Sprachstil finden

von am 11. September 2019 in Know-how, Text | Keine Kommentare

Sprachstil gesucht? So findest du die passende Tonalität für deine Texte.

verschiedene Typen brauchen verschiedene SprachstileWir Texterinnen und Lohnschreiber sind ja schon ein bisschen speziell: Dauernd müssen wir uns in andere Menschen hinein denken, um zum Beispiel Argumente für den Verkauf eines bestimmten Produkts zu finden. Das geht so weit, dass wir für diese Zielgruppen sogenannte Personas entwickeln und diese mit Namen und Gesichtern versehen. Wir kennen uns also gut aus in den Köpfen anderer Menschen – und deshalb sollten Texterinnen und Texter auch über ein dickes Pfund Empathie verfügen. Doch um einen guten Text zu schreiben, brauchen wir neben dem Wissen über die Zielgruppen auch noch den passenden Sprachstil, der den Kunden oder die Auftraggeberin repräsentiert UND GLEICHZEITIG die gewünschten Zielgruppen anspricht.

In mehr als zwei Jahrzehnten in meinem Job habe ich gelernt, dass es viele Wege gibt – und dann nicht  jeder Weg zu jeder Kundin oder jedem Kunden passt. Aber mit den Jahren habe ich ein Gespür dafür entwickelt, welche Methoden ich brauche, um den passenden Sprachstil zu finden. Meine Techniken sind:

1. Hinhören und zuhören

Ganz genau zuhörenSchon beim allerersten Telefonat nutzen meine Kundinnen und Kunden ihre ganz eigene Sprachwelt. Oft mache ich mir schon währenddessen Notizen. Überhaupt spreche ich gerne mit Menschen, denn unsere gesprochene Sprache ist authentischer als die Worte, die wir aufschreiben – dabei ist es total egal, ob wir telefonieren, einen Hangout machen oder skypen oder ob wir uns direkt in einem Raum gegenübersitzen. Während dieser Gespräche merke und notiere ich mir Wörter oder sogar ganze Formulierungen, die mein Gegenüber nutzt. Gebraucht jemand viele Fremdworte und spricht akademisch? Oder beschreibt diese Person ihr Unternehmen mit vielen Adjektiven blumig und emotional? So finde ich erste Hinweise auf den richtigen Sprachstil.

2. Lesen und verstehen

Lesen und verstehenIn jedem Unternehmen sind bereits Texte vorhanden. Diese Texte nehme ich mir vor und untersuche, ob ich hier weitere Hinweise auf einen passenden Sprachstil finden kann. Sind die verwendeten Sätze eher lang oder kurz? In welcher Person wird vom Absender gesprochen? Wie werden die Lesenden angesprochen? Welche Adjektive gibt es? Welche Emotionen passen zu diesen Adjektiven? Passen die Emotionen, die erzeugt werden, zu den Zielgruppen? Ganz wichtig ist auch zu überlegen, ob die gesprochene Sprache zu den bisherigen Texten passt – klafft zwischen beiden eine zu große Lücke, empfehle ich meinen Kunden, den geschriebenen Stil an den gesprochenen Stil anzupassen. Denn so bleibt die Authentizität erhalten.

3. Fragen stellen und ggf. nachfragen

Fragen stellenManchmal wollen meine Auftraggeberinnen oder Kunden, dass die neuen Texte „ganz anders“ werden. Hier muss ich dann raus finden, was genau damit gemeint ist: Gibt es inhaltliche Kritikpunkte oder beschränkt sich der Änderungswunsch rein auf den Sprachstil? Was genau gefällt nicht? Wie genau sollen die neuen Texte werden? Da es den meisten Menschen schwerfällt, zu diesen Fragen genaue Antworten zu geben, frage ich gerne nach Beispieltexten, die besser gefallen. Wichtig ist auch, dass ich immer wieder nachfrage und dabei die Formulierung wechsle. Denn Sprache ist ein sehr sensibles Gut mit vielen Zwischentönen – doch diese Zwischentöne sind sehr wichtig, wenn ich den passenden Sprachstil herausfinden will.

4. Feedback einholen und umsetzen

Feedback einholen und umsetzenMeist werde ich mit mehreren Texten beauftragt. Doch ich schreibe immer erst eine kleine Auswahl von Texten und lege diese dann dem Kunden oder der Auftraggeberin zur Freigabe vor. So stelle ich sicher, dass wir keine Zeit verschwenden auf der Suche nach der passenden Tonalität. Ich freue mich in dieser Phase über ein detailreiches Feedback, dass ich dann exakt umsetze. Sollte das Feedback aber meiner Meinung nach nicht passen, versuche ich, den Kunden von meinem gewählten Sprachstil zu überzeugen. Denn ich lege zum Beispiel großen Wert darauf, dass die Begriffe, die in der gesprochenen Sprache des Unternehmens vorkommen, konsequent auch in den geschriebenen Texten genutzt werden.

Prima bis hierher – doch was ist eigentlich der passende Sprachstil?

Tja, auf diese Frage gibt es meiner Meinung nach so viele Antworten wie Unternehmen. Manchmal sind es nur Nuancen, in denen sich eine Tonalität von einer anderen unterscheidet. Doch diese winzigen Details können wichtig sein für die Suche nach den Traumkundinnen und -kunden. Denn wir alle entscheiden unbewusst, während wir lesen, ob uns ein Text anspricht oder nicht.

Wichtig für die Suche nach dem passenden Sprachstil sind meiner Meinung nach diese Fragen, die ich immer zwei mal beantworte – und zwar ein mal aus fachlicher Sicht und zum anderen aus der emotionalen Sicht:

  • Passt der Sprachstil zu mir und meinem Unternehmen?
  • Gibt der Sprachstil mein Angebot oder meine Produkte richtig wieder?
  • Passt die Tonalität zu meinen Zielgruppen?
  • Sind gesprochene und geschriebene Sprache nahezu identisch?
  • Kann ich die Texte laut vorlesen, ohne mir dabei die Zunge zu verrenken?

 „Vorlesen? Ernsthaft, Christa?“ – denkst du vielleicht jetzt. Ja, das meine ich sehr ernst. Denn Texte, die wir flüssig laut vorlesen können, bestehen aus gut formulierten, gut strukturierten und gut verständlichen Sätzen. Wenn du also Texte für dich selbst schreibst, solltest du Lautlesen als finalen Test für die Qualität deiner Texte benutzen. Ich mache das übrigens auch sehr oft … ;o)

Christa GoedeMit individuellen Texten und Konzepten gestalte ich Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Meine Erfahrung und mein Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teile ich hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen – viel Humor und gute Laune inbegriffen.

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Bildquellenangabe: Pixabay

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