Twitter-Usertypen

von am 24. Oktober 2013 in Christa persönlich, Know-how, Social Media | 18 Kommentare

Das Twitter-Universum: Linkschleudern, Berichterstatter und Tweetdiebe.

Anfang des Jahres habe ich einen Blogbeitrag zu den Facebook-Usertypen geschrieben – zu dieser Zeit war Facebook mein bevorzugter Social Media-Kanal. Mittlerweile nutze ich aber auch Twitter immer öfter, denn manchmal liegt die Würze tatsächlich in der Kürze. Doch je mehr ich mich mit diesem Mircoblogging-Dienst und seinen 140 Zeichen beschäftigte, um so klarer wurde mir, dass das Twitter-Universum ebenfalls von verschiedenen Usertypen bevölkert wird, die ähnlich putzige Macken haben wie die Facebookianer ;o)) In diesem Blogbeitrag habe ich mal einige zusammengestellt:

Der Motzkopp – immer ein schlechtes Wort parat.

schlecht gelaunter CowboyDer Motzkopp ist eine Twitter-Spezies, die es in vielen verschiedenen Ausprägungen gibt: Vom gelegentlichen Nörgler über den spezialisierten Motzkopp, der wahlweise über Sport, Politik oder Promis motzt, bis hin zum dauermotzenden Profimotzer ist alles dabei! Er pflegt eine geradezu amouröse Beziehung zu den Hashtags #fail und #wtf, die er deswegen in jedem Posting verwendet – in besonders schweren Fällen sogar in GROßBUCHSTABEN.

Die Linkschleuder – einer geht noch.

Die Linkschleuder liest etwas Interessantes auf der Website der Gänseblümchenzüchter? Raus damit auf Twitter, diese tolle Neuigkeit interessiert die Welt bestimmt! Und auch die Fuballnews in der Kreisliga E Oer-Erkenschwick sind für das weitere Weltgeschehen relevant – ganz bestimmt. Doch am ehesten erkennt man die Linkschleuder daran, dass sie einfach nur einen Link in die Welt schleudert. Ohne Kommentar und garantiert frei von jeder persönlichen Note. Gern wird, ganz pfiffig, ein Linkverkürzer benutzt, damit der geneigte Follower nicht schon vorab sehen kann, welche Inhalte ihn erwarten.

Der Tweet-Dieb – deins, meins? Ach, egal.

Eine ganz hinterhältige Twitterspezies, denn der Tweet-Dieb mopst sich einfach ganze Tweets von anderen und gibt sie als die eigenen aus. Die Funktion des Retweetens hat er scheinbar noch nicht entdeckt! Doch auf Twitter naht Rettung: Die Tweetpolizei deckt Tweet-Diebe schonungslos auf und stellt sie öffentlich an den Pranger. Manchmal endet das in einem schaurigen Gemetzel, das eigentlich nicht zum guten Ton auf Twitter gehört. Denn das Mittelalter ist ja eigentlich vorbei. Aber tief in unseren Herzen fühlen wir alle: Der gemeine Tweetdieb hat es nicht anders verdient!

Der Gerechtigkeitsfanatiker – folge mir. Weil ich dir folge!

Die GerechtigkeitswaageDieser Twitterer ist eigentlich recht unauffällig – bis zu dem Punkt, an dem man es wagt, sein Folgen nicht mit einem Refollow zu beantworten. Dann reagiert er auf drei verschiedene Weisen: Der introvertierte Gerechtigkeitsfanatiker entfolgt nach etwa 3 Tagen heimlich, still und leise. Der extrovertierte Gerechtigkeitsfanatiker entfolgt nach etwa einem Tag – und sendet eine beleidigte Mail. Pöh. Der cholerische Gerechtigkeitsfanatiker pappt dem unverschämten Lümmel, der es gewagt hat nicht gegenzufolgen, einen gesalzenen Tweet in die Timeline – für alle sichtbar: „Man folgt immer zurück, wenn man selbst gefolgt wird – du hast wohl Twitter nicht verstanden!“

Der Scherzkeks – was haben wir wieder gelacht, haha!

Der Scherzkeks nudelt auch den abgelatschtesten, schlechtesten Witz zum drölfzigsten Mal durch – und zwar ganz ohne Hemmungen. „Was ist Tierquälerei? Einer Schlange Viagra zu geben!“ oder „Opium haut Opi um!“. Der Scherzkeks liebt aber auch kleine Wortspielereien wie „Wir vier sind die einzigen drei, die zu zweit allein sein können.“ Erstaunlich ist, dass der Scherzkeks oft über eine große Fangemeinde verfügt, die tatsächlich über seine Witze lachen können!

Der Berichterstatter – vom Klo zum Essen zur Arbeit ins Bett.

Schon morgens wird über die Schwierigkeiten beim Aufstehen berichtet. Danach ist der Stuhlgang ein Thema auf Twitter. Es folgen diverse Tweets über zu sich genommene Mahlzeiten (mit Foto!) und abends schließt der Berichterstatter seinen Twitteraccount mit einer Live-Berichterstattung vom jeweils angesagten Fernsehprogramm. Berichterstatter mit Schlafstörungen teilen ihren Followern auch gerne mal morgens um 4 Uhr mit, dass sie nicht schlafen können. Eine Runde nächtliches Mitleid, bitte.

Der Wiederholungstäter – und stündlich grüßt das Murmeltier.

Dieser Tweet ist so wichtig, dass der Wiederholungstäter seine Follower natürlich stündlich damit beglücken muss – am besten via Hootsuite oder einem anderen Social Media Dashboard. So kann dieser Twittertyp vorarbeiten und immer wieder die selben Inhalte in leicht abgewandelten Variationen in seine Timeline kippen. Und zwar so lange, bis der Tweet wirklich zu jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit verteilt wurde. Schließlich meint er es nur gut mit seinen Followern, die durch die Bank weg ein schlechtes Gedächtnis haben.

Der Fragensteller – wer wie was warum?

„Was für ein Wetter wird morgen in München?“ „Wie geht das Fußballspiel morgen aus, was glaubt ihr?“ „Was soll ich meiner Schwiegermutter zu Weihnachten schenken?“ Der Fragensteller lässt sein gesamtes Leben auf Twitter fremdentscheiden – bis hin zur Auswahl der Kleidung. Das ist schon recht nervig. Aber das allerschlimmste ist: Er fühlt sich gut dabei. Schließlich kümmert sich seine Timeline rührend um ihn und nimmt ihm alle Entscheidungen ab. Dafür bedankt er sich in regelmäßigen Abständen via Tweet – mit ganz vielen Herzchen versehen!

Der Träumer – das ist ja soooooo schön!

Schwan im Nebel und im MondscheinDiesen Typ gibt es  in der weiblichen und männlichen Variante – mit kleinen Unterschieden zwischen den Geschlechtern: Der Träumer träumt vom Sieg seiner Lieblings-Fußballmannschaft oder von einem guten Essen. Sollte die Mannschaft gesiegt oder das Essen geschmeckt haben, wird dies in verklärenden Worten sofort der Timeline mitgeteilt. Die Träumerin postet mit Vorliebe Fotos von Sonnenuntergängen, die mit einem romantischen Spruch bis zum Brechreiz gewürzt wurden. Beiden gemeinsam ist die Vorliebe für den Hashtag #hach, der in jedem Posting vorkommen muss!

Und Sie?

Zu welchem Twittertyp gehören Sie? Motzen Sie gern? Oder erstatten Sie haarklein über Ihr Leben Bericht? Oder sitzen Sie vielleicht im Geiste schon auf diesem Schwan, während Sie den Mondschein und die Nebelschwaden genießen? Oder fällt Ihnen noch ein Twittertyp ein, den ich bisher übersehen habe? Ich freue mich über Ergänzungen ;o))

Bildquellenangabe: Pixabay

18 Kommentare to “Twitter-Usertypen”

  1. Wer eindeutig fehlt:

    Die Quartalstwitterin. Loggt sich ein, wenn es ihr einfällt – und das ist selten. Vergisst schonmal die Zugangsdaten nach all der Zeit. Wenn sie dann drin ist, liest sie erstmal die Tweets der letzten Woche nach und wird ganz rammdösig davon. Tweetet irgendwas, um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden. Nimmt sich fest vor, regelmäßiger reinzuschauen, aber dann kommt wieder irgendwas dazwischen.

    Kenn ich sehr gut, die Type ;-).

  2. …irgendwie bin ich grad irritiert…
    Ich komme da ja gar nicht vor??? Ich glaub, ich bin ein bisschen von allem und aber auch nichts davon. Ich liebe Twitter, liebe die schnelle Information, aber auch mal Quatsch machen und beim Wein ein Pläuschen halten. Dann teile ich gern Informationen, man sagt mir nach, dass ich die Informationen immer so schön für andere filtere. Wer bin ich nun?

    Mrs Twitter wurde ich von meinem Social Media Managern im letzten Kurs getauft – Ja, ich liebe Twitter, es ist nach wie vor mein wichtigster Kanal.
    So, liebe Christa, nun finde eine Kategorisierung für mich :)

    Viele Grüße
    Silke

  3. Da fehlt noch der/die Twitter-furchtbar-Ernstnehmer/-in: die analysieren, wer sie wann warum entfolgt hat („Drei Tage nach Verfolgung entfolgte er/sie mich wieder, bestimmt, weil ich nicht zurückgefolgt hab!!! Was für ein Social-Media-Monster“), der/die Apps aktiviert, um über Entfolgung sofort benachrichtigt zu werden und der/die in der Timeline verkündet, wenn ihm/ihr eine Entfolgung auffiel – mit namentlicher Erwähnung des Dissidenten natürlich. Diese Twitterer führen zu einem rasanten Anstieg des Quartalstwitterns der Twitter-überhaupt-nicht-Ernstnehmer/-innen.

  4. Der Artikel ist wirklich toll geschrieben, bringt vieles mit einem Augenzwinkern auf den Punkt und ich habe auch einige von diesen Twitterern in meiner Timeline. Nichtsdestotrotz gibt es ja so viele tolle Twitterer, die ganz viel Input selbst einbringen, weitertragen und auch toll mit ihrer Community kommunizieren. Das sollte auf alle Fälle ergänzt werden, denn: Twitter ist einfach toll! So entsteht aber für Unkundige der Eindruck, dass man Twitter einfach sein lassen sollte. In diesem Sinne.

    • Hallo Juliane – natürlich ist Twitter toll ;o)) Sonst hätte ich keinen humorigen Artikel darüber geschrieben! Und ich glaube auch nicht, dass hier bei kundigen Menschen ein falscher Eindruck entsteht. Wenn jemand allerdings Social Media nicht versteht, wird er auch meinen Beitrag nicht verstehen – das ist systemimmanent ;o))

      Liebe Grüße,
      Christa

  5. Ich bin „der Roboter“, der gar nicht beschrieben worden ist. Meine Tweets erfolgen 99,99% automatisch mit irgeneiner zu diesem Zweck entworfenen Applikation, wie z.B. Tweeterfeed oder ähnliches.

    Manchmal, aber sehr selten, erscheine ich auch persönlich um zu sehen welche Heinisklasse einen automatischen Tweet beantwortet… 😉 Siehe @pbouvier in Twitter wenn Sie mehr erfahren wollen.

  6. Hallo Frau Goede,

    ein interessanter Artikel über das Twitter-Universum. Letztendlich hat jede Gruppe ihren Vor- und Nachteil.

    Zu welcher Gruppe zählen Sie sich 😉

    Beste Grüße, Ralph

  7. Liebe Christa,

    deine Twitter Typen wirken alle so unsymphatisch.
    Dabei finde ich auf twitter so viele symphatische Menschen. Mit ihren Eigenheiten, Macken, besonderen Hashtags.
    Ich finde, es ist wie auf einer Cocktailparty.
    Die einen haben schon einen Drink zuviel, die anderen sind zum erstenmal dabei, andere haben einfach nur gute Laune und strahlen die aus, wieder andere glauben, nur sie wissen, wie eine gute Cocktailparty abläuft und wieder andere erzählen Uraltwitze, als wären sie brandneu.
    Dann gibt’s welche, die einfach nur gern zuhören, welche, die hervorragende Erzähler sind und immer eine gute Pointe kennen und dann die, die dumm rumstehen, manchmal kichern und nicht wissen, was sie hier eigentlich sollen.

    Viele Grüße
    Martina

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