Digitaler Nachlass

von am 29. Januar 2016 in Know-how, Social Media | 6 Kommentare

Schwieriges Thema: Facebook, Twitter und Co. und der Tod.

TotenschädelPlötzlich steht das Herz still. Schluss, aus, vorbei – ein geliebter Mensch tot. Eine schlimme Situation für Angehörige und Freunde: Der geliebte Mensch ist nicht mehr da, er fehlt in jeder einzelnen Sekunde. Und dann noch der Stress mit den Ämtern, Versicherungen und der Auflösung der Wohnung! Es gilt, viele Probleme zu lösen, Telefonate zu führen und Unvorhergesehenes zu beachten. Und irgendwann kommt dann plötzlich ein Gedanke: „XY war doch auch auf Facebook … und auf Xing! Und dann ist da noch die Amazon und PayPal … OMG, was mache ich nun?“

In diesem Blogbeitrag findet ihr einige Infos rund um die größten Sozialen Netzwerke und digitalen Portalen – ich hoffe für uns alle, dass wir diese Adressenliste nicht so schnell brauchen werden *seufz*. Doch wenn ihr euren Liebsten wenigstens diese eine Sorge abnehmen möchtet, könnt ihr teilweise schon jetzt ganz einfach jetzt selbst entscheiden, was mit euren Accounts, Daten etc. nach eurem Ableben passieren soll. Ich habe das bereits getan. Ja, es war unangenehm – aber nicht zeitaufwendig, denn es gibt nicht viele Anbieter, die derartig komfortable Funktionen überhaupt anbieten.

Für die anderen Netzwerke und Kanäle habe ich meine Passwörter in einem digitalen Passwort-Tresor abgelegt. Na gut, fast alle, aber ich arbeite dran 😉 Das Passwort für den Tresor habe ich an einem sicheren Ort hinterlegt, den ich dringend meinem Mann sagen muss … ach, es gibt auch für mich noch viel zu tun bei diesem schwierigen Thema!

Google (Google+, Google Drive, Google Analytics, Google Adwords, Google Maps etc.)

Google ist recht einfach zu handeln, denn dort könnt ihr alle wichtigen Entscheidungen zu all den Google-Plattformen unter diesem Link treffen. Und wenn ihr eh schon dort seid, könnt ihr auch gleich noch die Privatsphäre-Einstellungen eurer Google-Konten überprüfen.

Facebook

Der blaue Riese hat für die Nachlassverwaltung ein eher kryptisches Wort gewählt: „Nachlasskontakt“. Dazu müsst ihr in die Sicherheitseinstellungen eures Kontos klicken und dort unter „Nachlasskontakt“ eine Person bestimmen, die über euren Nachlass verfügen soll – und auch festlegen, ob die Person euer Datenarchiv herunterladen darf oder das Konto auflösen soll.

Twitter

Der Microblogging-Ddienst bietet leider keine Möglichkeiten, um bereits im Vorfeld jemanden zu bestimmen, der den Account übernehmen wird im Todesfall. Hier müssen sich die Hinterbliebenen tatsächlich über das Kontaktformular mit Twitter in Verbindung setzen – sehr zeitaufwendig, Ausgang ungewiss.

Xing

Auch bei diesem beruflichen Netzwerk bleiben die Angehörigen außen vor und es gibt keine Möglichkeit, vorab einen Verwalter zu bestimmen. Nur, wenn Xing über den Tod eines Mitglieds benachrichtigt wird, wird das Profil auf unsichtbar geschaltet. Das dürfte bei allen verstorbenen Premiummitgliedern recht fix der Fall sein, schließlich werden Rechnungen nicht mehr bezahlt.

LinkedIn

LinkedIn bietet immerhin ein Formular an, mit dem ihr das Profil eines Verstorbenen löschen lassen könnt. Es gibt eine Funktion zum Upload von Dateien wie Sterbeurkunde etc. – insgesamt warten hier wohl auch einige Herausforderungen auf die Angehörigen.

WhatsApp

WhatsApp gehört zu Facebook – doch leider gibt es hier bisher keine Möglichkeiten, um für das eigene Ableben vorzusorgen. Den Angehörigen bleibt auch hier wieder nur der Weg über ein Kontaktformular, das aber nicht speziell für derartige Fälle eingerichtet wurde.

Amazon

Auch hier das gleiche Spiel: Ihr müsst euch mit dem Kundenservice in Verbindung setzen. Weitere Infos gibt es im Hilfebereich unter dem Stichwort „Konto löschen“. Ich denke, hier sind die umständlichen Wege durchaus berechtigt, denn es geht um Geldgeschäfte – da muss man ganz auf Nummer sicher gehen.

PayPal

Der Online-Bezahldienst setzt ebenfalls hohe Hürden für die Löschung eines Kontos im Todesfall – und auch hier ist das richtig so. Über den Kundenservice erfährt man alles Weitere und bekommt eine Liste mit den benötigten Bescheinigungen.

Bildquelle: Pixabay

Christa GoedeDie Autorin Christa Goede steckt viel Herzblut und noch mehr Fachwissen in digitale Unternehmensauftritte: Mit individuellen Texten und Konzepten gestaltet sie Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Ihre Erfahrung und ihr Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teilt sie hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen.
Tel.: +49 (0) 160 – 94 44 19 34, E-Mail: mail@christagoede.de


6 Kommentare to “Digitaler Nachlass”

  1. Danke für den interessanten Artikel. Ich hab schon mal daran gedacht, für den Fall meines Todes eine Liste von meinen SM-Konten und Blog usw. anzulegen, so dass jemand aus meiner Familie (hihi, die sind alle nicht so Internet-Affin) oder eine Freundin diese dann abarbeiten kann. Ich fände es z.B. schön, wenn auf meinem Blog ein letzter Artikel erscheinen würde mit der Nachricht von meinem Tod. Oder dass auch meine Facebook-Freunde erfahren, warum ich mich plötzlich nicht mehr melde.
    Ich glaube, ich möchte die Voreinstellungen nicht nutzen. Weiß ich, ob in ein paar Jahren der Ansprechpartner noch lebt oder diese Aufgabe übernehmen will? Ich hinterlasse auf jeden Fall einen Brief, in dem ich Vorschläge mache. Dann kann sich jeder aussuchen, was er machen will.
    Ach, mal sehen! Doch mit 60 macht man sich ja so seine Gedanken! Herzlichen Dank für Deine Anregungen!

    • Liebe Ulrike, ich bin noch ein paar Jahre jünger als du und mache mir Gedanken über solche Themen – es ist nie zu früh vermutlich.
      Trotzdem wünsche ich uns beiden ein langes, gesundes, glückliches und zufriedenes Leben ;o))

      Liebe Grüße sendet
      Christa

  2. Ja… der Digitale Nachlass!

    Meiner Meinung nach definitiv einer der am meisten unterschätzen Themen in der heutigen Zeit.

    Und das problematische daran ist, dass das Thema gleichzeitig immer komplexer wird. Ständig melden wir uns bei neuen digitalen Diensten an, treten neuen sozialen Netzwerken bei und erledigen mehr über das Internet.

    Und zur gleichen Zeit vernachlässigen wir die Fragen, was nach unserem Ableben mit all diesen Daten passieren soll, über die wir sowieso längst den Überblick verloren haben.

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