Quere Gedanken und viel Fantasie

von am 10. Juni 2013 in Christa persönlich, Know-how, Text | 10 Kommentare

Freak out! So geht’s zu im Kopf einer Texterin

Sprache ist herrlich. Worte sind toll. Lesen ist super. Schreiben ist noch superer. Wir können uns alle gar nicht oft daran erinnern, finde ich. Denn leider ist das Wunderwerk Sprache für viele Menschen etwas beiläufiges, banales. Etwas, das eben einfach so und ohne viel darüber nachzudenken benutzt wird. Ein Gebrauchsgegenstand, der im Alltag wenig gewürdigt wird.

Hexhex und drei mal schwarze Mietzekatze

Schwarzer KaterFür mich ist Sprache Zauberei. Denn wir können mit Worten Informationen verbreiten oder Geschichten erzählen. Menschen zum Nachdenken bewegen oder Gefühle wecken. Ein Unternehmen in einer Tonalität (und damit in einer Gefühlswelt) präsentieren, die perfekt zur Firma passt. Ein Produkt so beschreiben, dass die Zielgruppe es unbedingt haben will und einen Kaufreflex auslösen. Eben eine vorher geplante Wirkung erzielen. Das alles funktioniert mit geschriebenen Texten – dieser extrem verkürzten Form der Kommunikation, der Betonung, Mimik und Gestik fehlen. Ich finde das faszinierend ;o))

Doch wo kommen sie her, die guten Textideen? Wo findet man Aufhänger? Die Story, die die Botschaft attraktiv und interessant verpackt? Auch das ist meiner Meinung nach Hexerei: Ich denke über ein Thema nach und … krachbumm … der Aufhänger ist da. Ich stehe unter der Dusche und … zisch …  habe ich einen Einfall. Ideen springen mich sogar vorm Waschmittelregal im Supermarkt an. Oder beim Spazieren gehen. Oder beim Prokrastinieren auf Facebook. Früher hatte ich immer ein Ideenbuch dabei und notierte mir die Idee sofort. Heute nutze ich die Diktierfunktion meines Handys. Denn so schnell, wie die Ideen da sind, so schnell sind sie manchmal auch wieder weg.

Nach der Idee kommt die handwerkliche Arbeit: Wie verpackt man die Idee in einen Text? Welche Struktur eignet sich? Wo ist der Anfang und wie lautet das Ende? Da hat jeder, der beruflich schreibt, ein anderes Rezept. Meins ist die Lautschreiberei. Haben Sie das schon mal ausprobiert?

Mein Tipp: Der Kuli soll sich beim Tacker ’ne Scheibe abschneiden!

Wenn ich mal keine Idee habe, rege ich meine Fantasie an und nehme mir zum Beispiel klassische Redewendungen vor. Beim „Lauf der Dinge“ stelle ich mir mit Blick auf meinen Schreibtisch vor, wie Kugelschreiber, Tesafilm und Tacker um die Wette laufen: „Wie erwartet liegt der athletische Kuli vorne, aber der Tacker aktiviert seine Reserven und gibt alles. Er zieht am Tesafilm vorbei … und ….er holt den Kuli ein … jaaa, der Tacker hat gewonnen! Ganz stark, dieser Tacker. Ganz stark.“

MesserRichtiggehend weh tut mir die Formulierung „eine Scheibe abschneiden“. Denn wenn ich das weiterdenke, passiert vor meinem inneren Auge Folgendes: Ich sehe, wie jemand ein Messer zückt und sich eine dicke Scheibe Charakter von seinem Vorbild abschneidet. Gruselig, gelle? Aber wenn mein Kopfkino erst so richtig läuft, finde ich ganz bestimmt eine spannende Idee für den Text. Ganz egal, wie schräg meine Ausgangsgedanken sind.

Kennen Sie dieses Kopfkino? Was geht in Ihnen vor, wenn Sie Ihre Gedanken frei laufen, rennen oder springen lassen? Haben Sie gute Ideen? Ich freue mich auf spannende Einblicke in Ihr persönliches Gedanken-Ping-Pong ;o))

Bildquellenangabe: Pixabay

10 Kommentare to “Quere Gedanken und viel Fantasie”

  1. Aber ja!!! Ich sehe auch immer bildlich!!!

    Wenn jemandem die Haare zu Berge stehen, tut sich vor mir eine Gestalt auf, deren Haare eine hügelige Landschaft formen.
    Wenn etwas sprachtechnisch machbar ist, sehe ich vor mir mit Schraubenziehern gerüstete Blaumänner, die an Wörtern und Sätzen Rädchen kontrollieren und festziehen.

    ´:-)

  2. Mir fällt dazu der „Menschenauflauf“ ein: yummie, leckere Leute in Tomatensauce mit überbackenen Käseköpfen und Oregano oben drauf :))

  3. ich arbeite völlig anders. wenn mir ein thema ins haus schneit, frage ich erst mal tante google, was ihr dazu einfällt. manchmal auch das gesichtsbuch. dann hänge ich mich ans telefon und befrage einen oder mehrere experten. oder treffe mich in der realen welt mit richtigen menschen.;-)

    wenn ich das gefühl habe, ich habe verstanden, um was es geht (in diesem moment macht es richtiggehened plopp bei mir) ergibt sich das übrige fast von allein.

    ich baue aus verschiedenen einzelnen informationen den text zusammen. dabei achte ich darauf, dass sich ein fluss ergibt und gleichzeitig ein bauteil die brücke zum nächsten bildet.

    allerdings schreibe ich keine werbetexte, sondern bin für medien und pr-abteilungen im einsatz.

  4. Bei mir läuft auch alles wie im Film ab, egal ob ich privat an einer Geschichte arbeite, oder beruflich einen Text verfasse.

    Beruflich geht es etwas gemäßigter ab – wenn ich zum Beispiel einen Hilfetext verfasse, sehe ich den Kunden vor mir, so wie ich ihn mir vorstelle (alt oder jung, Mann oder Frau usw) und wie er/sie am PC sitzt und das was ich geschrieben habe nach Anleitung ausführt, um das Problem zu lösen das besteht. Auf diese Weise fällt es mir leichter, gut verständliche Schritt-für-Schritt Anleitungen zu schreiben, bei denen ich davon ausgehen kann, das möglichst viele Menschen, egal mit welchem Wissensstand, sie benutzen können.

    Privat darf es gern auch mal spezieller sein. Da wird überall und nirgendwo vorgearbeitet, ob mit Musik oder ohne, mit Augen auf oder zu, zu Hause oder in der Ubahn.
    Komme ich bei einer Geschichte zum Beispiel nicht weiter, suche ich mir einen Song raus, der zur Stimmung der aktuellen Szene passt und rufe mir bewusst die Figur und die Situation ins Gedächtnis. Am besten klappt das in der Ubahn mit geschlossenen Augen. Dann lasse ich die Figur einfach frei „laufen“, konfrontiere sie mit Problemen oder anderen Figuren und sehe wie ein Zaungast einfach nur zu was der Protagonist so anstellt. Die Musik im Ohr liefert den passenden Soundtrack, der „Film“ schreibt sich wie von selbst und ich muss das ganze nur noch notieren und später abtippen.

    Viele Grüße,
    Alice Högner

    • Hey, vielen Dank auch dir, Alice, für den Input ;o)) Wie verschieden wir doch alle ticken: Mit Musik kann ich zum Beispiel gar nicht schreiben, bei mir muss es möglichst ruhig sein. Ideen hingegen plöppen an wirklich jedem Ort und in jeder Situation in meinem Hirn auf.

      Liebe Grüße,
      Christa

      • Hallo Christa,

        die Musik nutze ich meist nur zum Überlegen. Ob ich dann auch welche an habe wenn ich schreibe, das ist unterschiedlich. Manchmal ist mir danach, manchmal nicht.
        Allerdings ist mir etwas interessantes aufgefallen:

        Wenn ich deutsche Texte verfasse, kann ich nur englischsprachige Musik hören, wenn ich englische Texte verfasse nur deutschsprachige. Höre ich Musik in der Sprache in der ich gerade etwas schreibe (oder auch lese), werde ich abgelenkt, ist es genau anderssprachig, kann ich den Text des Musikstücks ausblenden.

        Liebe Grße,
        Alice

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