Du möchtest Werbetexter oder Werbetexterin werden? Vorab: Du hast einen tollen Berufswunsch ;-). Ich liebe diesen spannenden Job seit mehr als 22 Jahren. Seit 19 Jahren arbeite ich freiberuflich als Werbetexterin. In dieser Zeit haben sich viele Menschen für diesen Beruf interessiert und mir auch initiativ ihre Bewerbungsunterlagen geschickt. Dabei habe ich als One-Woman-Show gar keine Angestellten …

Werbetexterin oder Werbetexter werden - so geht's

Außerdem erhalte ich viele Anfragen zum Thema Praktikum und Ausbildung. So hat mich etwa Lola, meine erste Schülerpraktikantin, zwei Wochen lang begleitet. Sie hat mir die sprichwörtlichen Löcher in den Bauch gefragt zu meinem Lieblingsberuf. Daraus habe ich nun diese FAQ entwickelt für alle, die gerne in diesem Job arbeiten möchten.

Wenn dir noch Informationen fehlen, schreibe einfach einen Kommentar unter den Blogbeitrag. Ich ergänze die FAQ gerne! Und los geht’s ;-)

Ist Werbetexter oder Werbetexterin ein echter Beruf?

Ja! Allerdings kein geschützter. Das heißt, jeder Mensch darf sich Werbetexter oder Werbetexterin nennen. Und Dienstleistungen aus diesem Bereich anbieten. So kommt es, dass es in diesem Bereich leider immer wieder “Berufene” oder “Nebenerwerbstätige” gibt, die wohl in einem anderen Beruf besser aufgehoben wären. Qualifizierte Werbetexter und Werbetexterinnen können Mitglied im Texterverband, dem Fachverband freier Werbetexter e. V., werden. Hier musst du dich aber richtig bewerben. Und einer kritischen Jury Arbeitsproben vorlegen. Wenn du diese Prüfung bestanden hast und Teil des Verbands geworden bist, darfst du dir wie ich dieses Siegel inklusive Qualitätsversprechen anheften:

Qualitätssiegel des Texterverbands

Wie wirst du Werbetexterin oder Werbetexter?

Klassischerweise bewirbst du dich in einer Werbeagentur als Juniortexter oder Juniortexterin. Oder machst erst mal ein Praktikum. Ganz oft machst du aber erst mal einen Copytest. So testet die Agentur dein Sprachgefühl und deine kreativen Potenziale.

In guten Agenturen lernst du das Handwerk von der Pike auf: Du kannst dir viel abschauen von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Und du wirst meist auch recht schnell auf erste eigene Projekte losgelassen. In Feedbackgesprächen bekommst du detailliert Auskunft darüber, was gut und was weniger gut ist an deinen Texten und Ideen. Wenn du einige Jahre Agenturerfahrung hast und auf der Hierarchieleiter aufgestiegen bist, kannst du dich selbstständig machen. Etwa als freiberuflicher Werbetexter oder freiberufliche Werbetexterin.

Außerdem gibt es noch diverse Lehrgänge und sogar Studiengänge, in denen du dich online oder vor Ort ausbilden lassen kannst. Mein Tipp: Hier solltest du bei der Auswahl darauf achten, dass die Praxis nicht zu kurz kommt. Denn darauf kommt es an in diesem Beruf.

Wenn du vorab schon mehr wissen willst über den Aufbau eines Werbetextes, klick doch mal auf meine Blogbeiträge “Werbetexte schreiben: Du, ich hab da mal ein Problem. Oder doch einen Brotkasten?” und “Werbetexte: 6 Tipps für Texte, die überzeugen.”

Musst du dich spezialisieren als Werbetexter oder Werbetexterin?

Lupe Rot

Du kannst. Aber du musst nicht. Weder inhaltlich, noch in der Textdisziplin. Aber meiner Erfahrung nach lohnt sich eine Spezialisierung. Zum Beispiel, wenn du einen medizinischen Hintergrund hast. Und dein Fachwissen gerne weiter in deine tägliche Arbeit einbringen möchtest.

Doch Werbetexterinnen und Werbetexter werden auch in den verschiedenen Medientypen gebraucht: Im Printbereich schreibst du etwa Broschüren oder redaktionelle Beiträge für Magazine und textest Flyer. Auch Spezialisten und Expertinnen für Videos, Podcasts oder digitale Lernmodule sind sehr gefragt.

Ich selbst arbeite fast ausschließlich für Online-Kanäle: Ich entwickle Konzepte und schreibe Texte für Websites. Hin und wieder mache ich auch noch Print. Oder eine mehrstufige Kampagne. Und in den letzten Jahren mache ich auch immer mehr Markenberatung. Das heißt, ich helfe Menschen dabei, ihre eigene Marke zu entdecken. Und diese dann mit authentischem Leben zu füllen.

Auch eine Spezialisierung auf bestimmte Zielgruppen kann sehr nützlich sein: Manche meiner Kolleginnen und Kollegen arbeiten zum Beispiel besonders gerne für hippe Trendkampagnen großer Marken. Oder für kleine und mittelständische Unternehmen, die erklärungsbedürftige Produkte und Dienstleistungen anbieten. So wie ich.

Welche Wege gibt es, um selbstständig als Werbetexter oder Werbetexterin zu arbeiten?

Manche von uns arbeiten als Freelancer weiterhin für Agenturen. Das hat den Vorteil, dass du zeitlich befristet für ein einzelnes Projekt arbeitest. Du musst also nicht mehr jahrelang in Festanstellung auf einem Kunden oder einer Auftraggeberin sitzen. Auch Unternehmen greifen immer mal wieder auf Freelancer zurück: wenn sie etwa den Relaunch der Website umsetzen. Oder große Kampagnen durchführen, die sie allein mit Festangestellten nicht wuppen können. Diese Form der Freiberuflichkeit hat den Vorteil, dass du für einige Monate gut ausgelastet bist. Und du weißt von Anfang an, wie viel Geld am Monatsende in die Kasse kommt. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil!

Ich hingegen arbeite nur sehr selten für Agenturen. Sondern lieber direkt für kleine und mittelständische Unternehmen. Denn dort bin ich Beraterin und Texterin in einem. Doch die Volumina der Aufträge sind oft kleiner. Das heißt, ich arbeite jeden Monat für viele verschiedene Firmen. Genau diese Themenvielfalt macht mir ziemlich viel Spaß ;-). Deswegen geht es in meinem Hirn kreativ und strukturiert gleichzeitig zu! Wenn du mehr wissen willst, bitte hier entlang: “9 Phasen bis zum fertigen Werbetext: Einblicke in Hirn und Herz einer Texterin.”

Was verdienen Werbetexterinnen oder Werbetexter?

Ein Kessel voller Geld

Laut gehalt.de verdienen festangestellte Werbetexterinnen und Werbetexter zwischen 37.285 € und 47.283 €. Persönlich kann ich nichts zu den Gehältern sagen, da ich schon viele Jahre keine Angestellte mehr bin. Aber ich möchte vermuten, dass es da auf die Region ankommt. Und natürlich auch auf deine Berufserfahrung sowie deine Spezialisierung.

Selbstständige sollten sich bei ihrer Preisgestaltung nach den Vorgaben des Texterverbands richten. Das sind derzeit 90 €/h netto. Auch, wenn du kein Mitglied des Verbands bist, kannst du dir dort den Marktmonitor bestellen. Er hilft dir, deine Preise solide zu kalkulieren.

Denn gerade zum Start in die Freiberuflichkeit vergessen viele, dass sie ja nicht 40 Stunden Texterei pro Woche verkaufen. Sondern erheblich weniger. Schließlich gehören zur Arbeitszeit auch die Buchhaltung, die Akquise, die Selbstvermarktung. Ja, sogar die Zeit, in der du deinen Schreibtisch aufräumst oder dein Arbeitszimmer putzt, ist Arbeitszeit!

Außerdem müssen Selbstständige für ihren Urlaub vorarbeiten. Und sich ein finanzielles Polster für Krankzeiten zulegen. Du willst wissen, welche Kosten du bei deiner Preiskalkulation einbeziehen solltest? Bei akademie.de findest du einen detailreichen Stundensatz-Rechner.

Welche Charaktereigenschaften solltest du mitbringen, wenn du Werbetexter oder Werbetexterin werden willst?

Hui, das ist eine schwierige Frage. Ich versuche, sie trotzdem zu beantworten. Neben einem guten Sprachgefühl solltest du meiner Meinung nach sehr neugierig sein. Und du solltest komplexe Dinge schnell verstehen können. Denn als Werbetexterin oder Werbetexter arbeitest du dich immer wieder in völlig neue Themen und Branchen ein. Da ist auch eine gewisse Hartnäckigkeit gefragt! Denn manche Themen gehen nicht so leicht von der Hand.

Außerdem wandelt sich unser Beruf mit der Digitalisierung stark. Derzeit ist zum Beispiel Fachwissen über die Funktionsweisen von Websites oder Social Media-Kanälen gefragt. Wichtig ist meiner Meinung nach zudem, dass du keine Scheu hast, anderen Menschen Fragen zu stellen. Und zwar so lange, bis du verstanden hast, um was es in deinem Text gehen soll. Und welche Zielgruppen der Text erreichen soll. Zusätzlich musst du als Werbetexter rauskitzeln, was deine Kundin oder den Auftraggeber so besonders macht. Da geht’s oft ans Eingemachte, wenn ihr zusammen den USP sucht.

Wenn du dich selbstständig machen willst, solltest du dazu noch gut mit Menschen umgehen können. Und Zuhören! Denn bei unserem Job ist manchmal ein feines Gespür für Zwischentöne und diplomatisches Geschick gefragt. Ach ja, du solltest ziemlich gut organisiert sein. Und Buchhaltung und Steuer im Griff haben.

Corona hat es gezeigt: Werbetexter und Werbetexterinnen sollten fit in den digitalen Welten sein. Und keine Berührungsängste haben. Denn mit Zoom, Slack, Evernote oder Google Drive kannst du deine Arbeit einfach und zeitsparend organisieren. Und gleichzeitig mit deiner Kundschaft zusammenarbeiten. Ganz egal, wo auf der Welt ihr euch gerade befindet. Denn wenn du dir einen gewissen Ruf erarbeitet hast, kommen auch Kundinnen und Kunden aus dem Ausland auf dich zu.

Kannst du in diesen Beruf auch quer einsteigen?

Klar! Ich kenne keinen Menschen, der nicht quer in diesen Beruf eingestiegen ist ;-). Manche sind Autodidakten ohne abgeschlossene Ausbildung. Andere haben wie ich ein Studium oder eine andere Ausbildung abgeschlossen. Und sind dann in die Werbewelt eingestiegen. Wichtig ist, dass du Lust auf Sprache und Schreiben hast. Und dich gerne tief in die Köpfe deiner Kundinnen und Auftraggeber sowie verschiedene Zielgruppen hineindenkst. Relativ stressresistent solltest du auch sein. Denn in diesem Job kommen die Ideen nicht auf Knopfdruck. Es kann also auch mal sein, dass dir die Zeit wegläuft. Und du Tag und Nacht nach einer zündenden Idee suchst. Doch dann macht es Peng und sie ist da! Was für ein Gefühl. Ich liebe das so sehr …

Wie bilden sich Texterinnen und Texter fort?

Eine Frau liest ein Buch

Unser Beruf ist ziemlich lernintensiv: Zum einen lernen wir natürlich jeden Tag on the job. Weil viele von uns für ganz unterschiedliche Branchen und in verschiedenen Themenbereichen arbeiten. Das heißt, wir denken uns tief in Inhalte, Ziele, Zielgruppen sowie die Werte- und Sprachwelten von Unternehmen hinein. Manchmal sogar mehrfach am Tag in verschiedene!

Ich halte es für wichtig, sich mit anderen aus unserer Zunft zusammenzusetzen: Das mache ich regelmäßig in der ein mal jährlich stattfindenden Akademie meines Lieblingsnetzwerks “Texttreff“. Dort besuche ich verschiedene Workshops und biete auch selbst welche an. Außerdem habe ich 2015 die Meisterklasse der Hamburger Texterschmiede besucht. Und 2012 einen Abschluss als Social Media-Managerin an der Fachhochschule in Köln gemacht. Derzeit sehe ich mich nach einer guten SEO-Ausbildung um.

Denn gerade die Texterinnen und Texter, die sich wie ich auf digitale Bereiche spezialisiert haben, sollten sich intensiv weiterbilden: Welches Soziale Netzwerk passt? Hier müssen wir gut Bescheid wissen über die Funktionsweisen und die User der verschiedenen Kanäle. Welcher Website-Aufbau ist für den Kunden oder die Auftraggeberin geeignet? Welche Funktionen muss die Website haben? Welche Plug-ins eignen sich dafür? Wie funktioniert SEO? Auf was kommt es an im Text? Und welche Tools sind wichtig? Es gibt viel zu tun ;-).

Gerade bei den topaktuellen digitalen Themen ist es manchmal schwer, eine passende Fortbildung zu finden. Da sind dann deine autodidaktischen Fähigkeiten gefragt. Denn in Blogs oder Magazinen findest du viele Informationen und Tipps. Und du solltest den Mut mitbringen, Dinge einfach mal auszuprobieren. Wenn’s nicht klappt, übst du dich im schöner scheitern. Habe ich auch schon oft gemacht ;-).

Gibt es einen Unterschied zwischen Textern/Texterinnen, Werbetextern/Werbetexterinnen und Copywritern/Copywriterinnen?

Eine berechtigte Frage! Ich glaube nicht, dass es zwischen diesen Bezeichnungen extreme Unterschiede gibt. Doch wir gut ausgebildeten Spezialistinnen und Spezialisten müssen derzeit erleben, dass sich viele Leute Werbetexter oder Texterin nennen, die unser Handwerk nicht wirklich beherrschen. Diese Leute schrubben Textwüsten zu Centpreisen. Und merken erst spät, dass sie vom Ertrag ihrer Arbeit nicht leben können. Eine gruselige Entwicklung, von der ich mich absetzen will. Vielleicht bin ich also in absehbarer Zeit keine Texterin oder Werbetexterin mehr, sondern “Content-Creator Text”? Wer weiß …

Es verändert sich gerade viel. Nicht nur wegen der Centschreiberitis. Sondern auch wegen verschiedener KI-Tools, die immer bessere Texte schreiben. Die digitale Transformation hat bereits tiefe Spuren in unserer Branche hinterlassen. Doch die wirklichen Veränderungen kommen erst noch! Davon bin ich überzeugt.

Ob mir das alles Angst macht? Und ich deswegen jemandem von diesem Beruf abraten würde? Nein! Denn wir Werbetexterinnen und Werbetexter müssen sich sowieso regelmäßig neu erfinden. Deshalb glaube ich, dass es für uns immer eine Nische geben wird. Ich halte immer die Augen offen. Greife Trends auf. Und versuche, immer einen Schritt voraus zu sein. Und so gilt: Wenn du neugierig und ein wenig mutig bist, dann ist die Werbetexterei genau das Richtige für dich.

Bildquellenangabe: Pixabay

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5 Kommentare zu „Werbetexter oder Werbetexterin werden. Oder: So klappt’s mit dem tollsten Job der Welt!“

  1. Werbetexter recht ausführlich beschrieben. Ich glaube, man muss eine gewisse Grundlust dazu haben und natürlich gehört dann auch Fleiß, Disziplin und andere Dinge noch mit dazu.

    Sehr cool geschrieben auf jeden Fall.

    1. Lieber Steffen,

      erst mal danke ;o) Klar, ohne Lust geht gar nichts – das gilt aber wohl auch für alle anderen Jobs dieser Welt.
      Werbetextende brauchen auch noch viele weitere Qualifikationen und Soft Skills. Ich sammele sie gerne in diesem Beitrag.

      Liebe Grüße sendet
      Christa

    1. Hallo Milena,

      danke für das Lob ;o) Ich selbst habe noch nie für solche Plattformen gearbeitet. Denn nach einem Blick dort hinein habe ich festgestellt, dass sich das für mich finanziell nicht rechnet.

      Liebe Grüße sendet
      Christa

  2. Pingback: Texte für Website schreiben lassen – das solltest du beachten.

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