Social Media-Techtelmechtel

von am 20. Februar 2014 in Know-how, Social Media | 2 Kommentare

 Wenn die Fanpage mit der Fanpage …

rote Lippen Social Media ist Kommunikation. Und zwar von Mensch zu Mensch. „Ah, ja“, denken Sie jetzt, „Das weiß ich doch!“ Da redet die Bettina mit dem Emil, und die Gaby liest mit. Genau wie all die anderen Freunde von Bettina. Eventuell lesen auch die Freunde von Emil mit. Oder sogar die ganze Welt – eben ganz angepasst an die Privatsphäre-Einstellungen, die Bettina im jeweiligen Social Media-Kanal gewählt hat. Bis hierhin ist alles klar und eigentlich ganz einfach, oder?

Gedankenspiele

Nun kommen die Unternehmen ins Spiel – als illustratives Beispiel dient hier Facebook (wobei die Prinzipien der Kommunikation in Social Media meiner Meinung nach immer und überall gleich sind). Aber zurück zum Gedankenspiel: Bettina ist nicht nur privat in Social Media unterwegs, sie ist auch noch Unternehmerin und pflegt eine kleine Fanpage auf Facebook. Bettina postet auf dieser Fanpage regelmäßig die Inhalte ihres Blogs, kuratiert Links zu anderen Artikeln, die sie spannend findet, und beteiligt sich in ihrer Identität als Fanpage an Diskussionen, die auf anderen Fanpages stattfinden. Sie verbringt also viel Zeit als „Fanpage“ auf Facebook. Dabei ist ihr Folgendes aufgefallen: Im Newsstream ihrer Fanpage tauchen immer seltener die Seiten auf, die sie als Page gelikt hat – offensichtlich greift auch hier der Algorithmus, der den Newsstream filtert. Gleichzeitig fehlen aber die Listen, die die Privatperson Bettina rege nutzt, um den Newsstream nach ihren eigenen Bedürfnissen zu gestalten. Für Bettina in ihrer Identität als Fanpage wird es also immer schwieriger, sich auf anderen Fanpages bemerkbar zu machen – denn sie hat nicht mehr alle Fanpages auf einen Blick vorliegen. Das passt Bettina nicht und sie sucht nach Lösungen, wie sie weiterhin einfach als Fanpage auf anderen Fanpages kommentieren kann … so weit, so kompliziert ;-))

Ein Denkfehler? Oder Interaktionsalltag?

Meiner Ansicht nach begeht Bettina einen Denkfehler: Sie denkt, dass Social Media für sie als Unternehmerin nach den selben Regeln funktioniert wie für die Privatperson Bettina. Und deshalb zieht sie als Fanpage los und interagiert mit anderen Postings anderer Fanpages, kommentiert, likt und kuratiert andere Inhalte – eben all das, was sie auch als Privatperson tut. „Huch!“, denken Sie nun (hoffe ich jedenfalls 😉 ), „Aber ein Unternehmen hat doch andere andere Ziele und sollte sich deswegen in Social Media anders verhalten als eine Privatperson!“ Ja, ich gebe Ihnen uneingeschränkt recht.

Meiner Meinung nach ist die Grundlage von Social Media die Kommunikation zwischen Menschen. Und da ist es ganz egal, ob es sich um ein Freizeitnetzwerk wie Facebook handelt oder ob es um ein Businessnetzwerk wie XING geht – Menschen stehen überall im Mittelpunkt. So können sich zum Beispiel auf XING die Betreuer von Unternehmensseiten nicht in der Identität einer Unternehmensseite an den Diskussionen in den Gruppen beteiligen. Facebook ist da nicht ganz so rigide, sondern erlaubt den Fanpages, zum Beispiel auf Erwähnungen zu reagieren: Deshalb bekommt man als Betreiber automatisch eine Nachricht, wenn die Fanpage irgendwo markiert wurde. Ein Like und/oder ein Danke schön oder die Antwort auf die gestellte Frage sind hier meiner Meinung nach Pflicht. Aber mehr nicht! Schließlich betreten im realen Leben Ladenbesitzer auch nicht die Räumlichkeiten der Konkurrenz, um für ihr eigenes Angebot Werbung zu machen.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Ausnahmen von der Regel könnten zum Beispiel die Profile der „öffentlichen Personen“ wie Autoren oder Schauspieler sein. Oder auch Ein-Personen-Unternehmen wie meins. Hier mag es aus unserer ganz persönlichen Sicht sinnvoll sein, sich in der Identität als „Fanpage“ an Diskussionen zu beteiligen – schließlich möchten wir die Fans (also Interessenten oder Kunden) auf der Fanpage sammeln und nicht im Privatprofil – denn da sind wir schließlich privat und möchten das auch bleiben. Doch diese Ausnahme von der Regel löst sich auf, wenn man einen Schritt zurücktritt und die Metaebene betrachtet: „Social Media ist Kommunikation. Und zwar von Mensch zu Mensch.“ Denn nur diese Form der Kommunikation ist wirklich spannend für uns Menschen! Bei einem Unternehmen (und Autoren oder Schauspieler sind auch Unternehmer) könnten wir Privatpersonen nie ganz sicher sein, dass sich wirklich die angegebene Person hinter dem Profil verbirgt – schließlich werden Profile von Promis ganz oft von Agenturen gepflegt. Es bleibt also mindestens ein schaler Beigeschmack.

Worst Case

Frau, sehr wütendStellen wir uns mal vor, wir wären tatsächlich mit Marken „befreundet“ auf Social Media: Dann würde mein regionaler Apfelsaft-Produzent mir guten Morgen wünschen. Mein Lieblings-Reiseveranstalter würde mir Reiseziele vorschlagen, weil ich gepostet habe, dass ich urlaubsreif bin. Und wenn ich eine politische Diskussion starte, mischt sich mein Bürgermeister als „öffentliche Person“ ein. Wobei ich mir nie ganz sicher sein kann, dass er es auch persönlich ist, denn bei vielen Fanpages weiß ich nicht, welche Person dort gerade mit mir spricht. Denn es hat sich (leider!) bis heute nicht durchgesetzt, dass sich die Mitarbeiter, die den Unternehmenskanal betreuen, vorstellen und ihre Postings mit einem Absender versehen.

Ganz ehrlich: Ich möchte diesen Worst Case nicht erleben. Denn ich würde diese Form von Postings als extrem personalisierte Werbung empfinden und richtig wütend werden. In Social Media bin ich eben auch als Privatperson unterwegs und habe meine liebe Mühe, die ganze – teilweise wirklich schlechte – Werbung in den verschiedenen Social Media-Kanälen zu akzeptieren. Da unterscheide ich mich nicht ein Stück von Millionen anderer Menschen, die Social Media nutzen!

Die Geschäftsfrau in mir bekommt dennoch glänzende Augen bei den vielen Möglichkeiten, die sich bei dieser Kommunikationsform bieten würden: als Firma direkt auf die Leute zugehen! Individuelle Angebote machen! Ins Gespräch kommen! Probleme sofort lösen! Doch wenn ich einen Schritt zurückgehe in Richtung Privatperson Christa Goede, dann weiß ich sofort, dass den Menschen das nicht gefallen würde. Wir würden uns vorkommen wie in einer Dauerwerbesendung, in der wir unfreiwillig zur Hauptperson gekürt wurden. Ein Social Media-Kanal, der diese Form der Kommunikation erlauben oder sogar fördern würde, wäre vermutlich seine Mitglieder ziemlich schnell los.

„B2B-Kommunikation“ der etwas anderen Art

Und auch für die Kommunikation zwischen zwei Fanpages gelten meiner Meinung nach diese Gedanken – wir private Mitleser bekämen auch hier ganz schnell das Gefühl, in einer reinen Werbeveranstaltung gelandet zu sein. Es mag sein, dass es Fanpages gibt, die informativ und niveauvoll auf anderen Fanpages agieren. Doch leider gibt es diese Art der Kommunikation und die Inhalte keine verbindlichen Standards. Wenn ich mir nun vorstelle, eine von diesen „10-kg-weg-in-drei-Stunden“-Fanpages würde auf eines meiner Postings reagieren und alleine durch den Absender Werbung auf meiner Fanpage machen … da sagt auch die Unternehmerin in mir „Nein Danke“. Und die Fans mit Sicherheit auch.

Darüber hinaus möchte ich als Unternehmerin meine Kommunikation bündeln und nicht verschiedene Felder aka fremde Fanpages beackern. Hier kann sich nämlich fix ein Problem auftun: Bekomme ich als Unternehmerin wirklich mit, was unter meinem Posting auf einer fremden Fanpage weiterhin gepostet wird? Habe ich Zeit, jedes dieser Postings weiter zu verfolgen und mitzudiskutieren? Diese Zeit habe ich nicht – und als kleines Unternehmen kann ich mir keine wirklich gute und damit teure Monitoringsoftware leisten, um das Geschehen automatisiert weiter im Auge zu behalten. Ein großes Unternehmen mit einer guten Monitoringsoftware müsste eine riesige Social Media-Abteilung unterhalten, wenn es qualifiziert auf fremden Fanpages mitreden wollte. Große und kleine Unternehmen würden sich mit dieser Methode darüber hinaus einer weiteren großen Gefahr aussetzen – es könnte die Reputation des Unternehmens beschädigt werden, wenn es auf der fremden Fanpage Auseinandersetzungen gibt, auf die nicht angemessen reagiert wird. Im schlimmsten Fall sogar so, dass es das Unternehmen nicht merkt.

Was denken Sie?

Gibt es gute Gründe für eine Fanpage, sich trotz aller Probleme regelmäßig auf anderen Fanpages zu engagieren? Und ich meine damit nicht solche Social Media-Glanzstücke wie das Gespräch zwischen Franzi Do, der Bahn, Renault und Opel – geniale Streiche in dieser Art sind natürlich gerne gesehen 😉

Bildquellenangabe: www.pixabay.de

2 Kommentare to “Social Media-Techtelmechtel”

  1. Liebe Christa Goede,

    ihr Beitrag stimmt mich nachdenklich. Über die verschiedenen Seiten der Medaille „Wenn die Fanpage mit der Fanpage“ habe ich mir bisher wenig Gedanken gemacht. Daher danke für den Denkanstoß. Ich lerne hier doch immer wieder dazu!

Trackbacks/Pingbacks

  1. geekchicks.de » geekchicks am 20.02.2014 - wir aggregieren die weibliche seite der blogosphäre - […] Social Media-Techtelmechtel Christa Goede (@ChristaGoede) in Christa Goede: Wenn die Fanpage mit der Fanpage … Social […]
  2. Medien-Woche 08/2014: Content, Content & WhatsApp | kommunikationsABC.de - […] Christa Goede: Social Media-Techtelmechtel […]

einen Kommentar senden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.