Emotionen und Geschäft Teil 1

von am 15. Juli 2016 in Authentizität, Know-how | 2 Kommentare

Wie viel Gefühl verträgt ein Unternehmensauftritt?

Sandwich„Yamyam, heute gab’s lecker Sandwiches zu Mittag – nun sind alle glücklich, zufrieden und satt!“ Was denkst du – ist das ein Text, den ein Unternehmen oder ein Einzel-Selbstständiger öffentlich zum Beispiel auf Facebook oder Twitter posten sollte? Nein?

Meine Antwort lautet: Jein 😉 . Denn wie so oft in Social Media gibt es keine Antwort, die immer und überall passt. Dieser sehr persönliche, emotional aufgeladene Satz wäre zum Beispiel ein tolles Posting für ein Restaurant mit Tageskarte – zusammen mit einem schicken Sandwich-Foto würde es bestimmt viele Likes oder Kommentare und vielleicht auch mehr Kundschaft erzeugen. Sogar ein Steuerbüro könnte mit einem solchen Posting seine Klienten begeistern – wenn es sich um ein Steuerbüro handelt, zu dessen Gesamtauftritt so viel Persönliches passt und dessen Klienten mehr als reine Sachinformationen erwarten. Zusammen mit einem Bild vom glücklichen Team könnte sich so ein Text auch hier lohnen und die zum Unternehmen passenden Fans oder Follower nicht verärgern.

Fest steht also: Es kommt auf den Absender UND auf den Zusammenhang an. Doch wie kannst du feststellen, wie viel Emotion und Persönliches dein Unternehmensauftritt verträgt? Zwei Fragen können dir hier bei der Entscheidungsfindung helfen:

1. Wie emotional geht es bisher im Geschäftsalltag zu?

Schau dir einfach mal dein Unternehmen an – bei Mehrpersonen-Firmen gleich aus aus zwei Perspektiven:

  • Wie sprecht ihr mit euren Kunden? Eher locker-lässig oder eher höflich-distanziert? Duzt ihr euch?
  • Wie redet ihr untereinander? Wisst ihr viel Persönliches voneinander oder sprecht ihr im Team eher nur über geschäftliche Dinge?

Hier kannst du ganz einfach sehen, wie das zwischenmenschliche Miteinander in deinem Unternehmen und auch in der Zusammenarbeit mit den Kunden funktioniert. Wenn ihr locker-lässig mit Kunden und auch im Team sprecht, dann könnt ihr das auch in Social Media zu – ihr solltest es sogar! Denn dieser Umgangston ist Teil eurer Unternehmensmarke.

Einzel-Selbstständige haben außerdem ein ganz wichtiges Alleinstellungsmerkmal (USP): die eigene Persönlichkeit. Wenn du also ein Einfrau- oder Einmann-Unternehmen bist, solltest du die Emotionen sichtbar machen, die zu dir als Person gehören – denn deine Kunden kaufen neben deinem Angebot auch immer ein Stück von dir. Mit einer solchen Kommunikation ziehst du Kunden an, die zu dir passen. Das Tollste daran ist: Mit diesen Menschen arbeitest du besser zusammen, das darf ich glücklicherweise fast jeden Tag erleben 🙂 .

2. Wie emotional gefärbt sind eure Produkte oder Dienstleistungen?

Hier gibt es große Unterschiede: Eine Steuerberatung ist als Produkt eher wenig emotional. Na gut, sie nimmt einem extrem lästige Arbeiten ab und bringt einen öfter mal zum weinen – positive Gefühle sind das aber nicht 😉 . Auch eine anwaltliche Beratung trägt eher selten dazu bei, Glückshormone auszuschütten – doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel, denn es gibt durchaus auch Rechtsanwälte, die sich sehr persönlich und emotional in Social Media präsentieren (ich denke da zum Beispiel aus Dr. Thomas Schwenke, der auf Snapchat locker-lässig von seinem Alltag berichtet – das ist zumeist ziemlich unterhaltsam 😉 ).

Ganz anders hingegen sieht es zum Beispiel aus bei Mode oder Technik: Es gibt viele Leute, die sehnsuchtsvoll darauf warten, dass ein bestimmter Turnschuh endlich in Deutschland angeboten wird. Oder Menschen, die Tage vor einem Applestore zelten, weil das neue iProdukt endlich auf den Markt kommt und sie es unbedingt sofort haben wollen.
Solche Beispiele gibt es auch ein paar Nummern kleiner: Restaurants – Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Coachings & Trainings – hier werden Probleme gelöst und neue Wege beschritten, das ist oft sehr emotional und im Resultat positiv. Hochzeits-Dienstleister – der schönste Tag im Leben ist mit ganz vielen Glücksgefühlen verbunden.

MixerAuch Texte schreiben ist manchmal emotional besetzt, gerade wenn es um eine Selbstdarstellung geht oder eine Unternehmensgeschichte. Bei Texten kommt wie bei vielen Dienstleistungen oder Produkten dazu, dass der persönliche Geschmack eine ganz entscheidende Rolle spielt: Manche Menschen mögen verspielte Texte, andere hingegen eher nüchterne Formulierungen. Da hilft es bei der Selbstdarstellung ungemein, auch in Social Media einen authentischen Stil zu verfolgen, zu dem dann eben auch Emotionen gehören – denn so machst du es den Interessen leichter, sich für dein Angebot zu entscheiden oder eben nicht.

Wie immer gilt: Die richtige Mischung macht’s.

Bevor du nun anfängst, lauter Fotos vom Mittagessen zu posten, noch eine wichtige Anmerkung: Die richtige Mischung macht’s. Wir alle sind auf Social Media, um unser Geschäft voranzutreiben – und das geht bekanntlich am besten, in dem wir wertige Inhalte teilen, die echten Nutzen bringen für die Leser. Gefühle sind ein wichtiges Gewürz, das du wohldosiert in deine Social Media-Strategie packen solltest. Aber Emotionen sind nie der einzige Bestandteil – echte, wertige Inhalte sind das, was die Leser haben wollen!

Im 2. Teil geht es um die Frage: Wie kommt die Stimmung in die Postings, Blogbeiträge oder Tweets?

Follower-Power gefragt: Hast du Anmerkungen zu diesem 1. Teil? Oder Vorschläge und Ideen für den 2. Teil, die auf keinen Fall fehlen dürfen? Poste sie mir bitte in die Kommentare – vielen Dank 😉

Bildquelle: Pixabay
Christa GoedeDie Autorin Christa Goede steckt viel Herzblut und noch mehr Fachwissen in digitale Unternehmensauftritte: Mit individuellen Texten und Konzepten gestaltet sie Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Ihre Erfahrung und ihr Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teilt sie hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen.

Tel.: +49 (0) 160 – 94 44 19 34, E-Mail: mail@christagoede.de

2 Kommentare to “Emotionen und Geschäft Teil 1”

  1. Liebe Christa,

    das ist ein spannendes Thema! Was mir wichtig ist, ist die Kante, an der Authentizität (hier authentische Gefühle) zum Werbemittel wird und dann nicht mehr authentisch ist. Also, wenn ich mich mit Persönlichkeit und Gefühlen zeige, um einen Zweck zu erreichen (Aufmerksamkeit, Sympathie generieren? Mich so zeigen, dass sich die richtigen Leute angesprochen fühlen? usw.) , muss ich darauf achten, dass der Zweck vor allem bleibt, mich zu zeigen und nicht, einen bestimmten Eindruck zu machen. Wenn ich Postings lese, die diese Grenze überschreiten, fühle ich mich schnell manipuliert und die guten Gefühle kippen ins Negative. Das ist aber sicher nicht einfach, bei sich zu bleiben. Zu wenig Strategie ist nicht klug. Zu viel Strategie macht in dieser Sache die Strategie kaputt.

    LG
    Tanja H. Finke-Schürmann
    Fragologin

    • Liebe Tanja,

      stimmt! Das ist ein Grenzgang – wie immer, wenn es um den Kern einer Sache geht. Hierzu ist es auch erst mal wichtig zu bestimmen, um welche Gefühle es eigentlich geht. Bei einer Bank stehen zum Beispiel Sicherheit und Vertrauen im Fokus: Beides Gefühle, die wohl am schwersten zu erreichen sind – und ein Schaden ist sehr schwer zu reparieren (das sehen wir alle am weltweiten Bankensystem …). Auch ein Friseur braucht das Vertrauen seiner Kunden und noch ein paar weitere Emotionen. Das könnten zum Beispiel Spaß sein (ich finde witzige Friseure klasse ;o)) oder auch Informiert sein (manche Menschen ratschen ja gerne beim Friseur). Hier gilt es, ganz genau hinzugucken, um die passenden Emotionen zu bestimmen. Und bei all der Strategie darf die Natürlichkeit auf keinen Fall verloren gehen, sonst wirkt es nicht mehr glaubhaft – und da sind wir alle sehr sensibel …

      Liebe Grüße sendet
      Christa

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