiel zu den Themen Sorgfalt, Wahrhaftigkeit,&nbsp;Diskriminierung oder Berichterstattung über Straftaten. Verleger und Journalisten haben diesen Grundsätzen durch Ihre Verbände zugestimmt.</li>
<li><strong>Sie verdienen mit widerwärtigen&nbsp;Methoden Geld.</strong><br />
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Clickbaiting" target="_blank" rel="noopener">Clickbaiting</a> mit Überschriften, die mit dem Inhalt eines Artikels nichts zu tun haben, diesen übermäßig skandalisieren oder&nbsp;missverständlich sind, sollten in allen seriös arbeitenden Redaktionen tabu sein. Da es offensichtlich nicht so ist, muss&nbsp;<a href="http://meedia.de/2016/08/05/bad-news-fuer-heftig-co-facebook-schraubt-wieder-am-newsfeed-und-will-clickbaiting-noch-staerker-unterbinden/" target="_blank" rel="noopener">Facebook in Sachen Algorithmus</a>&nbsp;dringend nacharbeiten!</li>
</ol>
<p>Nun könnte man natürlich argumentieren, dass die Leser selbst schuld sind, wenn sie auf derartigen Mist wie den oben beschriebenen hereinfallen, klar. Aber mal Hand aufs Herz: Wie oft haben sogar wir, die wir in Social Media arbeiten, schon gefälschte Nachrichten&nbsp;oder astreine Propaganda geteilt? Mir ist das auch schon passiert, obwohl ich mir wirklich Mühe gebe, alles genau zu lesen und im <a href="https://www.christagoede.de/internet-recherche/" target="_blank" rel="noopener">Zweifelsfall auch den&nbsp;Wahrheitsgehalt einer Meldung&nbsp;zu überprüfen</a>. Ich habe für <a href="https://www.christagoede.de/krisenkommunikation-mal-ganz-anders/" target="_blank" rel="noopener">mich persönlich sogar Regeln entwickelt</a>, wie ich in Social Media handeln möchte &#8211; und trotzdem bin ich schon übler Propaganda aufgesessen. Wie sollen das dann Leute hinkriegen, die nicht so viel Erfahrung im Web haben? Leute, die tatsächlich glauben, dass alles, was auf Facebook veröffentlicht wird, auch &#8222;wahr&#8220; ist? Frauen und Männer, die nicht verstehen, dass ihr Verhalten von Facebook permanent ausgewertet wird und ihnen dort nach ganz kurzer Zeit nur noch Inhalte zugespielt werden, die sie am meisten triggern und so zu Interaktionen verleiten? Menschen, die nicht wissen, dass eine solche Höllen-Redaktion&nbsp;alle Möglichkeiten des Geldverdienens nutzt &#8211; ohne Rücksicht auf Verluste? Die in diesen schnelllebigen Zeiten nur noch Zeit für eine Überschrift haben und Artikel ungelesen teilen?</p>
<h3>Pragmatische Lösungen müssen her. Und zwar schnell.</h3>
<p>&#8222;Dieses&#8220; Internet gibt es nun seit mehr als einem Vierteljahrhundert. So richtig klappt das aber bis heute nicht mit der Wissensvermittlung rund um dieses mächtige Tool. Deswegen brauchen wir meiner Meinung nach:</p>
<p><strong>Mehr Medienbildung für Lehrer und Lehrerinnen:&nbsp;</strong><br />
Wenn ich mich mit meinen Nichten und Neffen oder den Kindern meiner Freunde darüber unterhalte, was sie in der Schule über das Internet lernen, wird mir angst und bange: Da warnen Lehrer die Kids zwar vor Kinderschändern und Propaganda, vermitteln ihnen aber nicht konsequent das Wissen und Handwerkszeug, mit dessen Hilfe die Kinder und Jugendlichen derartige Gruseligkeiten erkennen und sich wehren könnten.</p>
<p><strong>Mehr Medienbildung für alle:&nbsp;</strong><br />
Selbst die meisten Erwachsenen sind meiner Meinung nach mit den schier unendlichen Möglichkeiten des Internets überfordert. Es gibt kaum Kurse, in denen man den Umgang mit diesem digitalen Weltwissen lernen, Recherche-Methoden üben oder testen kann, wie man sich gegen Hater und Disser wehrt. &nbsp;Doch das Schlimmste ist: Es gibt auch keine öffentlich sichtbare Diskussion darüber, dass wir hier ein riesiges Problem haben!</p>
<p><strong>Mehr soziale Bildung für alle:&nbsp;</strong><br />
Ich wünsche mir, dass wir im Zuge des derzeitig stark wachsenden Engagements gegen Hatespeech, Lügen und Propaganda auch anfangen, darüber zu diskutieren, WIE wir alle miteinander umgehen wollen. Wertschätzend und produktiv? Wollen wir einander ernst nehmen und wirklich miteinander sprechen? Oder machen wir einfach weiter wie bisher mit viel Ignoranz und Geringschätzung &#8211; im Kleinen auf Facebook und im Großen in der Politik?</p>
<p>Das sind bestimmt nicht alle Punkte, an denen unsere gesamte Gesellschaft Nachholbedarf hat &#8211; es gibt ganz bestimmt ganz viel mehr. Doch ich bin ja chronische Optimistin&nbsp;und sehe immer die Chancen hinter einem Problem 😉 Lasst uns weiter darüber nachdenken, was wir tun können. Und natürlich aktiv weiterarbeiten an den Dingen, die jetzt schon laufen. Um dieses Internet zu schützen, das auch so viel Großartiges zu bieten hat.</p>
<p>Für eine aufgeklärte Welt, die ohne Hass und Lügen auskommt.</p>
<p>Für produktive Diskussionen, die ohne Beschimpfungen und Drohungen funktionieren.</p>
<p>Danke.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">* Heute, am 19. Februar 2017, habe ich die Gruppe #ichbinhier verlassen. Ich finde die Idee nach wie vor gut, aber die Art der Umsetzung widerspricht meinen Vorstellungen von einem fairen, transparenten und konstruktiven Engagement.</span></p>
<hr>
<p>&nbsp;</p>
<pre>Bildquellenangabe:&nbsp;<a href="http://www.pixabay.com" target="_blank" rel="noopener">pixabay</a></pre>
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