Blogkrise: Teil 2 des Gesprächs

von am 15. Februar 2016 in Authentizität, Christa persönlich, Know-how | Keine Kommentare

HILFE, wir haben eine Blogkrise – Teil 2

Amulanz im NotfalleinsatzAnnette Schwindt von schwindt-pr und ich haben in Annettes Blog am 1.2.2016 ein Gespräch veröffentlicht, in dem es um unsere gemeinsame Blogkrise ging – wir steck(t)en nämlich beide sehr tief drin und haben deswegen mal laut über den Sinn und Unsinn unserer Bloggerei nachgedacht.

Hier kommt nun der zweite Teil des Gesprächs:

 


Annette SchwindtUnser Gespräch in Sachen Blogkrise scheint einen Nerv getroffen zu haben. Auf allen Kanälen haben sich „Leidensgenossen“ gemeldet und allein der Blogartikel hat fast 20 zum Teil sehr ausführliche Kommentare bekommen. Darunter auch eine Einladung, uns an der Blogparade von Meike Leopold „Bloggen ohne Blog“ zu beteiligen. Was sagst du zu dieser Resonanz?

Christa GoedeJa, das war echt toll – ich habe mich sehr darüber gefreut! Vielleicht sollten wir mit diesem zweiten Teil des Gesprächs an Meikes toller Blogparade teilnehmen? Ich fände die Idee super, was denkst du?
Das Feedback betrachte ich gerade aus zwei Blickwinkeln: A-tens finde ich es gut, dass wir nicht alleine sind. 😉 Die Stimmen zeigen auch, dass es eine ganz natürliche Entwicklung zu sein scheint, wenn man ab einem gewissen Punkt am eigenen Blog zweifelt und auch ein bisschen an ihm verzweifelt. Auf der anderen Seite scheint es aber auch Leute zu geben, denn Bloggen immer und grundsätzlich leicht fällt – und das in einer Qualität, die Preise abräumt. Das macht mich schon ein bisschen neidisch, denn für mich ist Bloggen oft auch oft harte Arbeit, die mir natürlich Spaß macht, die aber manchmal nicht ganz so leicht von der Hand geht.
B-tens wird mir gerade mal wieder klar, dass nichts sicher ist in diesem Ding, das sich Internet nennt: nicht mal mein eigenes Blog, mein Baby, mein Herzstück! „My Blog is my castle? Das ist vorbei!“ – so umschreibt Meike dieses Phänomen in ihrer Blogparade.
Was für eine gruselige Erkenntnis! Vielleicht war ich in den letzten Monaten tatsächlich zu unflexibel, was meine eigene Internetpräsenz angeht: Ich bin eventuell zu sehr verbandelt mit meiner eigenen Plattform, mit meinen Themen, meinen Botschaften. Ich sollte wohl wieder freier werden in meiner Themenwahl und den Plattformen, auf denen ich schreibe! Aber an diesem Punkt habe ich noch nicht fertig gedacht, denn neben der eigenen Lust und Laune wären da ja auch noch Dinge wie meine Sichtbarkeit, die Interessen meiner Kunden und Interessenten – und natürlich die Tatsache, dass ich Content von hoher Qualität nicht so gerne auf anderen Plattformen präsentiere. Aber vielleicht ist meine Denke gerade total 2005. 😉
Was hat die Resonanz bei dir bewirkt?

Annette SchwindtOkay, dann wird das hier der Beitrag für Meikes Blogparade. :-) Sie schrieb ja, dass unser erster Beitrag da schon gut dazu gepasst hat, dann wollen wir das hier mal vertiefen: Ich glaube nämlich nicht, dass „My blog is my castle“ vorbei ist.Das Problem liegt m. E. nicht an der Form des Blogs an sich, sondern an folgender Frage: Startet man als Blogger mit einem thematischen Anliegen und baut den Rest drum herum auf, oder startet man mit dem Anliegen Geld zu verdienen, sucht sich dafür eine Nische und publiziert (um des Publizierens willen) auf den gerade angesagtesten Plattformen? Im letzteren Fall wäre ein Blog ja nur eine von vielen Möglichkeiten und ggf. zu vernachlässigen. Im ersten Fall – zu dem ich mich auch zähle – ist das Blog das Herzstück des Ganzen und kann nicht weg.
Warum ich dann neuerdings auch über Facebook-Notizen veröffentliche? Weil in meinem Fall viele Leser via Facebook in mein Blog kommen, um etwas über – tadaa – Facebook zu lesen. Diesen Weg kann ich für flüchtige News wie neue Funktionen – wie schon im ersten Teil unseres Gesprächs beschrieben – über die Facebook-Notizen abkürzen und dann einfach im Blog per Linkliste zusammenfassen. Für meinen Fall ergibt das so ein sinnvolles Gesamtkonzept. Das gilt deswegen aber nicht für jeden.
Was das Schreiben auf weiteren Plattformen angeht, so hab ich dafür ehrlich gesagt keinen solchen passenden  Anwendungsfall gefunden. Klar könnte ich jetzt noch Sachen via LinkedIn oder Medium raushauen. Ich veröffentliche aber lieber etwas in Onlinemagazinen oder gar Print (uuaaah!), wo ich auch andere als meine Filterblase erreiche. Das lässt sich wiederum gut mit meinem Blog koppeln. Du siehst also, ich komme immer wieder auf meine Basis (wie ich mein Blog nenne) zurück.
Wie ist das bei Dir?

Christa GoedeMein Blog dient dazu, meine Sichtbarkeit zu vergrößern, in dem ich Know-how aus meinem Spezialgebiet – der digitalen Kommunikation – auf eine humorige, klare Art aufbereite und teile. Das Blog ist also mein Akquise-Kanal, über den die Kunden zu mir finden.
Bei fremden Plattformen stelle ich mir die Frage, ob ich das dort genau so gut hinkriegen würde wie in meinem Blog. Außerdem behagt es mir nicht, dass ich damit teilweise die Kontrolle über meine Inhalte abgeben und für Traffic auf fremden Seiten sorgen würde. Doch ich denke trotzdem darüber nach, wie ein solches, um andere Kanäle erweitertes Akquise-Konzept aussehen könnte: Welche Inhalte eignen sich? Welche Plattformen möchte ich testen? In welchem Abstand möchte ich fremde Kanäle bespaßen? Denn ohne tiefer gehende konzeptionelle Überlegungen möchte ich ein solches Projekt nicht starten. Gegen thematisch passende Anfragen von Printmagazinen hätte ich in der Zwischenzeit aber nichts einzuwenden.
Außerdem lockt mich der Gedanke an eine freie Blogkategorie-Spielwiese: Wibke Ladwig hat mich mit ihren Facebook-Kommentaren zu unserem 1. Gesprächsteil auf „Schöner Motzen“ gebracht. In dieser neuen Blogkategorie könnte ich mir Aufreger vorknöpfen. 😉 Thematisch würde ich diese Aufreger in den Bereichen digitale Kommunikation, Authentizität und Sprache verorten, denn dann wäre ich inhaltlich wieder bei meinen Themen. In meinem Blog finden sich ja bereits einige Texte zu Themen wie der mangelnden Authentizität in der Werbung, der Sinnlosigkeit des Wortes „Gutmensch“ oder der sprachlichen Verrohung in den Sozialen Netzwerken.  Alles spannende Themen, die mich sehr interessieren, und bei denen die Zugriffszahlen auf die Artikel ganz okay waren. Auf diese Weise könnte ich mein Blog weiter als „Castle“ oder „Basis“ benutzen. Ich könnte mich dort ausprobieren und rumspielen – etwas, was ich ja sowieso sehr gerne tue. 😉
Wie wichtig ist für dich der Spaß an der Bloggerei?

Annette SchwindtSehr wichtig! Ich habe mein Blog nicht zum Geldverdienen gestartet, sondern weil ich meine Reise ins Social Web dokumentieren wollte. Dass sich daraus mal Beratungsanfragen und andere Veröffentlichungen ergeben, über die ich dann auch Geld verdiene, war nicht geplant. Mit der Zeit hat sich mein Blog zu meinem Aushängeschild entwickelt, über das mich die Leute finden.
Über 80 % meiner Leser kommen via Suchmaschine. Von denen, die via Social Media kommen, stammen wiederum über 90 % aus Facebook, wo meine Blogposts am meisten weitergesagt werden und ich eine rege Fangemeinde auf meiner Seite habe. Letztere direkt in Facebook abzuholen, teste ich jetzt mit Notizen zu flüchtigen Facebook-Themen. Die langfristig interessanten bleiben im Blog und werden via Facebook nur weitergesagt.
Ich blogge nach wie vor, weil es mir Spaß macht, mich mit anderen über digitale Kommunikation auszutauschen. Meine Themen entstehen meistens aus Fragen, die an mich herangetragen werden, und aus den daraus entstehenden Gesprächen. So wie dieser Beitrag hier auch aus unseren Gesprächen woanders bzw. den darauf folgenden Kommentaren entstanden ist. Das funktioniert sicher auch anderswo als im Blog, aber die Diskussion beschränkt sich dann möglicherweise auf die Nutzer der betreffenden Plattform. Im Blog kann sich normalerweise jeder einbringen.
Ob es für Dich sinnvoll ist, woanders zu publizieren, kommt also stark darauf an, von wo Deine Blogbesucher kommen und ob es dort spezielle Themen gibt, mit denen Du sie dort direkt abholen kannst. Soweit ich das von außen sehen kann (similarweb.com hilft), kommen immerhin rund 17 % via Social Media zu Dir. Wenn dabei jetzt eine bestimmte Plattform hervorsticht und Du dort ein spezielles Thema hättest, das Dir im Blog nicht furchtbar fehlen würde, dann versuch‘s doch mal.

Christa GoedeDie Zahlen von Similarweb für mein Blog stimmen nicht ganz, aber die Tendenz ist richtig.
Direkt abholen ist eine gute Idee, Annette, das werde ich auch mal ausprobieren bei meinen Facebookthemen!
Doch weißt du, was das Beste ist? Dieses Gespräch hat in meinem Kopf ganz viele Bretter beseitigt – die Gedanken fließen wieder frei. Mein Genervtsein vom Blog ist neuem Tatendrang gewichten, das ist total cool – ähnlich wie bei dir. Hoffentlich ging es anderen auch so, die unser zweiteiliges Gespräch lesen.
Und wer weiß, vielleicht reden wir ja bald noch mal öffentlich über ein anderes Thema?

Annette SchwindtJa, gerne!

 


Über meine Gesprächspartnerin:

Annette Schwindt, im Web bekannt als „schwindt-pr“. Bloggerin und Beraterin in Sachen Kommunikation, freie Journalistin, Online-Speakerin, Mentorin, Fachlektorin. Sie hilft anderen, ihre digitale Kommunikation sinnvoll und nachhaltig aufzubauen oder dementsprechend zu optimieren. Ihr Motto lautet dabei „Einfach Kommunizieren“. Sie möchte anderen helfen, Anschluss an den sich rasant entwickelnden Kommunikationswandel zu finden und Berührungsängste gegenüber den digitalen Medien abzubauen.
Bildquellenangabe: Annette Schwindt/Rebecca Hammer

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