Personenmarke aufbauen – warum?

von am 24. Mai 2018 in Know-how, Social Media | Keine Kommentare

Auch du bist Marke. Immer und überall!

Personenmarke aufbauen - warum? Ein GehirnDiesen Slogan sollte sich meiner Meinung nach eigentlich jeder Mensch direkt übers Bett hängen. Denn es ist tatsächlich so: Wir sind alle Marken. Und zwar im Privatleben genau wie im Geschäftsleben. Denn wir sind alles eigenständige Persönlichkeiten mit gewissen Merkmalen – eben eine Personenmarke. Laut Wikipedia steht der Begriff Marke „für alle Eigenschaften, in denen sich Objekte, die mit einem Markennamen in Verbindung stehen, von konkurrierenden Objekten anderer Markennamen unterscheiden“. Wenn man das für Personenmarken übersetzt, könnte da stehen: „Der Begriff Personenmarke steht für alle Eigenschaften, in denen sich eine Personenmarke von anderen Personenmarken unterscheidet.“ Das heißt also: Christa ist nicht Anna oder Elif. Und schon gar nicht Milad oder Stefan. Christa bleibt immer Christa, denn sie hat Eigenschaften, die sie von anderen Menschen unterscheiden – das gilt auch für alle anderen Menschen. Und für alle Freiberufler, Angestellten und Unternehmerinnen sowieso.

Der eine oder die andere hat in seiner Kindheit vielleicht sogar schon mal den Spruch gehört: „Du bist vielleicht ne Marke!“ In diesem Spruch klingen meiner Meinung zwei eigentlich gegensätzliche Dinge gleichzeitig mit:

  • Ein Vorwurf, weil du zum Beispiel eine Erwartungshaltung nicht erfüllt hast.
  • Der Respekt, weil du mit deiner Handlung einen eigenen Weg beschritten hast.

Ich kann mich zum  Beispiel daran erinnern, dass mein Mathelehrer diesen Spruch öfter mal zu mir gesagt hat, wenn meine Hausaufgaben wieder mal in eine philosophische Betrachtung ausgeartet waren (zum Beispiel zur Unendlichkeit und warum ich es merkwürdig finde, mit diesem Phänomen eine Berechnung durchführen zu wollen. ;-)) Auf der einen Seite macht er mir damit einen Vorwurf, denn ich habe seine Erwartungshaltung nicht erfüllt und keine seiner Aufgaben in gewünschter Weise ausgerechnet – auf der anderen Seite habe ich mir aber mit meiner kreativen Analyse der Unendlichkeit seinen Respekt verdient. Prima eigentlich, oder?

Doch wozu sind die gut, diese Personenmarken?

Meiner Meinung nach ist die Basis einer Personenmarke – auf Neudeutsch Personal Brand – die eigene Authentizität: Authentisch sind wir genau dann, wenn unsere innere Einstellung und das äußere Handeln weitestgehend identisch sind. Dieses Echt sein sorgt dann dafür, dass wir glaubhaft sind in dem, was wir tun. Und glaubhafte Menschen bleiben uns alle länger im Gedächtnis – ein echter Vorteil, für Selbstständige genau so wie für Festangestellte. Denn mit einer authentischen Personenmarke

  • zeigst du deine Persönlichkeit und stichst aus der Masse heraus.
  • macht du dein Profil sichtbar – mit all deinen Stärken (Schwächen gehören übrigens auch dazu ;-)).
  • arbeitest du an deinem Ruf und deinem Expertenstatus in deiner Branche
  • baust du dir ein Netzwerk auf.

Dabei bestimmst selbstverständlich du, wie weit du gehen willst: Wie viel deiner Persönlichkeit gibst du preis? Mit welchen Themen möchtest du die platzieren? Und natürlich steuerst du mit deinem Handeln auch, wie und wo du sichtbar sein möchtest.

Achtung, Risiko!

Wir alle bewerten Authentizität sehr hoch – das liegt unter anderem daran, dass dieses Echt sein selbst ein großes Risiko mit sich bringt. Authentizität lebt von einer weitestgehenden Übereinstimmung der Eigen- und Fremdwahrnehmung. Unsere eigene Wahrnehmung können wir steuern, klar. Aber wir haben nur eine sehr geringe Kontrolle darüber, wie wir auf andere wirken. Und so hat eine gelebte authentische Personenmarke auch durchaus Schattenseiten, denn jede gesendete Botschaft kann auf verschiedene Arten empfangen werden. Ein paar Beispiele:

  • Wer für sich selbst einsteht, könnte auch egoistisch sein.
  • Wer kooperiert, könnte auch anderen etwas vormachen.
  • Wer seine Befindlichkeiten äußert, könnte auch keine Schutzmechanismen besitzen.
  • Wer diplomatisch ist, könnte auch seine eigentlichen Ziele vertuschen.
  • Wer ehrlich kommuniziert, könnte auch rücksichtslos sein.
  • Wer rücksichtsvoll ist, könnte auch sich selbst verbiegen.

Hmmm … doch ist dieses Phänomen ein Grund, nicht mehr bei sich selbst zu sein, sondern die eigene Marke künstlich aufzuladen mit Inhalten, die nicht authentisch sind? Meiner Meinung nach nicht. Denn wir alle leben in einem persönlichen Wertesystem, in das Menschen mit einem ähnlichen Wertesystem am besten passen – so handeln wir zum Beispiel bei der Wahl unserer Freunde. Warum können wir dieses Auswahlverfahren nicht auch im Berufs- oder Arbeitsleben gelten lassen? Klar, für Festangestellte ist das nicht ganz so einfach, denn sie können sich meist ihre Kolleginnen und Kollegen nicht suchen – genauso wie die Vorgesetzten.

Und was wäre die Alternative? Die eigene Persönlichkeit verstecken? Eine Persönlichkeit erfinden? Und dann ständig überprüfen zu müssen, ob das, was ich gerade tue, zu meiner vorgespielten Persönlichkeit passt? Oder ob der Grad der Selbstverleugnung noch passt zur jeweiligen Situation? Himmel, das stelle ich mir schrecklich anstrengend vor! Klar, die Strukturen in den Arbeitswelten sind oft noch nicht so weit – zum Beispiel, weil eine echte Fehlerkultur fehlt oder weil handfeste Lügen immer noch zur Geschäftsstrategie so mancher Unternehmen zählen. Oder weil viele Menschen und auch ganze Firmen lieber rumeiern, statt mal Tacheles zu reden. Aber das sollte uns ja nicht daran hindern, mit der Bildung unserer eigenen, authentischen Personenmarken zu starten!

Sag ja zum Wertesystem!

Klar, das ist für Freiberuflerinnen wie mich einfacher, wir müssen ja nicht mit jedem zusammenarbeiten. Wobei unsere Wahlfreiheit auch von der Dicke des Auftragsbuchs abhängig ist – denn nur, wenn das voll ist, können wir wirklich auswählen. Und so gibt es auch in meiner Arbeitsbiografie Jobs, auf die ich nicht gerade stolz bin …

Doch auch für Festangestellte sollten die eigene Authentizität und das Wertesystem zum Beispiel bei der Wahl des Arbeitgebers eine große Rolle spielen. Um es mal platt zu sagen: Ein Vegetarier wird mit Sicherheit in einer Metzgerei nicht glücklich – und ein Mensch, der sich für den Frieden engagiert, möchte vermutlich auch nicht dabei mitwirken, einen Panzer-Hersteller zum Weltmarktführer zu machen. In den Arbeitgeber-Bewertungsplattformen finden sich viele Hinweise auf die gelebten Werte eines Unternehmens – der Blick dort hinein lohnt sich meiner Meinung nach eher als die Analyse der Website oder der Geschäftsberichte. Denn nur, weil in den Leitlinien eines Unternehmens steht, dass ein freundliches, wertschätzendes Miteinander zu den Grundwerten der Firma gehört, heißt das noch lange nicht, dass das auch aktiv gelebt wird. Der erste Schritt in die Richtung einer eigenen Personenmarke könnte für Festangestellte also sein: Augen auf und Rücken gerade bei der Wahl des Arbeitgebers ;-)

„Marken sind so kommerziell, ich will das nicht!“ 

Ein Nachsatz: Die Formulierung „Auch du bist Marke! Immer und überall!“ ist der Tatsache geschuldet, dass ich mich seit rund 20 Jahren mit der Bildung von Marken auseinandersetze – erst als Festangestellte in verschiedenen Werbeagenturen, seit 15 Jahren nun als freiberuflich arbeitende Texterin und Konzeptionerin. Ich weiß, es gibt Menschen, die sich an meiner These stören und partout keine Marke aka Personenmarke sein wollen, weil sich das für sie wie die Kommerzialisierung ihrer eigenen Persönlichkeit anfühlt. Alles kein Problem: „Ich mach mein eigenes Ding!“, „So denke ich!“ oder „Das ist mein Stil!“ und eine konsequente Umsetzung dessen reichen ja auch für ein starkes, selbstbewusstes und authentisches Statement ;-)

Christa GoedeMit individuellen Texten und Konzepten gestalte ich Websites und Social Media-Auftritte authentisch. Meine Erfahrung und mein Wissen als Texterin, Konzepterin, Social Media-Managerin und Bloggerin teile ich hier im Blog oder live in Workshops und Vorträgen – viel Humor und gute Laune inbegriffen.

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Bildquellenangabe: Titel Canva.com, Illustrationen Pixabay

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