Im Interview – Maren Martschenko

von am 21. Mai 2015 in Authentizität, Know-how | Keine Kommentare

„Seid stur und eigenwillig!“

Maren_KuhbildMaren ist wieder eine Interviewpartnerin in dieser Reihe, die ich nicht persönlich kenne – komisch eigentlich. Wir begegnen uns schon seit längerer Zeit beinahe täglich im Internet, denn wir engagieren uns beide für die Digital Media Women, einem Branchennetzwerk, das Frauen sichtbarer machen möchte.

Das erste, was mir an Maren aufgefallen ist, ist ihr unglaublich tolles Lächeln: Sie strahlt auf allen Fotos über das gesamte Gesicht und wirkt sehr sympathisch. Das zweite, was mir aufgefallen ist, ist ihr Gesamtauftritt im Internet: Ihr Unternehmen Zehnbar und die von ihr entwickelte Expressostrategie haben sofort meine Aufmerksamkeit erregt – denn sie hat hier einen ganz eigenen Stil entwickelt in ihrer Arbeit mit Einzelunternehmern und kleinen Unternehmen. Ich mag das ja bekanntlich sehr ;o)) Ich wünsche Ihnen viel informatives Lesevergnügen mit diesem spannenden Interview:


CG: Authentizität wird gerade zu einem Modebegriff – immer mehr Unternehmen schreiben sich Echt sein auf die Fahnen. Welche Bedeutung hat Authentizität für dich und deine Arbeit?

MM: Sie ist einer der wichtigsten Werte bei meiner Arbeit als Markenberaterin. Echtheit ist allerdings nichts, was man sich auf eine Fahne schreiben kann. Authentizität muss erlebt werden. Nur wer in unterschiedlichen Kontexten ähnlich erlebt wird, erzeugt ein stimmiges Bild. Diese Konsistenz ist einer der wichtigsten Faktoren, um Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufzubauen. Letztere halte ich für eine der wichtigsten Währungen im Business. Das gilt für Menschen wie für Marken.

CG: Du machst Markenberatung und bietest Workshops, Seminare und einen Selbstlernkurs an. Außerdem hast du die Espressostrategie entwickelt, mit der du kleinen Unternehmen und Solo-Selbstständigen in recht kurzer Zeit zu einer eigenen Marke verhilfst. Daneben engagierst Du Dich bei den Digital Media Women dafür, Frauen in unserer Branche sichtbarer zu machen. Welche Plattformen benutzt du für deinen unternehmerischen Außenauftritt? Verwendest du dort spezielle Stilmittel?

MM: Ich nutze alle Plattformen, die mir als Profi zur Verfügung stehen – analog wie digital. Im Vordergrund stehen bei mir immer die Gespräche. Das gilt für Twitter, Facebook & Co. genauso wie für echte Gespräche auf Veranstaltungen und in der Beratung. Meine Devise lautet: Eine echte Marke entsteht im Dialog. Wie ich diese Dialoge führe hängt natürlich von der Plattform und den Menschen, mit denen ich dort zu tun habe, ab. Das ist auf Twitter anders als auf Facebook. In der Beratung anders als bei einem Vortrag. In einer E-Mail anders als am Telefon. In jedem der Gespräche bin ich aber immer 100 % ich.

CG: Warum ist es auch schon für KMU so wichtig, eine eigene Marke zu haben UND den Markenkern detailreich zu kennen?

MM: Marke ist das, was andere über Dich sagen, wenn Du den Raum verlässt. So lautet mein Verständnis von Marke. Das gilt für jedes Unternehmen egal ob Solopreneur, Mittelständler oder große Unternehmen. Bei einer erfolgreichen Marke verbinden unterschiedliche Menschen ähnliche Bilder, Gefühle, Erfahrungen, Erlebnisse und Informationen mit dem Namen. Genau zu wissen, welche das sind, ist eine der wichtigsten Hausaufgaben. Je besser man das weiß, umso konkreter lassen sich auch bei einer Vielzahl von Kanälen, Plattformen und Kontexten ähnliche Assoziationen erzeugen.

CG: Was glaubst du: Warum ist es so schwer, individuelle Wege zu beschreiten und zu den Facetten seiner Persönlichkeit zu stehen? Schließlich können gerade Charakterzüge bei Einzelselbstständigen Teil der Marke sein …

Maren trinkt ExpressoMM: Sie sollten es sogar! Erst der Mensch gibt einer Marke Charakter. Genau das macht es für Solopreneure so einfach, eine Marke zu werden und gleichzeitig so schwierig. Es erfordert, sich selbst von außen zu betrachten. Dafür braucht es einen Sparringspartner, das geht nicht allein. Hinzu kommt der innere Kritiker, der viele davon abhält, wirklich genau ihr Ding zu machen. Erst neulich beschrieb sich eine Gründerin in einem Workshop als eigenwillig und bewertete diese Eigenschaft negativ. Eine Ladeninhaberin kritisierte sich selbst als stur. Dabei sind es genau diese beiden Eigenschaften, die über die Voraussetzung schaffen, individuelle Wege zu beschreiten und eine wirkliche Marke zu werden. Mein Rat an alle Unternehmer: Seid stur und eigenwillig!

CG: Nach gängiger Definition resultiert Authentizität aus einem Sieg des Seins über den Schein. Doch für mich als Unternehmerin ist es nicht immer einfach zu entscheiden, wie weit meine Echtheit auf professioneller Ebene gehen darf. Wie erlebst du diese Auseinandersetzung? Hat Authentizität Grenzen?

MM: Echt ist echt, da gibt es für mich keine Abstufungen. Allerdings muss man, um authentisch zu wirken, nicht das gesamte Spektrum seiner Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Wenn es um den visuellen und verbalen Ausdruck geht, genügt es, sich auf die Eigenschaften und Merkmale zu konzentrieren, die im Business-Kontext relevant sind. Das gelingt gut, wenn man seinen Markenkern kennt.

CG: Mit Authentizität gehen Begriffe einher wie ….

MM: a. Glaubwürdigkeit,  b. Vertrauen,  c. Stimmigkeit. Erklärung siehe Antwort 1.

CG: Was glaubst du: Warum werden öffentliche Gefühlsausbrüche von Persönlichkeiten heute besonders geschätzt? Der Wutausbruch von Bundesaußenminister Steinmeier hat viel öffentliche Bewunderung erfahren und ist zum echten Youtube-Hit geworden mit mittlerweile mehr als 2,6 Mio. Klicks.

MM: Ich bin davon überzeugt, dass mit der zunehmenden Digitalisierung der Welt gleichzeitig das Bedürfnis nach Echtheit zunimmt. Und Gefühle lassen sich nun mal nicht so leicht faken wie Zahlen, Daten und Fakten. Hinzu kommt: Die meisten Menschen wirken so kontrolliert. Durch die permanente Medienpräsenz sind viele Aussagen und Auftritte glatt gebügelt. Ein öffentlicher Wutausbruch hat da schon Seltenheitswert. Neudeutsch würde man sagen: unique. Auch ein wichtiger Kernwert von Marken. Herr Steinmeier hat also alles richtig gemacht, was seine eigene Marke angeht. Ein noch besseres Beispiel ist allerdings die spontane Wutrede von Christian Lindner zum Thema Gründerkultur in Deutschland. Da hat die FDP in kürzester Zeit gleich mal an Profil gewonnen.

CG: Zum Schluss ein Blick in die Kristallkugel: Welche unternehmerischen Strategien werden in den nächsten Jahren Interesse wecken – und zum Beispiel aus Interessenten Käufer machen?

MM: Ich kann hier nur für meine Kunden sprechen – das sind Solopreneure und Inhaber von kleinen Unternehmen. Für sie wird es sehr wichtig sein, sich angesichts mangelnder Zeit und Budgets auf das zu konzentrieren, was für sie wesentlich und wirksam ist. Ich nenne es die Espressostrategie. Es bedarf einer starken Fokussierung auf das, was sie wirklich gerne und gut machen und gleichzeitig auf das, was die Kernprobleme ihrer wichtigsten Kunden löst. Wem es gelingt, hier eine schlüssige Verbindung herzustellen, und diese Botschaft einfach, klar und ansprechend zu transportieren, der wird echte Beziehungen zu den Interessenten aufbauen können. Diese Beziehungen werden dann zu guten Geschäften führen.

CG: Danke, liebe Maren, für die spannenden Einblicke in deine Arbeit und in deine Art zu Denken 😉


Maren-ProfilMaren Martschenko arbeitet als freiberufliche Marketingberaterin für Solopreneure und den kleineren Mittelstand. Sie versteht sich als Chief-Enthusiasm-Officer für ihre Kunden, denn sie weiß, dass das beste Markenkonzept das gelebte Konzept ist. Gemeinsam mit ihren Auftraggebern entwickelt sie im Dialog Konzepte zur Positionierung und Führung von Marken in stark fragmentierten Märkten mit erklärungsbedürftigen Produkten. Mit ihrer Espressostrategie® sparen die Unternehmer  Zeit und Geld, weil sie sich auf das Wesentliche und das Wirksame konzentrieren. Daneben hat sie an einen Lehrauftrag an der Universität Passau zum Thema „Management von Social Media“ und inspiriert regelmäßig Unternehmer im Rahmen von Workshops und Vorträgen, neue Wege im Marketing zu gehen.
Bildquellenangabe: Maren Martschenko

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