Klare Sprache

von am 14. November 2017 in Text | 5 Kommentare

Für verständliche Inhalte – gegen Kunstwörter, Phrasen und Umdeutungen.

SprachblasenKennst du solche Sätze? „Nach dem Killerdeck bin ich total pre-sold!“, „Sorry, hab‘ nur High-Priority-Actionables auf dem Screen. Für den Rest bin ich zu thight getaktet.“ oder „Diese Quick Wins verstellen uns den Blick auf das Big Picture.? Diese drei Beispiele für denglischen Beratersprech habe ich auf der gleichnamigen Website www.beratersprech.de gefunden – und ich bin mir sicher, dass dir ähnliche Sätze in deinem Arbeitsleben auch schon über den Weg gelaufen sind.

Oder geht es dir sogar wie mir und du erwischt dich selbst dabei, wie du selbst unverständliche Sätze formulierst? Ein paar Klassiker aus meinem Repertoire: „Die Tonalität sollte High-Class sein.„, „Wurden die Broken Links schon gefixt?“ oder „Natürlich sollte das Theme responsive sein!“. Ist das nicht furchtbar? Denn ich sage solche Sätze unter Umständen sogar meinen Kunden, die nicht unbedingt versiert in meinem Branchen-Blabla sind. Glücklicherweise fällt es mir aber in den allermeisten Fällen selbst auf und ich übersetze die Inhalte dann umgehend:

„Die sprachliche Färbung des Textes sollte hochwertig sein.“, „Es gibt in Ihrem Webauftritt Links, die nicht mehr funktionieren – diese müssen wir reparieren.“ oder „Die Elemente Ihres Internetauftritts sollten sich automatisch an die verschiedenen Bildschirmgrößen von Smartphone, Tablet oder PC anpassen – und zwar in Größe und Platzierung!“.  Puh, gerade noch rechtzeitig die Kurve bekommen 😉

Klare Botschaften ohne Schwurbel und Abwertungen

Gerade in der Kommunikation mit Kunden ist es für alle Unternehmen wichtig, klare Botschaften abzusenden – denn nur diese kommen beim Empfänger an. Doch leider frönen ganze Branchen der Schwurbelei! Wir alle haben in unserem Leben bestimmt schon mal vergeblich versucht, einen Brief eines Anwalts zu verstehen – oder die Post einer Behörde. Oder einen Steuerbescheid, OMG! Oder wir haben einen Vortrag „genossen“, der uns mit seinem Extremsprech je nach Charakter zum Lachen, zum Weinen oder zum Einschlafen gebracht hat. Warum hat der oder die Vortragende nicht ein paar Minuten darüber nachgedacht, welche Menschen im Auditorium sitzen? Und selbst wenn die Zuhörerschaft aus lauter hochkarätigen Experten besteht, kann man doch trotzdem seinen Vortrag ein bisschen lebendiger und sprachlich einfacher zu verstehen gestalten, oder? Hachja, die Welt wäre so schön ohne Geschwurbel!

Noch schöner wäre eine Welt ohne sprachliche Abwertungen und Deklassierungen. Ein Beispiel gefällig? Mit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 wurde aus dem ArbeitsLOSEN ein Hartz IV-EMPFÄNGER. Merkste was? Hier wurde sprachlich aus jemandem, dem etwas fehlt, jemand gemacht, der etwas empfängt. Dabei ist die Person die gleiche geblieben – nämlich ein Mensch, der keine Arbeit hat und deshalb auf Unterstützung angewiesen ist. Eine Unterstützung, für die er im Übrigen in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat! In unserer Alltagssprache wurden diese Menschen sogar noch weiter deklassiert, so ist „Hartzer“ ein Synonym für „Assozial“ geworden und wird als Schimpfwort benutzt. Refugees welcomeUnd aus Menschen, die vor Krieg, Hunger und/oder Terror flüchten, wurden „Asylanten“, die in „Willkommenszentren“ kaserniert werden sollen. („Willkommenszentren“ sind exterritoriale Auffanglager, die zum Beispiel in Afrika entstehen sollen, damit die Menschen gar nicht mehr nach Europa kommen – die Menschen werden also schon auf afrikanischem Boden gesammelt und selektiert. Was hat das mit „Willkommen“ zu tun?) Ja, ist klar, das alles passiert ja nur, weil wir uns vor einem „Flüchtlingsstrom“ oder der „Flüchtlingsflut“ schützen wollen – also etwas, was viel breiter und mächtiger ist als ein ganz normaler Fluss und uns überrollt. Meine Meinung dazu: Menschen mit Naturkatastrophen gleich zu setzen, geht gar nicht. Denn hier ist die sprachliche Degradierung sogar so stark, dass sie den Geflüchteten ihr Mensch sein abspricht! Ich finde diese sprachliche Entwicklung extrem gruselig …

Deshalb bemühe ich mich, meine eigene Sprache zu überprüfen: Ich möchte klare Sätze schreiben und sensibel mit Worten umgehen. Dabei geht es nicht darum, Sprache glatt und einheitlich zu schleifen – ich bin ja selbst Freundin der klaren Ansage, die auch gerne umgangssprachlich gefärbt sein darf 😉 Sondern es geht darum, Sätze so zu formulieren, dass die Leserinnen oder Zuhörer sie verstehen können. Und in diesem Prozess können wir doch alle auch gleich darauf achten, dass wir andere Menschen nicht abwerten mit unseren Formulierungen, oder? Mir helfen dabei zum Beispiel folgende Tipps und Tools:

Tipps und Tools – für eine verständlichere Sprache

  • Blabla-Check – du willst deine eigenen Texte mal auf Geschwurbel checken? Dann nutze das Blablameter – dort bekommst du einen ersten Eindruck, ob du Phrasen drescht oder Klartext sprichst.
  • Neusprech – du interessierst dich für sprachliche Umdeutungen und die Hintergründe? Auf Neusprech.org findest du viele Hintergrundinfos. Immer spannend, manchmal furchterregend.
  • Phrasenpranger – auf Twitter findest du den Phrasenpranger. Hier werden Stilblüten der Phraserei gesammelt.
  • Textanalalyse – in der Textanalyse der Wortliga kannst du deine Texte überprüfen, unter anderem auf Passivsätze, unpersönliche Sprache, Phrasen und Modalverben.

Hast du noch mehr Tipps? Spannende Websites zu diesem Thema? Oder sogar Tools, mit denen ich meine Texte weiter optimieren könnte? Ich freue mich über Ergänzungen in den Kommentaren.

Bilder: Pixabay
Christa GoedeChrista Goede steckt viel Herzblut und noch mehr Fachwissen in digitale Unternehmensauftritte: Mit individuellen Texten und Konzepten gestaltet sie Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Ihre Erfahrung und ihr Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teilt sie hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen.

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5 Kommentare to “Klare Sprache”

  1. Danke, gleich geteilt. Hab mich gestern gerade wieder dabei erwischt, dass ich von „sozial Schwachen“ geredet habe, aber eigentlich meinte ich natürlich: arme Menschen, was mit sozialen Schwächen gar nichts zu tun hat. Ganz schön schwer, Unworte und Phrasen aus dem eigenen Kopf herauszuhalten!

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