Perfektionismus

von am 22. September 2016 in Authentizität, Know-how | 4 Kommentare

Perfektionismus, du Arsch – ich liebe dich!

immer 100 Prozent gebenPeng, jetzt ist es raus: Ich bin Perfektionistin. Und zwar so was von. Zufrieden bin ich erst, wenn ich einen Job meiner Meinung nach zu 100 % erledigt habe – ganz gleich, ob beruflich oder privat. Meine Ansprüche sind hoch, und ich bin stets bemüht, sie zu erfüllen. Denn ich möchte mich weiterentwickeln, neue Dinge entdecken, eben alles in Perfektion erledigen. Ein harter Job, das kann ich euch sagen … Denn die Perfektion und mich verbindet eine echte Hass-Liebe:

Das Licht

Jaja, immer das Gute immer zuerst 😉 Das Streben nach Perfektion bringt mich dazu, bei jeder Herausforderung genau hinzuschauen, ob es eben nicht doch noch ein bisschen besser, höher, schneller, weiter geht. Perfektionismus spornt mich an, mich sehr intensiv und tief mit Dingen zu beschäftigen, nach alternativen Lösungen zu suchen und bei Widerständen nicht aufzugeben. Er lässt mich um Ecken denken und neue Dinge ausprobieren – immer auf der Suche nach der noch besseren Lösung. Toll, ich liebe das!

Der Schatten

Perfektionismus lähmt mich. Er kostet mich Zeit. Und Geld. Er bringt Verzweiflung mit sich, wenn etwas mal nicht perfekt läuft. „Niemand kann immer alles perfekt erledigen!“, sage ich mir dann selbst, aber es nutzt oft nicht wirklich etwas. Denn ich hätte das Ergebnis meiner Arbeit eben gerne in der perfekten Variante. Immer und überall. Also setze ich mich noch mal dran, denke weiter nach, probiere Neues aus – stets auf der Suche nach einem für mich perfekten Ergebnis. Das ist natürlich sehr anstrengend für mich.

Das Licht im Schatten

Perfektionismus ist ein großartiger Motor, der mich mit viel Power versorgt – wenn ich aufpasse, dass der Schatten nicht überhand gewinnt. Und wenn ich in beruflichen Dingen darauf achte, dass das betriebswirtschaftliche Ergebnis einer Arbeit genau so stimmt wie das inhaltliche. Denn gerade wir Freiberufler oder Chefs/Chefinnen kleiner und mittelständischer Unternehmen sollten stets unsere Finanzen im Blick behalten, um unterm Strich Gewinn zu erwirtschaften mit unserer Arbeit, damit wir gut leben können.

Ihr seht – es ist kompliziert mit dieser Eigenschaft. Der positive Umgang mit meinem Perfektionismus ist ein Drahtseilakt, bei dem ich mich neben der Herausforderung an und für sich auch noch auf jeden einzelnen Schritt konzentrieren muss, um nicht in den Schatten abzustürzen. Und im Fall der Fälle muss ich sogar umkehren, das ursprünglich gesetzte Ziel sein lassen und mit weniger als 100 % zufrieden sein … schwierig. Sauschwierig.

3 Regeln, mit denen der Perfektionismus und ich eine harmonische Beziehung führen können

Mein Drang nach Perfektion hat mich in den letzten Monaten zum Beispiel in einer Blogkrise gestürzt – ich fand, dass in Sachen Bloggerei alles gesagt ist, und von anderen sowieso und grundsätzlich viel besser, als ich das überhaupt jemals können würde. In der Folge sind mir nur sehr schwer neue Themen eingefallen, über die ich mit Herzblut schreiben wollte. Um diesen Knoten zu lösen, habe ich meinen Urlaub dazu benutzt, mir Regeln auszudenken, um meinen Drang nach Perfektion ein bisschen zu entschärfen:

1. Fehler sind nützlich. Auch meine eigenen. 

Irgendein schlauer Mensch sagte mal: „Aus Fehlern wird man klug!“ Stimmt, ich habe schon viel gelernt aus meinen eigenen Fehlern, diese kleinen, biestigen Dinger sind fast immer für irgendwas gut. Manchmal verstehe ich nicht sofort, wozu – aber das kommt irgendwann. Ein Beispiel: Viele der Fehler und blöde Erfahrungen, die ich in beruflicher Hinsicht gemacht habe, haben dazu geführt, dass ich plötzlich Wege und Lösungen gesehen habe, die ich vor dem Fehler gar nicht wahrgenommen habe! Coole Sache!

2. 5 ist eine grade Zahl. Wenn ich das will.

Ich lasse in Zukunft los, wenn ich nur noch unter übertrieben großem Einsatz weiter komme: Projekte, Jobs, Herausforderungen, Ideen. Ich kann damit leben, dass etwas eben nicht ganz perfekt ist, sondern nur zu 98 %. Ich werde im Idealfall sogar damit zufrieden und glücklich sein! (Na gut, am zweiten Teil arbeite ich noch 😉 ) In Folge dieser Entwicklung werden meine unternehmerisch relevanten Persönlichkeitsanteile in Zukunft noch intensiver zusammenarbeiten und sich ergänzen.

3. Grau ist sexy. Wegen der vielen Möglichkeiten.

Menschen wie ich denken oft in Schwarz-Weiß-Kategorien: Weiß, yeah, alles ist gut, perfekt, super gelaufen, ich bin glücklich – Schwarz, wääh, scheiße, nicht zu gebrauchen, total versagt, ich bin unglücklich. Ich vergesse also leider oft, dass es zwischen diesen beiden Extremen auch noch ganz viele Grautöne aka Lösungen gibt, die ebenfalls dafür sorgen, dass ich ein glückliches Leben führen kann – und die auch Kunden zufrieden machen. Ab sofort heißt es also: I LOVE BLACK, WHITE AND ALL SHADES OF GREY

Puh, das war kein leichter Artikel für mich … denn die doofe Sache mit der Arsch-Perfektion, die ich so sehr liebe, hat mich schon in so manche handfeste Sinnkrise gestürzt in meinem Leben. Aber mit 47 könnte ich ja endlich alt genug sein, um gelassener zu werden, stimmt’s? 😉 Ich freue mich jedenfalls auf entspanntere Zeiten!

Was mich interessiert: Welcher Motor treibt euch an? Ebenfalls die Perfektion? Wenn ja, wie geht ihr mit diesem komplizierten Antrieb um? Oder habt ihr einen anderen Energiespender, der euch morgens aufstehen und freudig in den Tag gehen lässt? Ich freue mich auf eure Kommentare, Ideen und Strategien!

Bildquelle: Pixabay
Christa GoedeDie Autorin Christa Goede steckt viel Herzblut und noch mehr Fachwissen in digitale Unternehmensauftritte: Mit individuellen Texten und Konzepten gestaltet sie Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Ihre Erfahrung und ihr Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teilt sie hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen.

Tel.: +49 (0) 160 – 94 44 19 34, E-Mail: mail@christagoede.de

4 Kommentare to “Perfektionismus”

  1. Hallo Christa
    Also mich treibt ja schon auch die Perfektion an. Und wie Du schreibst ist das ja grundsätzlich durchaus positiv. Sie sorgt für super Einsatz und viel Gutes. Aber ich habe dieses Jahr (Weisheit des „Alters“?), ich werde auch 47 :) gelernt mehr loszulassen. Und auch mal was gutes, aber nicht perfektes rauszugeben. Zumindest wenn es um eigene Dinge geht. Bei Kunden bin ich noch nicht soweit :) Aber immerhin dreht sich die Welt noch und ich habe keine negativen Kommentare bekommen.
    Herzliche Grüsse aus der Schweiz
    Claudia

    • Liebe Claudia,

      hach, es ist gut zu wissen, dass es auch anderen so geht ;o)) Ja, loslassen ist eine gute Methode – und eben auch mal Fünfe gerade sein lassen.
      Wir schaffen das, ganz sicher!

      Liebe Grüße sendet
      Christa

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