Der Mitarbeiter des Monats

von am 2. Oktober 2014 in Authentizität, Christa persönlich, Know-how | 10 Kommentare

Darf ich vorstellen: mein Bauchgefühl.

Jeder kennt es, dieses vielversprechende Kribbeln im Bauch, wenn wir uns auf etwas (vor-)freuen. Dieses herrliche Gefühl, das uns schon beim bloßen Gedanken an ein tolles Konzert oder einen wunderbaren Abend mit Freunden über beide Backen grinsen lässt. Oder, wenn der Bauch vor Glück Purzelbäume schlägt, weil wir morgen in den Urlaub fahren – endlich! Doch jeder von uns kennt auch das mulmige, unangenehme Gefühl in der Körpermitte, das dafür sorgt, dass wir unruhig werden. Dieses innere Grummeln, das uns in einem dunklen U-Bahnhof aufmerksamer werden lässt. Und dafür sorgt, dass wir einen Schritt schneller gehen, damit wir fix ins Helle kommen.

Wikipedia nennt das Bauchgefühl „Intuition“ und definiert es so:

Der Pokal für den Mitarbeiter des MonatsDie Intuition (v. lat.: intueri (deponens) ‚betrachten, erwägen‘; eigentlich ‚angeschaut werden‘, daher auch passiver Sinn von Eingebung, ahnendes Erfassen; PPP intuitum) ist die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder die subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen zu erlangen, ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes, also etwa ohne bewusste Schlussfolgerungen.

Mein Zwiegespräch zwischen Hirn und Bauch

Aha. Ich lese „ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes“ … oh je. Die Ratio in mir wird laut: „Ach du liebes bisschen! Schätzchen, du hast ein Hirn, setz es ein! Das Bauchgefühl ist bestimmt wichtig gewesen für deine Vorfahren, die noch einen wirklichen Überlebenskampf führten. Aber du lebst im 21. Jahrhundert, hast einen vollen Kühlschrank und ein recht umfangreiches Wissen, lebst glücklicherweise in einem recht friedlichen Land – du kannst recherchieren, analysieren und Entscheidungen auf der Basis von WISSEN treffen! Weg mit diesem irrationalen Bauchgefühl!“

Jetzt setzt sich mein Bauchgefühl energisch zu Wehr: „Papperlapapp, Wissenschaft. Liebes, es gibt Dinge im Leben, die sich nicht erklären lassen. Vorahnungen, Eingebungen, Geistesblitze – was glaubst du, woher die kommen? Gibt’s ne Formel dazu? Und woraus wird deine Kreativität gespeist? Deine Fähigkeit, um die Ecke zu denken und die rationalen Pfade zu verlassen? Doch nicht allein aus der Wissenschaft, ich bitte dich … „ Das Bauchgefühl rollt mit den Augen.

Zwei KämpferSie merken: Ich sitze zwischen allen Stühlen, in mir streiten sich Hirn und Bauch um die Oberhand. Manchmal gewinnt das Hirn, dann steht das Bauchgefühl auf dem Siegertreppchen. Ganz grässlich wird dieser innere Wettkampf, wenn es um geschäftliche Entscheidungen geht: Meine Ratio denkt rein betriebswirtschaftlich: Sie rechnet blitzschnell aus, welchen Zeiteinsatz ein Auftrag fordert und wie viel Gewinn er abwerfen wird. Die Ratio ist energisch, fällt schnelle Entscheidungen und ist sich ganz sicher, dass die gefällte Entscheidung genau die richtige ist.

Meine Intuition ist dagegen eine mahnende Stimme, die mit erhobenem Zeigefinger Aufmerksamkeit einfordert, Dinge aus anderen Perspektiven andenkt und manchmal einfach auch nur sagt: „Hey, das gefällt mir hier nicht – lass uns diesen Auftrag absagen!“ Da fängt die Ratio fies an zu lachen: „Boar, Bauchgefühl – das ist doch echt albern, so ohne Argumente gegen diesen Auftrag zu sein. Hier, sieh die Vorteile liegen doch ganz klar auf der Hand! Und jetzt hau ab und lass Christa und mich zusammen Geld verdienen.“

An diesem Punkt ist die Entscheidung für mich einfach – denn ich finde die forsche, klar strukturierte Ratio einfach erheblich sympathischer als die mahnende Bedenkenträgerin Bauchgefühl. Doch nach 11 Jahren Selbstständigkeit fordere ich immer wieder von mir selbst:

Christa, hör auf deinen Bauch. Auch im Geschäftsleben.

Warum ich das fordere? Weil zum Beispiel ein tolles Bauchgefühl immer wieder dafür sorgt, dass ich mich auf bestimmte Themen stürze, mit denen die Ratio erst mal nicht anfangen kann – das beste Beispiel ist Social Media. Als ich vor gefühlten 100 Jahren anfing, mich mit den Sozialen Netzwerken zu beschäftigen, motzte die Ratio dauernd über Zeitverschwendung. Sie sah den Sinn nicht darin, sich für die Hintergründe und die Funktionsweisen zu interessieren und betrachtete Facebook, Twitter, Google+ und Co. als reines Freizeitvergnügen. Das Bauchgefühl hingegen war von Anfang an begeistert und sorgte mit viel Energie und Engagement dafür, dass ich mich immer tiefer mit der Materie auseinandergesetzt habe. Heute verdiene ich Geld mit meinem Wissen über Social Media, in dem ich zum Beispiel Konzepte schreibe, Social Media-Auftritte betreue oder anderen Menschen in Vorträgen und Workshops mein Wissen vermittele. Die Ratio ist mittlerweile auch von diesem Einsatz überzeugt und strahlt mit dem Bauchgefühl um die Wette bei Kundenanfragen aus diesem Themenbereich – die beiden freuen sich gemeinsam mit mir schon beim Schreiben der Angebote auf die Arbeit mit tollen Kunden sowie auf spannende Projekte und Themen 😉

Doch ich fordere noch von mir, dass ich im Geschäftsleben auch auf mein negatives Bauchgefühl höre. Denn die Intuition hat mich immer wieder vor Situationen und Geschäften gewarnt, die sich im Nachhinein als „ziemlich unfein“ herausgestellt haben. Mein Bauchgefühl hat mich zum Beispiel fast davon abgehalten, einen Auftrag anzunehmen, bei dem sich der Auftraggeber im Nachhinein als aggressiver Frauenhasser herausgestellt hat, der mich am Telefon bedroht und mir unverschämte, respektlose Mails geschrieben hat. Der mir stolz verkündete, dass ich ihn verklagen müsste, wenn ich meine Rechnung bezahlt haben wollte. Mein Bauchgefühl hat auch aufgeschrien, als ich eine Kooperation mit einem anderen Freiberufler einging, der mich finanziell über den Tisch gezogen hat.

Im Nachhinein betrachtet gibt es ganz viele Entscheidungen, die ich anders gefällt hätte, wenn ich mein Bauchgefühl angehört hätte – und zwar positiv wie negativ. Aber vermutlich wird der Kampf zwischen Hirn und Bauch weiter in mir toben, denn die Ratio nimmt gerade im Geschäftsleben viel Platz ein in der Person Christa Goede. Doch ich verspreche dir, liebes Bauchgefühl, dass ich dich in Zukunft mehr wertschätzen und dir intensiv zuhören werde! Denn du bist ein echter Top-Mitarbeiter. Und du, liebe Ratio, hältst dich ab sofort öfter mal zurück, okay? Denn es gibt viele Beweise, dass du gar nicht soo super bist … 😉

Bildquelle: Pixabay

Christa GoedeDie Autorin Christa Goede steckt viel Herzblut und noch viel mehr Expertenwissen in digitale Unternehmensauftritte: Mit individuellen Texten und Konzepten gestaltet sie Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Ihre Erfahrung und ihr Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teilt sie hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen. Tel.: +49 (0) 69 – 63 39 29 77, E-Mail: mail@christagoede.de


10 Kommentare to “Der Mitarbeiter des Monats”

  1. Liebe Christa,

    ein toller Artikel.
    Wir sollten wirklich alle viel öfter auf den Bauch hören, vor allem, wenn er Warnsignale gibt. Ich versuche, bereits im ersten Kunden- oder Kollegenkontakt zu erspüren, ob das Bauchgefühl stimmt. Wenn da nur ein Funken Unsicherheit ist, überprüfe ich durch direkte Fragen und siehe da, leider stellt sich oft heraus, was dahintersteckt. So bin ich von manchen Enttäuschungen bewahrt worden.

  2. Liebe Christa,
    wieder ein toller Artikel von dir. – Auch ich nehme mein Bauchgefühle – die positiven und negativen – sehr ernst.
    Gerade bei Erstkontakten im Business befrage ich im Zwiegespräch immer auch meinen Bauch: „Hallo, wie geht es dir gerade. Fühlst du dich mit diesem Menschen wohl. Und wenn nicht, was möchtest du mir gerade sagen.“
    Die besten beruflichen Entscheidungen, die ich in diesem Jahr getroffen habe, sind übrigends immer die gewesen, die meinen Bauch so richtig zum Kribbeln bringen. :)

  3. Hallo Christa,
    es ist immer wieder eine Freude, deine Artikel zu lesen! Du schaffst es, mich mit breitem Grinsen oder Lachen auf dem Gesicht anzustupsen und auf interessante Gedanken zu bringen!
    Jedenfalls kann ich auch nur bestätigen, wie wichtig es ist, auf den „Bauch“ zu hören, und zwar immer! Erst vor einiger Zeit fuhr ich auf einer Vorfahrtstrasse mit der Vespa und meine innere Stimme ermahnte mich – völlig unrationell – jetzt sofort abzubremsen, und im gleichen Augenblick kam von rechts ein Auto hervorgeschossen, das die Stoppstelle nicht beachtet hat! Es hat mir sozusagen mein Leben gerettet!
    Wünsche Dir einen wunderschönen Tag und viele positive Bauchgefühle!!
    Karin

  4. Ich habe das lernen müssen, wirklich auf mein Bauchgefühl zu hören – denn jedesmal, wenn es mich warnte, hat das im Nachhinein auch gestimmt. Als Selbständigkeits-Anfängerin will man das zunächst nicht glauben, aber heute ist es für mich selbstverständlich, darauf zu vertrauen.

  5. Christa, ein schöner Artikel! Und es gibt auch ein tolles Bich dazu. Es heißt „Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft“. Vielleicht magst du ja mal ein bisschen wissenschaftliche Untermauerung (allgemeinverständlich geschrieben) für dein Bauchgefühl!

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