Hoaxes und andere Märchen

von am 7. Juli 2015 in Know-how, Social Media | Keine Kommentare

Katzen in Gläsern, superreiche Asylbewerber und Luxusautos, die man einfach so gewinnen kann.

Ein WeihnachtsmannPah, alleine beim Tippen der Überschrift habe ich schon drei mal fies gezuckt – denn das waren alles Meldungen*, die in meinen Social Media-Kanälen auftauchten. Und das, obwohl ich meine Timelines und Kanäle für aufgeklärt und überaus intelligent halte … Doch scheinbar brennt bei einigen Leuten echt die Sicherung durch, wenn sie in Gläser gequetschte Katzen sehen, von vermeintlichen finanziellen Ungerechtigkeiten erfahren, in denen auch noch das Trigger-Wort „Asyl“ vorkommt, oder wenn ihnen der Gewinn eines Luxusautos versprochen wird. Dabei hätte ein kleines bisschen Nachdenken garantiert dazu geführt, dass ALLE diese Links als Hoaxes zu erkennen – da bin ich mir ganz sicher. Denn wir alle glauben doch gar nicht mehr an den Weihnachtsmann, oder?

Was ist eigentlich ein Hoax genau?

Ich bezeichne Hoaxes auch gerne als „moderne Märchen“, wobei es das nicht so ganz trifft – denn ein Hoax verfolgt im Gegensatz zum klassischen Märchen sehr oft eine böse Absicht, wie zum Beispiel mit Lügen Werbeumsätze für eine Website zu generieren oder gegen eine (Rand-)Gruppe zu hetzen. Wikipedia definiert nüchtern den technischen Ablauf eines Hoaxes:

„Als Hoax (engl. für Jux, Scherz, Schabernack; auch Schwindel) wird heute meist eine Falschmeldung bezeichnet, die in Büchern, Zeitschriften oder Zeitungen, per E-Mail, Instant Messenger oder auf anderen Wegen (z. B. SMS, MMS oder soziale Netzwerke) verbreitet, von vielen für wahr gehalten und daher an Freunde, Kollegen, Verwandte und andere Personen weitergeleitet wird.“

Lustige Hoaxes mit Sinn

Doch es gibt auch witzige, meiner Meinung nach sinnvolle Hoaxes: Die Satire-Website „Der Postillon“ setzt unter dem Slogan „Ehrliche Nachrichten“ immer wieder amüsante Fehlinformationen in die Welt, um auf diese Weise auf Missstände aufmerksam zu machen oder einfach nur zu unterhalten. Diese Strategie sorgt immer wieder für Lacher – vor allem dann, wenn zum Beispiel Nazis den Postillon für eine echte Zeitung halten und sich zum Beispiel darüber aufregen, dass angeblich eine ihrer ekelhaften Pegida-Demos abgesagt wurde. Dieses Hoaxes teile ich selbst sehr gerne – und ich empfehle immer wieder gerne die Lektüre der Kommentare unter den Postillon-Postings ;o))

 Wie erkennt man einen Hoax?

Lupe RotEigentlich ist es ganz einfach: Vor dem Teilen kurz nachdenken. Denn wer glaubt wirklich daran, dass er mit einem einzigen Posting ein Luxusauto gewinnen kann? Oder, dass eine in ein Glas eingesperrte Katze tatsächlich überleben kann? Oder, dass ein Flüchtling „einfach so“ viele tausend Euro bekommt? Niemand? Genau! Und doch wird dieser Mist tausendfach geteilt.

Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie sich den Link genau anschauen und dabei auf folgende Merkmale achten:

  • Seriosität: Mutet die Website wirklich glaubwürdig an?
    (Gibt es ein Impressum/Datenschutzerklärung? Wirken Design und Aufbau solide?)
  • Umfeld: Welche Art Beiträge erscheinen noch im Umfeld der Aufreger-Nachricht?
    (Haben die Inhalte Quellverweise? Schreiben dort echte Menschen oder wird anonym veröffentlicht?)
  • Sprache: Wird der Link mit einem reißerischen Titel angepriesen?
    (Ist die Sprache übersteigert? Werden hetzerische Formulierungen benutzt?)
  • Kommentare: Lässt sich durch das Feedback der Leser auf die Qualität der Seite schließen?
    (Gibt es viele Smileys? Oder wird weiter gehetzt in den Kommentaren?)

MEIN EXTRATIPP: Eine kleine Google-Abfrage mit dem Namen der Absenderdomain und dem Wort „Kritik“ bringt zumeist auch gute Ergebnisse. (ein erfundenes Beispiel: Sie möchten mehr über den Link www.krasse-geschichten.de/kinder-klauen-ganzes-hochhaus wissen. Dann geben Sie „krasse Geschichten“ – also den Domainnamen – und „Kritik“ bei Google ein – schon bekommen Sie tolle Hinweise darauf, ob Sie den Link teilen können oder besser nicht.)

Tolle Websites mit vielen Tipps

Im Fall der Fälle sind auch oft Websites hilfreich, die sich mit der Aufklärung solcher Hoaxes beschäftigen. Mir fallen da spontan zwei ein:

  • Der Verein „Mimikama“, der wirklich tolle Arbeit leistet: Auf der Mimikama-Website finden Sie viele wichtige Hintergrundinfos zu den verschiedenen Hoaxes – und auf Facebook sollten Sie unbedingt die Mimikama-Fanpage liken, damit Sie immer up-to-date sind.
  • Die TU Berlin hat eine Hoaxinfo-Website, in der auch Hoaxes aus anderen Kommunikationskanälen wie E-Mails oder SMS erfasst und auch erklärt werden. Die Seite ist zwar echt hässlich und nicht so ganz einfach zu navigieren, aber inhaltlich sehr stark!

Was tun, wenn’s passiert ist?

Liste RotDas ist einfach: Löschen Sie die Inhalte, wenn Sie eine vermeintlich echte Nachricht im Nachhinein als Hoax identifiziert haben. Und machen Sie bitte alle, die Ihren Hoax ebenfalls geteilt haben, darauf aufmerksam, dass es sich bei diesem Inhalt um einen Hoax handelt. Übrigens: Auch ich habe schon Hoaxes geteilt und geglaubt, dass es sich um wahre Inhalte handelte ;o)) Meist wurde ich aber sehr schnell über den Hintergrund der Nachricht aufgeklärt und konnte den Inhalt fix löschen. Denn nur so konnte ich die Kette unterbrechen und verhindern, dass diese Nachricht von meinen Freunden oder Followern noch weiter geteilt wird.

Noch eine Bitte: Wenn Sie Zweifel haben, aber nicht auf Anhieb Informationen zum Wahrheitsgehalt einer Nachricht finden, können Sie nach reiflicher Überlegung trotzdem posten – aber vielleicht schreiben Sie einfach einen Hinweis dazu, dass Sie den Verdacht haben, dass es sich um einen Hoax handeln könnte. Oder Sie fragen einfach jemand in Ihrem Umfeld, ob es sich bei dem Inhalt, den Sie gerade teilen möchten, tatsächlich um eine echte Nachricht oder doch um einen Hoax handelt. Denn sicher ist sicher! Schließlich müssen wir alle auf unsere Reputation achten – und dazu gehört auch, dass man die Qualität der Links kennt, die man teilt ;o))

* Nähere Infos: Satireseite Bonsaikitten, Eingliederungshilfe für Asylbewerber mit Behinderungen, Facebook-Gewinnspiel mit Mercedes AMG

Bildquelle: Pixabay

Christa GoedeDie Autorin Christa Goede steckt viel Herzblut und noch mehr Expertenwissen in digitale Unternehmensauftritte: Mit individuellen Texten und Konzepten gestaltet sie Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Ihre Erfahrung und ihr Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teilt sie hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen.
Tel.: +49 (0) 160 – 94 44 19 34, E-Mail: mail@christagoede.de


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