Tipps zur Internet-Recherche

von am 7. April 2016 in Know-how, Social Media | 4 Kommentare

Hoaxes, Propaganda, Gerüchte – wie unterscheidet ihr richtig von falsch?

Lüge-WahrheitWer erinnert sich noch an die Website, auf der sogenannte Bonsaikitten angeboten wurden? Katzen, die in gläserne Behälter eingesperrt wurden und so langsam die Form der Gläser annahmen? Eine riesige Empörungswelle schwappte damals durchs Internet – dabei stand recht schnell fest, dass es sich bei der Website um eine Fake-Website amerikanischer Studenten handelte.

Aktuell machen täglich rassistische, verschwörungstheoretische oder schlicht und ergreifend saudumme Geschichten bei Facebook und Co. die Runde: Da soll ein Supermarkt in Kleinkleckersbach zum drölfzigsten Mal von „Asylbewerbern“ ausgeraubt worden sein – und der Leiter und Personal bekamen vom „Staat“ die Anweisung, nichts zu unternehmen und auch keine Anzeigen zu erstatten. Oder eine vermeintlich seriöse Nachrichtenagentur verkündet, dass gerade die Region rund um Bussibussihausen von „denen da oben“ via Chemtrails besprüht wurde, ein absolut eindeutiges Beweisfoto eines schicken Kondensstreifens vor blauem Himmel ist natürlich angehängt.

Doch ganz so einfach ist es dann doch oft nicht mit der Unterscheidung richtig oder falsch: Da geht zum Beispiel ein Video viral, in dem ein paar Jugendliche behaupten, Flüchtende würden kleine Kinder essen. Diese Jugendlichen werden massiv im Netz gedisst – doch später stellt sich heraus, dass sich die Perspektive auf die Geschehnisse ein Stück verändert, wenn man die gesamte NDR-Dokumentation sieht. Einen detailreichen Artikel zu diesem Fall gibt’s bei VICE.

Ihr seht – es ist schwer zu entscheiden, was man glauben und dann auch in Social Media teilen kann und was nicht. Und es wird immer schwerer. Denn mittlerweile benutzen zum Beispiel rechtsextreme Gruppen Social Media ganz gezielt zur Desinformation und um Ängste zu schüren. Um so wichtiger ist es genau zu wissen, wie man eine Information auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen kann. Hier findet ihr die Plattformen und Suchmaschinen, die ich in einem solchen Fall benutze:

Google – nutze die Möglichkeiten!

Suchwort eingeben, auf die Lupe drücken, fertig? Wer so bei Google recherchiert, nutzt nur ein Promille der Möglichkeiten dieses mächtigen Werkzeugs. Denn ihr könnt dort zum Beispiel nach Datum, Sprache oder Herkunftsland filtern, euch nur Bilder oder Videos anzeigen lassen, in den News suchen oder nach Informationen aus eurer Umgebung. Ein paar Tipps und Tricks für die Googlesuche findet ihr in meinem Blogbeitrag „Richtig googeln“, den ich immer mal wieder aktualisiere.

Recherche in anderen Suchmaschinen

Nein, es gibt nicht nur Google, auch wenn man wegen der knapp 95 % Markanteil den Eindruck gewinnen kann. Für eine fundierte Recherche macht es durchaus Sinn, auch mal andere Suchmaschinen nach Antworten zu befragen, um bei der Suche nach Informationen nicht vollständig dem allmächtigen Google-Algorithmus ausgeliefert zu sein:

  • DuckDuckGo: eine spannende Alternative zu den großen Suchmaschinen, denn hier werden Nutzerdaten weder erhoben noch gespeichert. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Suchoperatoren fast identisch funktionieren zu Google.
  • Bing: die Suchmaschine des Microsoft-Konzerns. Meiner Erfahrung nach liefert sie ähnliche Ergebnisse wie Google, ein Blick dort hinein könnte sich trotzdem lohnen.
  • Askhier könnt ihr ganze Fragen eingeben, Ask hat die Antwort – behauptet der Anbieter jedenfalls. Ich finde diese Form der Suche aber ganz spannend und nutze die Suchmaschine gelegentlich.

Mimikama.at – „Zuerst denken – dann klicken“ (ZDDK)

Richtig oder falsch?Mein Leben wäre erheblich komplizierter, wenn es diesen rührigen Verein aus Österreich nicht gebe. Der gemeinnützige Verein befasst sich mit Hoaxes, Spam, den fiesen Abo-Fallen und schädlichen Links: Auf einer speziellen Facebookseite warnen sie regelmäßig vor neuen Falschmeldungen, die aktuell wieder die Runde machen. Ihr solltet unbedingt Fan dieser Seite werden und die Nachrichten an erster Stelle anzeigen lassen (zur Anleitung geht’s hier lang!). Und auch die Mimikama-Website solltet ihr bookmarken und immer mal wieder vorbeisurfen!

Hoax-Info der TU Berlin

Einen Schönheitspreis gewinnt diese Seite mit Sicherheit nicht, denn hier liegt die Qualität eindeutig auf den inneren Werten: In regelmäßigen Abständen wird diese Website aktualisiert und mit den neuesten Infos über Hoaxes, Kettenbriefe und Verschwörungstheorien befüllt. Wenn man sich an das Design und die nicht gerade nutzerfreundliche Navigation gewöhnt hat, wird man bestimmt fündig. Bookmarken lohnt also ebenfalls, wenn ihr wissen wollt, ob euch mit einem bestimmten Inhalt gerade ein Bär aufgebunden werden soll.

Hoaxmap – wenn es um Gerüchte rund um das Thema Flüchtlinge/Ausländer geht

In dieser Map werden Gerüchte visualisiert: Einfach auf eins der Worte in der Stichwortwolke klicken und schon bekommt man die Stellen angezeigt, an denen das Gerücht aufgetreten ist. Toll ist, dass dort neben Ort, Datum und Kurzinformationen auch gleich der Link zur Widerlegung des Hoaxes gespeichert wird – das erleichtert die Quellenrecherche doch erheblich.

Newsmap – der Schlagzeilencheck

Dieses japanische Newsportal stellt die aktuellen Google News wie ein Puzzle zusammen und sortiert sie auf Klick zum Beispiel nach Ländern, Ressorts, Relevanz und Akutalität – je größer ein Newsfeld wird, um so mehr Beiträge finden sich in Google News. Diese Seite könnte sehr spannend sein, wenn man zum Beispiel beobachten möchte, wie sich News weltweit verbreiten. Außerdem kann man sich von dort aus direkt in die Zeitungen dieser Welt klicken – wunderbar!

Zurückhaltung – es MUSS nicht alles geteilt werden, was geteilt werden KANN

Ganz ehrlich: Wenn ich auch nur einen Hauch von Unsicherheit verspüre bei einem Posting, verzichte ich auf das Teilen. Denn ich möchte Hoaxes, Propaganda und Gerüchte nicht weiterteilen. Und trotzdem ist es auch mir schon passiert, dass ich auf Fehlinformationen aufgesessen bin. In diesem Fall lösche ich das Posting sofort, um die Kette des Weiterteilens doch noch zu unterbrechen und entschuldige mich bei denen, die mein Posting schon weitergeteilt haben.

Und ihr?

Welche Strategien verfolgt ihr, wenn ihr Informationen sucht oder Dinge auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen wollt? Ich freue mich auf eure Ergänzungen zu diesem spannenden Thema!

Bildquelle: Pixabay

Christa GoedeDie Autorin Christa Goede steckt viel Herzblut und noch mehr Fachwissen in digitale Unternehmensauftritte: Mit individuellen Texten und Konzepten gestaltet sie Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Ihre Erfahrung und ihr Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teilt sie hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen.
Tel.: +49 (0) 160 – 94 44 19 34, E-Mail: mail@christagoede.de


 

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