Angst

von am 18. Mai 2017 in Authentizität, Know-how | 6 Kommentare

Angst? Das kann weg. Echt.

Buckelnde KatzeAngst ist kein guter Lebensbegleiter, das habe ich glücklicherweise schon sehr früh in meinem Leben gelernt. Wenn Angst mein Leben bestimmt hätte, wäre ich nicht als Kind auf die hohen Bäume geklettert und hätte nie den tollen Blick aus den schwankenden Wipfeln genossen. Ich wäre auch wohl nie in meinem Leben vom 10-Meter-Turm gesprungen und hätte nie das irre Glücksgefühl nach einem solchen Sprung spüren dürfen 😉 . Und ich hätte mich wohl auch nie selbstständig gemacht, denn dies vollkommen eigenverantwortliche Form zu Arbeiten hat viele Risiken. Mit Sicherheit würde mein Ich in einer ängstlicheren Variante ein ganz anderes Leben führen als das, was ich habe …

Noch dazu habe ich das unglaubliche Glück, in einem Land geboren zu sein, das so sicher und so friedlich ist wie kaum eine andere Region auf dieser Erde. Ja, es gibt viele Probleme zum Beispiel im Bildungssektor, unsere Politik wird immer stärker von Lobbyisten bestimmt und Frauen verdienen im Schnitt immer noch 20 % weniger als Männer. Gleichzeitig ist mein Bauch voll, meine Wohnung warm, ich darf mich politisch engagieren und meine Meinung sagen und vor meiner Haustür findet kein Krieg statt. Alles Gründe, warum ich keine Angst habe, mich aber trotzdem engagiere – denn es geht noch besser, da sind wir uns bestimmt alle einig!

Die Renaissance der Angst

Gleichzeitig erlebe ich aber gerade, wie die Angst immer mehr das Leben meiner Mitmenschen bestimmt: Die einen haben Angst vorm Impfen, die nächsten Angst vor Flüchtlingen und die dritten haben Angst, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Oder vor Chemtrails, der Weltverschwörung, oder Barcodes auf Lebensmitteln. Und als die Flüchtlinge kamen, versank ja ohnehin das gesamte Land in Chaos und Verbrechen *augenroll*. Denn vorher gab es natürlich und ganz selbstverständlich weder Raub, Mord noch Totschlag und sexuelle Übergriffe auf Frauen schon mal gar nicht. Ist klar. *zynismusmodusaus*

Weil ich diesen Irrsinn nicht unwidersprochen lassen möchte, gehöre ich zu den Menschen, die sich aktiv und unter Klarnamen gegen Hass, Propaganda und Fehlinformationen im Internet einsetzen. Dieses Engagement hat mir in den letzten Jahren schon so einiges an „Fanpost“ eingebracht: Mir wurde gedroht, ich würde „nach der Machtergreifung“ an der Laterne vorm Haus baumeln, man(n) lebte virtuell allerlei üble sexuelle Fantasien an mir aus oder unterstellte mir, ein von irgendwelchen dunklen Mächten reichlich bezahlter Troll zu sein. Doch ich kann euch beruhigen, liebe Disser, Hater und Verschwörer: Ich bin eine Frau aus Fleisch und Blut und meine das, was ich schreibe, wirklich ernst. Und ich werde nicht mal dafür bezahlt, ich mach das ganz freiwillig, weil ich Diskussionen und Nachdenken enorm wichtig finde! Genau wie aufeinander zu gehen und miteinander sprechen.

Seid doch mal cool drauf, ey!

Ich hab auch gleich noch einen wirklich guten Tipp für euch, liebe Internetangst-Menschen: Durchatmen, ommmmm sagen und einfach mal raus gehen und Leute kennen lernen. Du hast Angst vor Flüchtlingen aus Syrien oder Afghanistan? Dann frag doch mal bei deiner örtlichen Flüchtlingsinitiative nach, ob dort noch Hilfe zum Beispiel beim Deutschunterricht oder bei den Behördengängen gebraucht wird. So machst du dich nützlich für die Gemeinschaft und kannst ganz nebenher die Menschen kennen lernen, die nach Deutschland geflohen sind. Du erfährst deren Lebensgeschichten, kannst dich austauschen, lernst Menschen kennen – und glaube mir: Wenn du jemanden kennen gelernt hast, dann hast du fast automatisch keine Angst mehr vor ihm oder ihr!
Und noch ein Nachsatz: Nein, nicht alle Geflüchteten sind per se nett, auch in dieser Gruppe gibt es mächtige Arschlöcher – da scheint es irgendwie eine statistische Konstante zu geben wie „100 Menschen = 5 Arschlöcher“ oder so. Aber Idioten und andere Deppen kann man gut ignorieren, das weiß ich aus eigener Erfahrung 😉 .

Oder hast du Angst vorm Impfen? Die ist normal, denn ein Restrisiko bleibt immer. Doch wenn du Impfen als Dienst an deinen Mitmenschen betrachtest, tut der kleine Piks gleich viel weniger weh. Denn Impfen ist nicht nur Selbstschutz, sondern eben auch Schutz der Schwächeren. Es gibt ja Menschen wie kleine Babys oder Kranke, die sich nicht impfen lassen können – die haben bisher von einer hohen Impfquote in der Bevölkerung profitiert, denn Krankheiten wie Masern kamen nur noch sehr selten vor. Doch das ändert sich leider gerade, weil so viele Menschen den Piks verweigern! Selbst wenn du das Glück hast, keinen kranken Menschen persönlich zu kennen und noch nie um das Leben eines lieben Menschen bangen musstest, so kennst du bestimmt Menschen, denen genau das passiert ist. Und genau deshalb ist Nicht-Impfen meiner Meinung nach hochgradig asozial! Und wenn du Angst davor hast, dass dir der Himmel auf den Kopf fällt, solltest du mehr Asterix und Obelix lesen – dann kannst du während du Angst hast noch ein bisschen Spaß haben 😉 .

Einfach mal einen Schritt zurücktreten. Oder auch zwei.

DialogDu hast Angst vor irgendwelchen anderen Sachen? Ja, kenne ich auch, ehrlich. Aber ich trete dann einen Schritt zurück und betrachte die Situation von außen: Ist es wirklich so schlimm, wie ich mir das gerade vorstelle? Gibt es Menschen, die diese Sache, die mir gerade Angst macht, schon überstanden haben? Vielleicht sogar viele? Spätestens an diesem Punkt meiner Überlegungen entspanne ich mich sehr schnell wieder – denn wenn andere das hingekriegt haben, werde ich das ja wohl auch noch schaffen, bitte schön! Und wenn der eine Schritt und meine Selbstansprache so gar nichts nutzen, dann frage ich im zweiten Schritt jemanden in meinem Freundeskreis nach seiner Einschätzung der Situation. Allerspätestens an diesem Punkt bin ich dann wieder recht geerdet, denn die Außensicht eröffnet mir fast immer neue Perspektiven, die ich bisher nicht gesehen habe. Schwupps, die Angst ist weg!

Genau so ticke ich übrigens auch bei euch, liebe Disser, Hater und Verschwörer: Ich habe keine Angst vor euch. Im Gegenteil, ich möchte gerne mal jemanden von euch persönlich kennen lernen. Vielleicht fühlt sich ja jemand angesprochen und erklärt mir seine oder ihre Sicht der Dinge Live und in Farbe? Was genau hat dich an mir so gereizt, dass du mich übel beschimpfst – oder mir sogar den Tod oder eine Massenvergewaltigung wünscht? Von mir aus gerne bei einem Kaffee oder vielleicht sogar bei einem leckeren Essen, ich bin da unempfindlich. Aber sehr neugierig … 😉

Warum ich dir das anbiete? Meiner Meinung nach kommt man mit Neugierde und Offenheit im Leben weiter! Schließlich habe ich so die Chance, Neues kennen zu lernen, dich kennen zu lernen. Ich freue mich also darauf, mit dir zu reden, zu diskutieren und von mir aus auch zu streiten – aber bitte mit Stil und gegenseitigem Respekt. Meine Kontaktdaten findest du unter diesem Posting.

„Deutschland spricht“ – ich bin dabei!

Übrigens: Ich hab mich auch bei „Deutschland spricht“ (#D17) angemeldet – wer will, kann mich also vielleicht am 18.6.2017 treffen und mit mir sprechen. Über die Themen, die uns alle bewegen, oder das Leben im Allgemeinen und im Speziellen. Ich freu mich drauf 😉

Bildquellenangabe: Pixabay

Christa GoedeChrista Goede steckt viel Herzblut und noch mehr Fachwissen in digitale Unternehmensauftritte: Mit individuellen Texten und Konzepten gestaltet sie Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Ihre Erfahrung und ihr Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teilt sie hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen.

  +49 69 63392977   mail@christagoede.de

6 Kommentare to “Angst”

  1. Hmm, sehr interessant! Ich habe zwar auch keine Angst vor vielem, schon gar nicht vor Terror und Hass. Aber ich finde es wunderbar, dass keiner von mir verlangt, auf hohe Türme zu steigen. Ich habe tatsächlich Höhenangst. Wahrschienlich schon pathologisch. Aber ich muss ja nicht hoch hinaus, also schränkt mich diese Angst nicht wirklich ein. Leider leide ich aufgrund meiner Depressionen unter Panik-Attacken und manchen anderen Ängsten. Und die Depression lässt ich dann auch eher sagen: „Dann eben nicht!“
    Beste Grüße und weiterhin viel Erfolg!
    Ulrike

    • Liebe Ulrike,

      Depressionen sind eine grässliche Krankheit – meine küchenpsychologischen Rezepte helfen da ganz bestimmt nicht!
      Mir ging es eher um die Ängste der „besorgten Bürger“, die vollkommen irrational sind, aber trotzdem krasse Auswirkungen auf uns alle haben.
      Ich hoffe, ich bin nun niemanden, der leider an Depressionen erkrankt ist, auf den Schlips getreten …

      Liebe Grüße sendet
      Christa

  2. Das finde ich mutig. Sowohl Deinen Text, wie auch Deine Teilnahme bei #D17 und dass Du Dich schon so lange mutig engagierst.

    Ich habe mich auch gerade für die Aktion der Zeit angemeldet und dadurch auf Twitter zu Deinem Artikel gefunden Ich bin schon sehr gespannt, welche Erfahrungen wir machen werden.

einen Kommentar senden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.