Die korrekte Ansprache

von am 27. Juli 2017 in Know-how, Social Media | 2 Kommentare

Du oder Sie? Oder vielleicht doch Ihr? Das ist hier die Frage ….

Sprachblasen Du oder SieDie eine oder der andere hat es vielleicht bemerkt: Ich sieze die Lesenden auf den Angebotsseiten dieser Website, im Blog hingegen duze ich. Früher habe ich im Blog auch gesiezt und dann gab es noch eine Ihr-Zwischenphase, die 2016 vom Du beendet wurde. Doch glücklich und zufrieden bin ich mit dieser Lösung immer noch nicht. Denn eigentlich stehe ich ziemlich auf Konsistenz in der Kommunikation – derartige Sprünge würde ich nie machen, wenn es zum Beispiel um die Schreibweise eines Firmennamens oder um bestimmte, für die Marke wichtige Formulierungen geht.

Doch es gibt gute Gründe, warum ich mir in diesem Punkt Inkonsequenz erlaube:

Die verschiedenen Trafficquellen

Der Traffic für meine Angebotsseiten kommt zum allergrößten Teil direkt aus Google – die Leute, die meine Blogbeiträge lesen, kommen zum überwiegenden Teil über die Sozialen Netzwerke, in die ich meine Beiträge teile. Diese zwei Nutzergruppen unterscheidet Folgendes:

Die unterschiedlichen Bedürfnisse

  • Jemand, der eine Texterin und Konzeptionerin für seine neue Website oder für Social Media sucht, wird googlen und meine Angebotsseiten besuchen. Diese Person kennt mich nicht, ich kenne sie nicht – da ist das höfliche, businessmäßige Sie angebracht.
  • Jemand, der aus den Sozialen Netzwerken auf meine Blogbeiträge klickt, folgt mir, ist mein Fan oder mit mir befreundet. Wir stehen uns also näher, kennen uns vielleicht sogar persönlich – da passt das Du, denn ich duze sehr viele Menschen, privat und beruflich.

Sprache ist Wandel, Social Media ist DU

Ja, es gibt sie, die Siezer in Social Media. Aber mal ehrlich: Man stolpert beim Lesen geradezu über Postings in Sie-Form. Sie fühlen sich an, als wären sie an einem falschen Ort platziert – ganz so, als würde man im kleinen Schwarzenund Heels auf ein matschiges, lautes Open-Air-Punkrock-Festival gehen. Dieses Stolpern kann auch Zweck oder Stilmittel sein, wenn es perfekt zum Absender passt: Ein edler Ausstatter für zeitlose Abendmode oder ein Anbieter von Kniggekursen – da würde sogar ich in der Social-Media-Kommunikation siezen. Bei vielen anderen wirkt es aber auf mich steckensteif und das mag ich nicht. 😉 Zumal das formale Sie im Streit in Social Media von manchen Nutzern auch ganz bewusst eingefordert wird, um zusätzliche Distanz und eine Hierarchie zu schaffen zwischen den Kontrahenten … wäää, ne. Ich bin ein Du-Typ!

Schild - Veränderungen in SichtUnd auch außerhalb von Social Media hat sich die Sprache in den letzten Jahrzehnten hin zum Du gewandelt. Das macht sich auch in der Werbung außerhalb vom schwedischen Möbelhaus bemerkbar: Es gibt sogar Unternehmen aus vermeintlich extrem seriösen Branchen, die das Du in ihrem Claim aufgenommen haben. Bei Di-ba-diba-du kannst du bestimmt mitsummen und die Übersetzung „ING-DiBa – die Bank und du“ kennst du sicherlich auch.

Insgesamt scheint sich also die deutsche (An-)Sprache im Alltag mehr an das englische YOU anzupassen und sich zu vereinheitlichen. Doch der Umgang mit dieser Ansprachen-Tendenz scheint auch eine sehr persönliche Angelegenheit zu sein – es gibt Leute, die das Sie weiterhin bevorzugen und andere, die Du lieber verwenden. Auch deshalb finde ich es sehr schwer, einem Geflüchteten im Deutschunterricht zu erklären, wann es Du und wann es Sie heißt – und über die Verwendung des Ihr haben wir da meist noch nicht mal gesprochen. 😉 Deutsch ist und bleibt eine sehr schwere Sprache.

Nachtrag: Ich habe schon 2013 über dieses Thema im Blogbeitrag „Die Krux mit der Ansprache“ nachgedacht und werde es vermutlich in der näheren Zukunft wieder tun. Denn so eine Website ist eine Dauerbaustelle, die immer wieder überprüft und infrage gestellt werden muss. Am liebsten frage ich in einem solchen Fall meine „Filterblase“ auf Facebook, denn dort bekomme ich wertvolles Feedback und interessante Standpunkte zu lesen. Und so finden sich viele Gedanken meiner Facebook-Freunde in diesem Blogbeitrag wieder – danke dafür!

Bildquellenangabe: Pixabay
Christa GoedeChrista Goede steckt viel Herzblut und noch mehr Fachwissen in digitale Unternehmensauftritte: Mit individuellen Texten und Konzepten gestaltet sie Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Ihre Erfahrung und ihr Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teilt sie hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen.

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2 Kommentare to “Die korrekte Ansprache”

  1. Liebe Christa,
    ha, genau mein Thema zur Zeit – ich bin ja eher die Siezerin, aber da ich jetzt auch auf Twitter rumschwirre (mit beiden Accounts) bin ich echt unentschieden. Mal schauen, wie ich das für mich löse, ob ich zwischen Profi-Wissen und Kölner Leselust unterscheide (bei letzterer würde mir der Wechsel zum Du eindeutig leichter fallen) – Dein Beitrag kam gerade genau passend 🙂
    Liebe Grüße
    Heike

    • Das freut mich, liebe Heike ;o)
      Ja, ein Blick auf die jeweiligen Zielgruppen lohnt sich in jedem Fall. Und dann das Thema auf Wiedervorlage legen – denn ich glaube, da wird sich noch ganz viel ändern in den nächsten Monaten und Jahren.

      Liebe Grüße sendet
      Christa

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