Steuern und Finanzamt

von am 12. August 2020 in Know-how, Text | 4 Kommentare

#ChristasRant 5-20: Vom Finanzamt und von Zaubersprüchen.

Ein Sack voll Geld für das FinanzamtKennst du diese Briefe, bei deren Anblick du die Krise kriegst – und zwar schon in dem Moment, in dem du sie aus dem Briefkasten ziehst? Du siehst den Absender und schon wird aus deinem gemütlich schlagenden bäbäm-bäbäm-bäbäm-Herz ein BÄBÄM-BÄBÄM-BÄBÄM-Dampfhammer? So geht mir das, wenn ich Post vom Finanzamt kriege. Jedes einzelne Mal. Seit 17 Jahren – damals hab ich mich selbstständig gemacht.

Post vom Finanzamt verheißt nichts Gutes. Irgendwas muss ich wieder zahlen, irgendwas ist heraufgesetzt worden oder irgendwas wurde geändert. Gefühlt aber wirklich jedes Mal zu meinen Ungunsten. Und im Anhang jedes Schreibens gibt es mindestens 2 Seiten schlimmstes Textgedöns, das eine prima Basis wäre für einen Unverständlich-schreiben-Workshop für Fortgeschrittene.

Bist du schon mal umgezogen in einen neuen Finanzamt-Bezirk? Ich rate dir, mach das bloß nicht. Ich habe nach einem Umzug mal 5 neue Steuernummern erhalten – was für ein Theater. Oder die Post vom Finanzamt kam über Wochen und Monate nicht an, weil die dort meine neue Adresse nicht richtig schreiben konnten! Dagegen hatte ich erst mal nichts, ist klar. Aber irgendwann hatte ich alle Fristen versäumt und sollte massig Strafe zahlen …

Umsatzzahlen würfeln

Voll knorke ist auch, wenn sie dort mal wieder irgendwelche lustigen Umsatzzahlen gewürfelt haben und ich dann riesige Vorauszahlungen leisten soll. In meiner Fantasie geht das so: Herr X und Herr Y* sitzen zusammen im Büro – ja, in meinem Kopfkino arbeiten da ausschließlich Männer. Vor lauter Langeweile denken die Kerle sich lustige Würfelspielchen aus. In Runde 1 würfeln die zwei das Opfer: „Heute ist der Buchstabe G dran.“ Das Aktenrondell dreht sich quietschend. „Hey, da ist die Christa Goede, die ist Werbetexterin und macht Websites und Social Media. Werbung braucht doch jeder! Und Internet hat ja heute auch jeder! Da muss doch mehr Kohle drin sein … für die und für uns. Wir schätzen die mal auf … *erneutes Würfelgeräusch* … 34 % Umsatzsteigerung im kommenden Jahr. High five, Kollege*!“ 

Hallo, Herr X und Herr Y, ich bin Einzelselbstständige, ich kann nur eine bestimmte Anzahl von Arbeitsstunden pro Woche verkaufen. Wie soll ich da eine solche Umsatzsteigerung hinkriegen? Ah, hexen? Ist klar … ich hab zwar rote Haare, aber deswegen kann ich kein Geld zaubern. Und auch nicht kacken. Wobei: Vielleicht sollte ich das mit dem Hexen mal versuchen? Als Erstes müsste ich mir dafür wohl passende Hexensprüche ausdenken:Eine Hexe fliegt auf ihrem Besen

Katzendreck und Eulenschrei,
mehr Umsatz, komm ganz fix herbei!

Oder:

Lirum Larum Besenstiel,
mehr Umsatz wird zum Kinderspiel!

Na gut, ich lass das mit der Hexerei. Dann also mehr arbeiten? Ja, ich mag meinen Job wirklich sehr gerne. Doch irgendwann möchte ich auch mal Rad fahren, mit dem Hund Gassi gehen, meine Freundinnen und Freunde treffen, lecker essen, in den Urlaub fahren und sogar auch mal schlafen! Echt jetzt!

Finanzamt ist irgendwie wie Polizei

Also bleibt mir nur, meinen Steuerberater zu bitten, mit dem Finanzamt zu sprechen. Ja, richtig gelesen, ich rufe da nicht selbst an. Denn wenn ich das muss, kriege ich schon Schnappatmung, während ich die Nummer wähle. Das ist für mich etwa so schlimm, wie wenn ein Polizeiauto hinter mir her fährt – ich kriege sofort ein schlechtes Gewissen. Dabei fahre ich anständig Auto und Fahrrad, und meine Steuersachen erledige ich auch sorgfältig und korrekt. Warum regt mich das also so auf? Ich hab keine Ahnung. Vielleicht sollte ich aber mal eine Konfrontationstherapie machen und den Tag der offenen Tür meines Finanzamts besuchen. Gibt’s so was überhaupt? Ich muss das mal googeln.

Dabei fällt mir auf: Ich kenne niemanden, der beim Finanzamt arbeitet! Dafür gibt es nun mehrere Erklärungen. Zum Beispiel könnte es sein, dass die Leute einen solchen Arbeitgeber lieber verschweigen. Vielleicht kenne ich aber auch einfach nur durchweg normale Menschen? Welche, die mit Zahlen genau so wenig umgehen können wie ich? Deren Kopfrechenfähigkeiten aus den Grundrechenarten im zweistelligen Bereich bestehen – zuzüglich der Fähigkeit, einen Taschenrechner bedienen zu können? Ja, ich glaube, diese Möglichkeit gefällt mir am besten. Man muss ja nicht alles können im Leben. Auch nicht rechnen. Oder das Finanzamt mögen.

Nachtrag: Ich sollte öfter Rants zum Finanzamt schreiben. Einen Tag, nachdem ich diesen Beitrag geschrieben habe, zog ich tatsächlich ein Schreiben vom Finanzamt aus dem Briefkasten, das mir eine Rückzahlung von fast 340 Euro beschert! Yeah!

Christa GoedeDu suchst Texte, Websites und Social Media-Auftritte ohne Werbe-Blabla? Prima, du hast mich gefunden! Gemeinsam mit dir entwickele ich deinen authentischen Markenauftritt, der zu deinem Unternehmen und deinen Zielgruppen passt. Du möchtest lieber viel selbst machen? Nutze meine Workshops als Rampe zum Durchstarten

  +49 69 63392977   mail@christagoede.de

Bildquellenangabe: Pixabay

4 Kommentare to “Steuern und Finanzamt”

  1. Ach Christa, du bist die Beste ! Es ist sowas von echt. Der Text ist mir sowas von der Seele geschrieben – bis auf den Steuerberater-Part. Das mach ich lieber selbst und muss dann halt mal einen Einspruch selbst begründen. Meist, weil der Sachbearbeiter von der aktuellen Steuererklärung zu faul (oder zu blöd) ist, einfach mal in die bereits bescheinigten Absprachen des vergangenen Jahres zu schauen. Aber, man gibt ja als Unternehmer dann gerne Nachhilfe in Sachen reales Leben …wir haben ja nix anderes zu tun.

  2. Liebe Christa, teilweise kann ich das alles auch nachvollziehen. Du wirst erst einmal mit lustigen Umsätzen veranschlagt, die Du am Anfang Deiner Selbständigkeit gar nicht erzielen kannst. Was ich aber festellen konnte: Ein Anruf beim Finanzamt (und da hatte ich meist Mädelz am Telefon) hat oft Klärung gebracht. Du musst natürlich so schmerzbefreit sein, dass Du Dich durch Warteschleifen und schlichtes KeinerGehtAnsTelefon durcharbeitest.
    Was ich viel schlimmer finde: Die gesetzliche KV, die immer wieder neue Berechnungsmethoden findet und Dir jedes Mal mehr abzwackt.
    Also: Bleib stark :)

    • Liebe Susanna,
      ja, anrufen sollte ich vielleicht öfter mal selbst – denn gerade hat mir mein Steuerberater eine dicke Rechnung für einen solchen Anruf geschickt *seufz*.
      Mit der Krankenkasse hab ich glücklicherweise keine Probleme, denn ich bin über die KSK versichert. Die machen ab und zu mal eine Umsatzprüfung bei mir, das wars.

      Liebe Grüße sendet
      Christa

einen Kommentar senden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu