Authentizität und Ehrlichkeit

von am 13. Januar 2016 in Authentizität, Know-how | Keine Kommentare

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Oder: Was Ehrlichkeit mit Authentizität zu tun hat.

LügennaseJeder Mensch lügt mehrfach am Tag – inklusive mir. Die meisten dieser Lügen sind uns gar nicht bewusst. Ein Beispiel gefällig? Ich sitze schlecht gelaunt am Schreibtisch, als eine Kundin anruft und mich fragt, wie es mir geht. Ich antworte: GUT! Denn warum sollte ich meiner Kundin erzählen, dass mir heute Morgen meine Müslischale runtergefallen ist und ich erst mal die halbe Küche putzen musste? Und dass ich mir noch in den Finger geschnitten habe beim Aufheben der Scherben? Dass ich nun am Schreibtisch sitze mit einem dicken Pflaster um den Finger und nicht weiß, wie ich die nächsten Tage tippen soll – und dass ich deshalb so richtig schlechte Laune habe? Ihr gebt mir bestimmt recht, wenn ich schreibe, dass dieses persönliche Drama meine Kundin nichts angeht. Aber streng genommen habe ich sie angelogen, denn mir ging es wirklich nicht gut an diesem Tag!

Doch diese Art von – ich nenne sie mal „Gefälligkeits“-Lügen meint das Sprichwort aus der Headline nicht. Es passt wohl besser zu den Lügen, die zum Beispiel der VW-Konzern jahrelang über die Abgaswerte der TDI-Motoren verbreitet hat. Lügen, die auf einer Manipulation von Software beruhen und wohl dazu dienen sollten, mehr Autos am Markt abzusetzen, weil die Fahrzeuge ja „sauberer“ sind. Oder Siemens und die Deutsche Bank, die trotz detailreicher Compliance-Regelwerke, ausgetüffelten Kontrollmechanismen und festgeschriebenen Sanktionen auch im letzten Jahr neue Korruptionsfälle und Geldwäscheskandale zu verzeichnen hatten.

Skandal über Skandal … warum eigentlich?

Das Sprichwort passt aber auch zu den vielen kleineren Unternehmen, die ihre Kunden belügen und betrügen oder Missstände vertuschen wollen: Da wird Hilfe bei einem Produkt versprochen und nie geleistet. Es werden Rückrufe versprochen, die  nie kommen. Oder Dinge wie zum Beispiel Produkt-Features verkauft, die es nicht gibt und auch nie geben wird. Verträge werden nicht eingehalten und auch, wenn der Käufer darauf hinweist, erfolgt keine Korrektur zugunsten des Kunden. Oder es werden Dienstleistungen verkauft, für die das Unternehmen keine Expertise hat. Ich bin mir sicher, dass jeder von euch schon Erfahrungen in dieser Art machen musste. Leider.

Doch was hat das alles mit Authentizität zu tun? Ganz viel meiner Meinung nach: In den von mir genannten Fällen haben Unternehmen versucht, zu manipulieren, zu betrügen, zu vertuschen, zu vertrösten. Fehler werden nicht offen zugegeben, es wird keine Transparenz geschaffen über das, was dort passiert ist und auch noch passiert. In vielen Fällen wird nicht mal mit den Kunden kommuniziert – die Käufer erfahren in fast allen Fällen vom neuesten Skandal erst aus der Presse, oder im schlimmsten Fall gar nicht. Dabei müsste das gar nicht sein, denn in vielen Fällen sind die Käufer der Produkte namentlich und mit Adresse bekannt. Doch ganz egal, welche dieser Un-Variationen ein Unternehmen bevorzugt – zurück bleibt ein enttäuschter Kunde, der in vielen Fällen zum Ex-Kunden wird und dann auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Und ein Unternehmen, das seinen Ruf auf Jahre hin ruiniert hat und so nicht mehr authentisch am Markt agieren kann – denn enttäuschte Kunden sprechen mit anderen Menschen und werden mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg halten!

Wir brauchen eine Fehlerkultur. Eine authentische Fehlerkultur.

Lüge-WahrheitJa, wir machen alle Fehler. Ja, wir machen sie im Privatleben und auch beruflich. Und das schon unser gesamtes Leben lang. Und damit gehören Fehler zu unserem ICH, sind also vollkommen authentisch! Doch warum fällt es uns allen so schwer, Fehler zuzugeben? Warum wird vertuscht, was das Zeug hält – obwohl wir doch alle aus der Erfahrung gelernt haben sollten, dass so etwas nur ganz selten gut geht? Denn wir alle haben diese Erfahrung ganz bestimmt schon im privaten Umfeld machen müssen … und trotzdem wird sie tagtäglich im geschäftlichen Umfeld wiederholt. Oft auch aus der Angst heraus, von wütenden Kunden in der Luft zerrissen zu werden. Und so wird aus einem ursprünglich vielleicht kleinen Fehler ein handfester Skandal, der einem Unternehmen langfristig hohen Schaden zufügt.

Meiner Ansicht nach brauchen wir eine authentische Fehlerkultur – und zwar in zwei Richtungen:

  • Die Unternehmen: Firmen müssen endlich verstehen, dass es keine gute Idee ist, Fehler verheimlichen zu wollen – in Zeiten von Internet und Social Media und den damit verbundenen, fast unendlichen Kommunikationsmöglichkeiten ist es praktisch unmöglich, etwas zu verheimlichen. Denn nicht mal die Geheimdienste schaffen das, wie man unschwer an den diversen Leaks und ungewollten Veröffentlichungen erkennen kann! Wir brauchen also Unternehmen, die zu ihrer vollständigen – authentischen – Unternehmenspersönlichkeit stehen – inklusive aller Ecken, Kanten und eben auch der Fehler.
  • Die Gesellschaft: Wir brauchen eine Gesellschaft, die Fehler akzeptiert und jemanden, der einen Fehler zugibt, nicht in der Luft zerreißt oder mit Häme und Spott übergießt – ganz egal, ob es sich um eine Person, eine Personengruppe oder ein Unternehmen handelt. Wir brauchen ein Umfeld, das ein Bekenntnis zu einem Fehler wohlwollend aufnimmt und das vollständige Ausbügeln des Fehlers akzeptiert. Ein Umfeld, das besonnen mit einem Fehlerbekenntnis umgeht – und zwar schon im Kindergarten. Denn in der Kindheit wird die Basis dafür gelegt, wie Menschen mit Kritik oder Fehlern umgehen …

Doch die allerallerallerbeste Variante ist natürlich, erst gar nicht zu lügen, sondern sich selbst treu zu bleiben, Fehler zuzugeben und damit Authentizität zu leben – als Person und als Unternehmen. Wir alle wissen im Grunde unseres Herzens, dass niemand fehlerfrei ist – und dass zu einer authentischen Persönlichkeit oder zu einem authentischen Unternehmen eben auch die Fehler gehören. Denn wie heißt es so schön: Ehrlich währt am längsten. Punkt.

Bildquelle: Pixabay

Christa GoedeDie Autorin Christa Goede steckt viel Herzblut und noch mehr Fachwissen in digitale Unternehmensauftritte: Mit individuellen Texten und Konzepten gestaltet sie Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Ihre Erfahrung und ihr Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teilt sie hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen.
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