Authentizität und Glaubwürdigkeit

von am 19. März 2014 in Authentizität, Know-how | 10 Kommentare

Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen.

SchuhabdruckWussten Sie schon? Porsche baut einen kleinen Ein-Liter-Cityflitzer mit 25 PS. Primark verkauft fair produzierte Kleidung in klassischen Schnitten und gedeckten Farben. Und bei Bosch gibt es ab sofort Bohrmaschinen für jedermann zum Preis von 10 Euro. Glauben Sie nicht? Gut so, denn ich habe mit diesen Sätzen mächtig geschummelt ;o)) Aber warum glauben Sie das nicht? Weil meine Aussagen nicht in die Bilder passen, das Sie von den genannten Unternehmen haben: Porsche steht für schnelle, luxuriöse Oberklasse-Autos zu Spitzenpreisen. Primark verkauft extrem günstige Kleidung – Qualität, Herstellungsprozesse und Materialien sind egal. Und Bosch bietet „Technik fürs Leben“ an, die ihren Preis hat.

Diese drei Unternehmen haben Botschaften, die offen in ihrem gesamten Außenauftritt gelebt werden. Sie wirken mit ihren Produkten glaubwürdig und haben ihr Markenversprechen in unseren Köpfen festgesetzt. Ganz gleich, ob Sie Produkte dieser Unternehmen kaufen oder nicht – Sie wissen sofort, mit welcher Art von Produkten Sie das Unternehmen verbinden. Die Geschichte vom 25-PS-Cityflitzer von Porsche wirkt also genau so unglaubwürdig wie die fair produzierte Kleidung von Primak oder die Billigbohrmaschinen von Bosch.

Große Unternehmen, kleine Unternehmen – gibt es Unterschiede?

Zugegeben, ich habe für meine Beispiele große Unternehmen gewählt, die sogar global agieren. Doch diese Botschaften finden Sie auch bei vielen kleinen Unternehmen: Die Pizzeria von nebenan, die mit dem Slogan „täglich frisch“ wirbt und jeden Tag knackige Salate und saisonale Tagesangebote auf der Speisekarte hat. Der Kiosk an der Ecke, der mit „Für Sie da!“ für seinen umfangreichen Service wirbt – der Inhaber besorgt Ihnen zuverlässig Monat für Monat die Fachzeitschrift aus dem Ausland. Oder Ihre Autowerkstatt, die getreu dem Motto „Morgens geholt, abends gebracht!“ Ihr Auto für die fällige Inspektion zur verabredeten Uhrzeit abholt und abends wieder zurückbringt.

Das alles sind tolle Botschaften von kleinen Unternehmen, die dafür sorgen, dass wir uns als Kunden gut aufgehoben fühlen und gerne wiederkommen. Slogans, die glaubwürdig sind, weil sie jeden Tag im Unternehmen gelebt werden. Doch dieses Vertrauen der Kunden ist sehr zerbrechlich: Einen Verstoß gegen ein solches Versprechen können Sie als Kunde akzeptieren, bei einem zweiten wird es schon schwieriger. Ein dritter Verstoß wird Sie mit ziemlicher Sicherheit dazu bringen, sich einen neuen Anbieter zu suchen – denn Ihr Vertrauen in das Unternehmen ist gestört.

Authentizität und Glaubwürdigkeit als Teil der Marketingstrategie.

Schild FragileSie sehen: Werte wie Authentizität und die daraus resultierende Glaubwürdigkeit sind wichtig. Doch sie sind immer Bestandteil einer langfristigen Marketingstrategie – denn das Vertrauen der Kunden erlangt man nicht mal eben schnell und zwischendurch, dafür müssen Unternehmen lange und hart arbeiten. Gleichzeitig sind Authentizität und Glaubwürdigkeit aber auch fragile Werte: Eine falsche Äußerung, ein paar Mal unpünktlich geliefert oder einen labberigen Salat serviert, und schon kann die Arbeit von Monaten oder gar Jahren zunichte gemacht worden sein.

In diesem Werte-Konstrukt gibt es noch eine weitere Stolperfalle: Authentizität als reines „Echt sein“ ist nicht automatisch positiv besetzt. Ein Beispiel: Ein Mensch, der sich wie das sprichwörtliche Arschloch verhält, ist nicht nur ein unangenehmer Zeitgenosse, sondern er lebt seine Rolle authentisch. Arsch bleibt eben Arsch! Also müssen wir im unternehmerischen Sinne aufpassen, dass uns keine negativ besetzte Authentizität zugeschrieben wird – schließlich bleiben negative Dinge leider länger im Gedächtnis der Menschen als die positiven Seiten.

Was empfinden wir eigentlich als authentisch?

Als authentisch werden Personen, Unternehmen oder Produkte wahrgenommen, bei denen (Werbe-)Botschaft und Handeln übereinstimmen. Es handelt sich also nicht um ein pures Nutzenversprechen, sondern um eine Art Charakterzug, den das Unternehmen, der Unternehmer oder zum Beispiel auch ein Produkt besitzt. Eine Botschaft, die offen gelebt wird und damit lebendig wird. Das Problem: Man kann nicht mal eben schnell für sich entscheiden, dass man ab sofort authentisch ist. Wir müssen alle an unserer Authentizität arbeiten und uns für unser Echtsein engagieren. Denn das Etikett „ECHT“ bekommt eine Person/ein Unternehmen/ein Produkt immer von außen verliehen.

Gleichzeitig birgt das Streben nach Authentizität Risiken – schließlich kann jede gesendete Botschaft auf mehrere Arten empfangen werden:

  • Wer für sich selbst einsteht, könnte auch egoistisch sein.
  • Wer kooperiert, könnte auch anderen etwas vormachen.
  • Wer seine Befindlichkeiten äußert, könnte auch keine Schutzmechanismen besitzen.
  • Wer diplomatisch ist, könnte auch seine eigentlichen Ziele vertuschen.
  • Wer ehrlich kommuniziert, könnte auch rücksichtslos sein.
  • Wer rücksichtsvoll ist, könnte auch sich selbst verbiegen.

Doch sind das wirklich Risiken? Oder gehört die Art und Weise, wie wir Botschaften senden und empfangen, nicht zu unserem Wertesystem? Sind es nicht eventuell sogar unsere ganz eigenen Ecken und Kanten, die uns so unverwechselbar machen? Und sind diese Sende- und Empfangsmechanismen damit nicht ein Resultat aus dem, was wir in unserem Leben gelernt haben? Etwas sehrsehrsehr Persönliches? Meiner Meinung nach ist es genau so. Und damit steht fest: Es gibt kein verbindliches Maß für „Authentizität“. Wir können lediglich selbst bestimmen, was für uns ganz persönlich „echt“ bedeutet. Und in unserem ganz eigenen Stil über unsere Arbeit reden oder schreiben und sie so nach außen tragen. Eben unsere Botschaft, unser Unternehmen, unsere Ziele leben ;o))

Bildquellenangabe: www.pixabay.de

10 Kommentare to “Authentizität und Glaubwürdigkeit”

  1. Liebe Christa,

    dieser Beitrag spricht mir aus der Seele. Authentizität – echt sein, ist für mich auch die Basis meines Handelns. Denn als Einzelunternehmerin bin ich ganz allein verantwortlich für das, was ich tue. Insofern fließen für mich Begriffe wie Unternehmens-Philosophie & Persönlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Kooperationsfreude und eben auch Authentizität und Transparenz in meinem Handeln immer zusammen. Im Idealfall merkt man mir das in meinen Botschaften, in meinem Außenauftritt an und daraus wird meine ‚Marke‘. Gerade bei uns Einzelunternehmern finde ich das eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Selbstmarketing: Echt sein!

    BTW: Gerade deshalb bin ich regelmäßig begeistert von Deinen Beiträgen, denn sie sind ein immer gleich starker, glaub- und vertrauenswürdiger Baustein Deiner Markenbotschaft. Vielen Dank Christa (wieder mal 😉 für diesen Beitrag! Weiter so! 🙂

    Liebe Grüße, Martina

    • Oh, lieben Dank für diesen ganzen Blumenstrauß an Komplimenten, Martina <3
      Ich bemühe mich täglich, meine eigenen Werte nicht nur privat, sondern auch geschäftlich zu leben - und das ist manchmal gar nicht so einfach. Meinen Kunden empfehle ich aber trotzdem immer, es sehr genau zu nehmen mit Botschaften, die sie als Unternehmen aussenden. Denn genau daran werden wir Unternehmer gemessen. Jeden Tag.

      Liebe Grüße aus Frankfurt sendet dir
      Christa

  2. Ich kann mich Martina und Dir nur anschließen: Authentizität ist die Mutter jeglicher geschäftlicher – und privater! – Beziehung. Und zusätzlich macht „hart arbeiten“ bedeutend mehr Freude, wenn man/frau sich dabei nicht verbiegen muss – das ist gut für die Seele und den morgendlichen Blick in den Spiegel. 🙂
    LG Anette

    • Das sehe ich auch so. Viele verbiegen sich zu sehr, um es nach Möglichkeit jedem und jeder Recht zu machen. Hatte letztens auch einen Beitrag gelesen, dass authentische Menschen im Beruf erfolgreicher sind. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht beurteilen, aber auf jeden Fall lebt es sich so auch entspannter. 🙂

  3. Liebe Christa,

    du bringst es wirklich exakt und wunderbar authentisch auf den Punkt – „das Prädikat „echt“ wird uns verliehen“. Und das bekommen wir nur, wenn wir wirklich echt sind und uns nicht verstellen.

    Je authentischer wir sind, desto eher sprechen wir damit ja auch unsere wahren Idealkunden an. Alles andere wäre nur Verbiegen und „brav & lieb sein“. Ich denke, davon hatten wir als Noch-Nicht-Selbständige eh schon genug. 😉

    Jetzt können wir ganz einfach so sein, wie wir sind. Und das ist großartig!

    Danke für diesen tollen Input, Christa!

    Bis bald,
    karin

  4. Hallo Christa,

    auch ich kann mich mal wieder nur anschließen: Danke für diesen Beitrag!

    Authentisch sein ist etwas, das auch ich als wichtig empfinde und zu leben versuche.
    Gerade weil man während seiner Jugend/Pubertät durch diese quälende Selbstfindungsphase geht, in welcher man versucht herauszufinden wer man ist, sollte man dieses „Ich“ dann auch tatsächlich leben. Privat, aber auch im Beruf.

    Es wirkt nicht nur vertrauenswürdiger, weil dein Gegenüber (dein Kunde) weiß was er von dir erwarten kann, sondern weil es auch für dich selbst sehr viel Stressfreier ist.
    Jeden Tag jemand anderen zu spielen – das ist sicher etwas wenn man seine Brötchen mit der Schauspielerei verdient – aber für den Rest von uns ist es auf dauer anstrengend und unnatürlich.

    Wieder mal ein gelungener Artikel. 🙂

    Liebe Grüße,
    Alice

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