Social Media-Sprech

von am 11. September 2014 in Know-how, Social Media | 10 Kommentare

Social Media ist wie Landwirtschaft. Oder eine Star-Trek-Convention.

Sprechen Sie schon Social Media? Nein? Dann wird’s aber Zeit! Nach Lektüre dieses Blogbeitrags und meinen Übersetzungen des Social-Media-Sprechs wissen Sie viel besser Bescheid und können mitreden. Ganz bestimmt 😉

Reichweite, die (organisch/bezahlt/viral)

Eine KuhStellen Sie sich Folgendes vor: Sie sind Bauer. Vor 250 Jahren. Im Schwarzwald. Oder anderswo, das ist eigentlich egal. Also jedenfalls sähen Sie im Frühjahr auf Ihrem Acker aus: Sie tragen die Samen in einer Schürze vor sich her, laufen über Ihren Acker und verteilen bei jedem Schritt eine großzügige Ladung Körner – das ist die ORGANISCHE Reichweite.
Jetzt möchten Sie Ihren Ertrag vergrößern. Das heißt, dass Sie mehr Samen auf mehreren Äckern verteilen müssen. Sie stellen dafür einen Knecht ein, der auf dem weiteren Ihrer Äcker sät – gegen Bezahlung. Das ist die BEZAHLTE Reichweite. Im Idealfall werden Sie sich in der Erntezeit freuen, dass Sie Ihren Ertrag vergrößert haben. Und zwar um mehr, als sie der Knecht gekostet hat. Sollte das nicht der Fall sein, sollten Sie Ihre Strategie überprüfen. Aber Obacht: Von vorschnellen Urteilen möchte ich abraten. Denn nicht immer ist der Knecht unfähig –  manchmal ist der Samen schlecht, der Bauer zu geizig oder der Acker nicht fruchtbar genug. Sehen Sie also genau hin!
Die VIRALE Reichweite entsteht, wenn sich Ihre Saat mithilfe des Windes weiter verbreitet und zum Beispiel auch auf nicht eingeplanten Erdschollen Erträge bringt. Das ist natürlich ganz wunderbar und freut den Bauern! Doch Sie sehen anhand dieses Beispiels, dass eine virale Reichweite nie planbar ist – sollte Ihnen ein Dienstleister Versprechen geben wie „Mit der Idee gehen wir in jedem Fall viral und steigern Ihren Umsatz um 23 %!“ lautet mein Tipp: Suchen Sie sich einen anderen, seriösen Anbieter.

Key-Influencer, die

SchlüsselEins dieser Wörter, die ich ganz arg witzig finde. Denn ich neige dazu, englische Phrasen 1:1 ins Deutsche zu übersetzen – und bei „Schlüssel-Beeinflusser“ muss ich immer an Uri Geller denken, der in den 1970er Jahren im deutschen Fernsehen Löffel verbog. Ein Key-Influencer ist aber erst mal – ganz wertfrei – jemand, der Dinge vorantreibt und beeinflusst. Ein Key-Influencer könnte also jemand sein, der sich in einem Verein engagiert, gerne Dinge organisiert oder mit seinem Input die öffentliche Diskussion zu einem bestimmten Thema am Laufen hält.
Ein Key-Influencer ist aber nicht zwangsläufig positiv gestimmt, er kann zum Beispiel ein „Lover“ oder „Hater“ Ihres Angebots sein – um mal im Denglischen zu bleiben. Ein Key-Influencer in Social Media ist also jemand, der auf Facebook viel kommentiert, Ihre Blogbeiträge häufig teilt und sich an Diskussionen beteiligt, die sich um Ihr Unternehmen oder Ihr Produkt drehen. Einen oder sogar mehrere Key-Influencer zu haben, ist eine schöne Sache, wenn es sich um „Lover-Typ“ handelt. Ein „Hater-Typ“ wird Sie immer wieder Nerven kosten und er kann sogar Ihre ganze Community sprengen, wenn Sie nicht früh genug und feinfühlig dagegen steuern.
Mein Tipp: Behandeln Sie Ihre Fans, Follower und Leser gut, dann steigen die Chancen auf die Key-Influencer aus der „Lover-Ecke“.

Plusen, sharen, liken, tweeten, retweeten

Eine Reihe von Verben, die es bestimmt eines Tages in den Duden schaffen, genau wie das Wort „googeln„. Diese Verben beschreiben das, was wir in Social Media tun: Wir plusen Beiträge auf Google+, liken etwas auf Facebook oder tweeten und retweeten auf Twitter. So zeigen wir, dass wir die geteilten Inhalte bemerkenswert finden – ganz gleich, ob wie sie mögen, interessant oder sogar ganz gruselig finden. Wir sharen Blogbeträge oder andere Postings in Social Media, weil wir finden, dass andere das auch lesen sollten.
Mein Tipp: Diese Worte sollten Sie als allererstes in Ihren Sprachschatz aufnehmen! Denn es klingt doch viel cooler, wenn Sie sagen könnten: „Ich habe gestern dieses tolle Video mit den knuddeligen Katzen als allererstes geplust, gelikt und getweetet!“. Persönlich warte ich ja noch auf das Verb „commenten“. Bei diesem Wort kann man auch den Duft der großen weiten Welt erschnuppern – denn etwas einfach zu kommentieren klingt doch viel zu langweilig!

Community, die

RaketeEine Community ist eine Gemeinschaft von Menschen, die sich für gleiche Dinge interessieren sich im besten Fall sogar ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln. Denken Sie zum Beispiel an die Star-Trek-Conventions überall auf der Welt, auf denen sich die Fans der Serie  versammeln. Diese großen Communitytreffen sind Treffpunkte für Gleichgesinnte, auf denen sie fachsimpeln, Fanartikel kaufen oder sich Interviews der Stars geben lassen. Diese Menschen treffen sich auch virtuell in Foren, Facebook-Gruppen oder sie lesen die gleichen Blogs. Eine verschworene Gemeinschaft, die jedes Detail der Serie verfolgt und zum Teil sogar ganze Textpassagen auswendig aufsagen kann.
Doch auch die Community hat ihre Haken: Wer kennt nicht die Lästereien im Dorf oder die missgünstigen Kommentare in den Online-Foren. Aber positives Feedback aus der Gemeinschaft und auch angemessen vorgetragene Kritik oder sachliche Diskussionen sind für den Empfänger bares Geld wert – denn hier birgt sich enormes Potenzial zur Entwicklung. Kostenloses Potenzial! Deswegen sage ich: Eine solche Community sollte das Ziel aller Selbstständigen sein, die sich in Social Media engagieren – also auch das der Freiberufler und der Klein- und Mittelständischen Unternehmen. Denn die Communityidee funktioniert auch im Kleinen: In meinem Blog kommentieren regelmäßig Menschen, die ich nicht persönlich kenne. Und auf Facebook werden meine Beiträge von Menschen geteilt und damit weiter verbreitet, mit denen ich auf den ersten Blick keine persönliche Verbindung habe. Und doch sind sie Teil meiner Community, und ich freue mich sehr darüber, dass es sie gibt. Vielen Dank an euch an dieser Stelle ;o)) Ihr sorgt dafür, dass meine Beiträge eine größere Reichweite (siehe oben) haben. Und Ihr gebt mir wertvolles Feedback, das mir bei meiner Entwicklung hilft.

Hashtag, das

Der multifunktionale Gartenzaun des Internets, über den ich schon mehrfach gebloggt habe – sehen Sie hier: Hashtags – Gartenzäune des Internets und Hashtags auf Google+.

Monitoring, das

Kamera-MonitoringFür diesen Begriff gibt es eine ganz einfache Eselsbrücke, wie ich finde: den Monitor. Einen Monitor benötigt man, wenn man Dinge aus der Ferne überwachen möchte. Und genau das bedeutet Monitoring: die Überwachung der Geschehnisse rund um Ihr Unternehmen, Ihr Produkt oder Ihre Person in Social Media. Und selbstverständlich können Sie auch die Konkurrenz monitoren/überwachen und genau beobachten, wie diese sich in Social Media verhält.
In erster Linie dient diese spezielle Form der Überwachung aber Ihnen: Sie können viel schneller auf Geschehnisse im Web reagieren, wenn Sie wissen, was über Sie geredet wird! Ideal ist also ein „Echtzeit-Monitoring“, denn in den heutigen, schnelllebigen Zeiten kann eine Reaktion mit einem Tag Verzögerung schon viel zu spät sein.
Wichtig ist auch, dass Sie die Ergebnisse Ihres Monitorings dokumentieren, um Sie auch langfristig auswerten zu können. So können Sie zum Beispiel Erfolge und Misserfolge sichtbar machen, Key-Influencer identifizieren oder einen kleinen Blick in die Zukunft wagen.
Ja, Monitoring ist nicht nur toll, sondern unter Umständen auch ziemlich böse. Wie jede Form von Überwachung. Denn wenn man es zum Beispiel dazu benutzt, die Aktivitäten einzelner Personen im Internet zu überwachen, wird es übel. Oder, wenn man mit den gewonnenen Informationen Ränkespielchen betreibt oder Missgunst sät. Aber ich bin mir sicher, dass ich nur gute Menschen als Leser habe, die Monitoring ausschließlich für ihre POSITIVEN, unternehmerischen Ziele verwenden!

Client Engagement Manager, Chief of Community, Interactive Officer

Hierbei handelt es sich um Jobbezeichnungen, die ich immer mal wieder in Stellenausschreibungen lese. Was sie genau bedeuten und welche Teilbereiche der digitalen Welten sie umfassen – ich habe allerhöchstens den Hauch einer Ahnung. Nur so viel: Hier werden Menschen gesucht, die „irgendwas mit dem Internet und diesem Social Media“ zu tun haben. Was genau, wissen die Menschen in den HR-Abteilungen vermutlich selbst nicht – sonst würden Sie verständliche Jobbeschreibungen für diese offenen Stellen entwickeln. Stattdessen werden neue Jobbezeichnungen kreiert, die mich stets aufs Neue erheitern 😉
Mein Tipp: Wenn Sie sich für eine solche Stellenanzeige interessieren, rufen Sie im Unternehmen an! Im Idealfall wird man Sie mit den Experten verbinden, mit denen Sie in Zukunft zusammenarbeiten könnten. Und diese Menschen werden Ihnen ganz genau sagen können, welche Arbeiten die ausgeschriebene Stelle beinhaltet und welche Qualifikationen und Erfahrungen Sie mitbringen sollten.

Was fehlt Ihnen?

Sie werden bemerkt haben: Dieser Text verfolgt keine wirkliche Strategie und die erklärten Begriffe sind nicht mal alphabetisch geordnet. So was, ts. Ich gebe es zu: Er diente bisher einzig und allein meiner Unterhaltung. Jetzt hoffe ich, dass das Lesen Ihnen genau so viel Spaß gemacht hat wie mir das Schreiben 😉
Gerne übersetze ich Ihnen weitere Fachbegriffe aus der Social-Media-Welt. Wollten Sie schon immer mal wissen, was der Begriff XY genau bedeutet? Schreiben Sie mir – ich übersetze Ihnen diesen Fachbegriff sehr gerne.

Bildquelle: Pixabay

Christa GoedeDie Autorin Christa Goede steckt viel Herzblut und noch viel mehr Expertenwissen in digitale Unternehmensauftritte: Mit individuellen Texten und Konzepten gestaltet sie Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Ihre Erfahrung und ihr Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teilt sie hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen.
Tel.: +49 (0) 69 – 63 39 29 77, E-Mail: mail@christagoede.de


10 Kommentare to “Social Media-Sprech”

  1. Danke, liebe Christa. Das werde ich mir ausdrucken und an die Wand hängen 😉 Und meine Studenten bekommen den Link. Kannst du auch noch etwas zu „Influencern“ und zu „Content(-Strategie)“ schreiben? Liebe Grüße, Petra

  2. Herrlich geschrieben: vielen Dank dafür – ich grinse immer noch! Und wer so schön textet, der wird auch verbreitet. Ich zum Beispiel war noch nie hier, bin über XING aufmerksam geworden, und werde das jetzt mal über Facebook weitergeben. Oder Google+. Oder Twitter. Hach, ich schau halt mal. Und auch wieder hier vorbei!

    Gruß aus Bremen,
    Eddy

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